Würth trotzt Materialmangel Würth sucht neue Mitarbeiter

Von Inge Nowak
Auch im Bereich Logistik hat Würth derzeit offene Stellen. Foto: Würth

Das Familienunternehmen aus Künzelsau schafft rund 4800 Arbeitsplätze, diese aber vor allem im Ausland. Trotz Pandemie und Materialengpässen hat der Schraubenhändler 2021 Rekordwerte erzielt.

Stuttgart - Die Würth-Gruppe, Anbieter von Befestigungs- und Montagetechnik, sucht weltweit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bis zum Jahresende soll sich die Zahl der Beschäftigten auf 88 000 erhöhen, kündigt Würth-Chef Robert Friedmann im Gespräch mit unserer Zeitung an. Das wäre ein Zuwachs um rund 4800. Der Aufbau erfolgt vor allem im Ausland. In Deutschland soll die Belegschaft um 300 ausgebaut werden, sagt Friedmann.

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So meldet Würth für den Firmensitz Künzelsau aktuell 160 offene Stellen im Internet. Gesucht werden Mitarbeiter etwa in der Logistik, im Vertrieb sowie Ingenieure. Auch viele Praktikumsplätze werden derzeit angeboten. Deutschlandweit beschäftigt das Familienunternehmen derzeit gut 25 400 Beschäftigte, davon 16 800 in der Region Hohenlohe. Bereits im vergangenen Jahr hat Würth die Belegschaft deutlich aufgebaut – und zwar um gut 4000 oder fünf Prozent. Damit lag der Zuwachs bei den Beschäftigten jedoch deutlich unter dem von Umsatz und Ertrag.

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Denn der Umsatz des Familienunternehmens, das im Schraubenhandel groß wurde, stieg im vergangenen Jahr – trotz Corona und Materialengpässen – um beachtliche 18,5 Prozent auf 17,1 Milliarden Euro. Friedmann nahm in diesem Zusammenhang denn auch das Wort „historisch“ in den Mund. Zur Einordnung: Erklärtes Ziel von Würth ist ein jährliches Wachstum von etwa acht Prozent; im Jahr 2020 hat es allerdings nur bei einem Prozent gelegen. Das Betriebsergebnis schnellte sogar um mehr als 50 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro in die Höhe. Zu diesem Ergebnissprung hat beigetragen, dass coronabedingt Kosten für Reisen, Messen und Konferenzen nicht angefallen sind. Belastet war das Ergebnis von Kostensteigerungen bei Materialien, die nur teilweise an Kunden weiter gegeben werden konnten. Würth-Finanzchef Joachim Kaltmaier schätzt diese Zusatzkosten auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag.

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Woran liegt es, das Würth trotzdem gut da steht, während andere Unternehmen wegen des Materialmangels teilweise kurzarbeiten? Friedmann begründet dies mit dem unterschiedlichen Verhalten während des Teillockdowns im Zusammenhang mit Corona. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen habe Würth seine Kapazitäten nicht runtergefahren. Deshalb seien die Künzelauer im dann folgenden Aufschwung auch lieferfähig gewesen. Würth ist beileibe nicht nur Händler. Rund 15 Prozent des Umsatzes wird mit Produkten erzielt, die in eigenen Fabriken gefertigt werden. Ein großer Teil der Waren entwickelt das Familienunternehmen und lässt sie dann von Drittfirmen fertigen. Im dritten Quartal wird in Künzelsau denn auch ein Innovationszentrum eröffnet.

Die gute Lieferfähigkeit hat dazu geführt, dass im vergangenen Jahr 200 000 neue Kunden gewonnen wurden, so Friedmann. Mittlerweile stehen 4,1 Millionen Käufer in der Kartei, die entweder in einer der knapp 2500 Niederlassungen, bei einem der rund 33 000 Außendienstmitarbeiter oder online einkaufen. Alle drei Vertriebskanäle seien im vergangenen Jahr gewachsen. Das E-Business-Geschäft trage mittlerweile knapp 20 Prozent zum Konzernumsatz bei.

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Friedmann rechnet erst in der zweiten Jahreshälfte mit einer Entspannung auf der Materialseite. Der Chipmangel werde noch das gesamte Jahr anhalten. Das Jahr 2022 soll mit einem weiteren Rekordumsatz und einem steigendem Ergebnis abgeschlossen werden, sagt Finanzchef Joachim Kaltmaier.