Zwei Schulleiter in Marbach monieren Früher in die Ferien? Nur ungern!

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Für die Schüler geht es einige Tage eher in die Ferien. Foto: dpa/Daniel Karmann

Die Begeisterung der Schulleiter des Marbacher Gymnasiums und der Rielingshäuser Grundschule über den früheren Schulschluss am 18. Dezember hält sich in Grenzen. Die Notbetreuung ist noch nicht gesichert.

Marbach - Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Kultusministerin Susanne Eisenmann sind sich in der Frage der verlängerten Ferien nicht wirklich grün. Der Landesvater steht hinter dem Beschluss von Bund und Ländern, die Schüler bereits am 18. Dezember in die Ferien zu entlassen. Damit habe man bis Heiligabend eine Strecke von fünf bis sechs Tagen, die man nutzen könne, um Kontakte zu minimieren. Susanne Eisenmann hatte vor zwei Wochen noch erklärt, sie werde keine längeren Ferien anordnen. Eine von den Schulen organisierte Notbetreuung, verkündete die Kultusministerin jetzt, werde es jedenfalls nicht geben.

Die hält der Marbacher Puls-Rat Hendrik Lüdke aber für notwendig. Im Verwaltungsausschuss hakte er beim Team um Bürgermeister Jan Trost deshalb nach. Wird es eine Notbetreuung geben und wenn ja, wie sieht die aus? Fragen, auf die Trost am Donnerstag keine Antworten geben konnte. Man werde sich des Themas annehmen, erklärte er. Am Freitag definierte er das geplante Vorgehen. „Wir halten nichts von einem Flickenteppich, also davon, dass jede Kommune einen eigenen Weg geht und wollen das Ganze deshalb interkommunal angehen.“ Nächste Woche will die Stadtverwaltung bei den Nachbarn abfragen, ob sie vorhaben, eine Notbetreuung anzubieten.

Der Bedarf ist da. Davon ist die Leiterin der Quellen-Grundschule im Marbacher Stadtteil, Birgit Gartner, überzeugt. Von den 90 Rielingshäuser Grundschülern waren im ersten Lockdown knapp die Hälfte in der Notbetreuung, weil beide Elternteile die Notwendigkeit mittels eines entsprechenden Arbeitgebernachweis vorgelegt hatten. „Das wird jetzt sicher auch nicht anders sein“, glaubt Birgit Gartner, die keinen Hehl daraus macht, dass sie nicht viel von den verlängerten Ferien hält. „Ich bin nicht glücklich damit, weil ich wie Susanne Eisenmann glaube, dass die beiden Ferientage ihren Zweck nicht erfüllen werden. Die Kinder werden sich nicht in eine Art Isolation begeben. Und wenn es eine Notbetreuung geben sollte, dann sind sie ja da auch wieder mit anderen zusammen. Da kann ich die Schule doch auch offenlassen.“ Zumal die Tage vor Weihnachten an der Grundschule auch immer genutzt würden, um auf das Fest einzustimmen. „Das gefällt den Kindern immer sehr – und tut ihnen gut.“ Damit teilt Gartner die Einschätzung des Vorsitzenden des Landeselternbeirats, Michael Mittelstaedt, der es für „weltfremd“ hält zu glauben, dass die Schüler die zusätzliche freie Zeit in Quarantäne verbringen werden.

Auch Volker Müller, der Leiter des Friedrich-Schiller-Gymnasiums, lässt Skepsis an der Sinnhaftigkeit anklingen. Und nicht nur das. Müller hätte die beiden Tage gerne genutzt, um das Homeschooling auf eine neue Stufe zu heben. Das Homeschooling habe im ersten Lockdown ganz gut funktioniert, aber sollte man erneut darauf zurückgreifen müssen, wolle man dann digital analog zum Stundenplan unterrichten und dabei auch unterschiedliche Elemente wie Gruppenarbeit oder Livestreams nutzen. „Das hätten wir an den beiden Tagen vor den Weihnachtsferien am 21. und 22. Dezember gerne getestet.“ Müller hofft ebenso wie Gartner darauf, dass den Schulleitungen bald die Verordnungen schriftlich vorliegen. „Es ist wichtig, dass wir möglichst zeitnah die Weichen stellen können.“

Auch ihm als Leiter des Staatlichen Schulamtes Ludwigsburg liege noch nichts Offizielles vor, erklärt Hubert Haaga. „Einzelheiten, ob die beiden Ferientage nachgeholt werden müssen oder ob es zusätzliche Ferientage sind, oder ob eine Notbetreuung eingerichtet werden muss oder nicht, sind uns aktuell noch nicht bekannt. Hier gilt es sicherlich noch die weiteren Gespräche auf Ebene der Landesregierung abzuwarten.“ Nach der Empfehlung von Ministerin Eisenmann, dass die Schulen selbst entscheiden können, ob sie die Ferien durch die Verlegung von zwei beweglichen Ferientagen verlängern oder nicht, hatten sich die Schulen in der Zuständigkeit des Staatlichen Schulamtes unter der Federführung der Geschäftsführenden Schulleiter sowie unter Einbeziehung der Eltern und der Schulträger bereits landkreisweit für die Beibehaltung der ursprünglichen Ferienplanung entschieden, informiert Haaga. „Dies auch vor dem Hintergrund, dass den Schulen mögliche Betreuungsprobleme von Eltern – gerade auch vor Weihnachten – bekannt sind.“ Dies könne jetzt aber hinfällig werden, wenn die Ferienregelung abschließend verpflichtend ist. „Die Entscheidung der Schulen ist für uns aber absolut nachvollziehbar, da die Schulen die Betreuungssituation der Eltern am besten einschätzen können.“ Bereits am Freitag war in der Presse Kritik von Elternseite dargestellt worden. „Gerade vor Weihnachten wird das Thema Betreuung eine Rolle spielen und dies vor allem an den Grundschulen. Wie damit umgegangen werden soll, ist uns aber noch nicht bekannt.“