Wirtschaftsweise befürchten heftige Rezession Ökonomen für Konjunkturpaket

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Lars Feld, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, hält eine tiefe Rezession in Deutschland für unvermeidbar. Foto: dpa/Patrick Seeger

Die Rezession infolge der Corona-Krise könnte Baden-Württemberg besonders stark treffen. Im Land steht bereits das nächste Hilfsprogramm für den Mittelstand bevor.

Stuttgart - Die Corona-Krise trifft die Wirtschaft in Baden-Württemberg zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Schon im vergangenen Jahr hatten die Unternehmen im Südwesten deutlich an Schwung verloren. Um gerade einmal 0,1 Prozent legte das Bruttoinlandsprodukt, also das Maß für alle erstellten Waren und Dienstleistungen, im Südwesten im Vergleich zum Vorjahr noch zu, wie das Statistische Landesamt am Montag in Stuttgart mitteilte. Nach Rheinland-Pfalz und dem Saarland, wo die Wirtschaftsleistung sogar schrumpfte, war das der drittschlechteste Wert aller Bundesländer.

Deutschland insgesamt kam auf ein Plus von 0,6 Prozent. Die Statistiker führen die Entwicklung auf die starke Ausrichtung der Südwestwirtschaft auf die Industrie zurück. In Berlin oder Hamburg, wo der Dienstleistungssektor bedeutender ist, legte die Wirtschaftsleistung um drei beziehungsweise 2,2 Prozent zu.

Die Ökonomen sind gedämpft optimistisch

Die massiven Einschränkungen zum Gesundheitsschutz werden daher den Südwesten vermutlich stärker treffen als das Bundesgebiet insgesamt. Die Landesbank Baden-Württemberg etwa geht von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr von sieben Prozent aus. Bundesweit wird das Minus dagegen nach einer Einschätzung des Sachverständigenrats der Bundesregierung, den sogenannten Wirtschaftsweisen, je nach Verlauf um bis zu 5,4 Prozent einbrechen. Eine Rezession sei unvermeidbar, werde aber im schlimmsten Fall nur so stark ausfallen wie bei der Finanzkrise 2009, so die Ökonomen. Vor allem aber werde sich die Wirtschaft im kommenden Jahr schnell erholen, wenn die Einschränkungen nicht über den Sommer hinaus andauern.

Zudem empfehlen die Ökonomen Deutschland ein Konjunkturprogramm. Dabei sei das Timing entscheidend, damit es auch wie gewünscht wirke, heißt es im Sondergutachten: „Die Maßnahmen selbst sollten erst mit Auslaufen der Einschränkungen in Kraft treten.“ Zum Volumen machte der Sachverständigenrat keine genauen Angaben.

Schnelle, unbürokratische Maßnahmen sind gefragt

Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) hält es aber für verfrüht, über ein weiteres Konjunkturpaket nachzudenken. „Momentan muss sich unser Fokus darauf richten, unsere Unternehmen mit schnellen, unbürokratischen Maßnahmen zu unterstützen“, sagte sie. Bis Montagmittag lagen 137 000 Anträge auf Corona-Soforthilfe vor, vier Millionen Euro sind bereits ausgezahlt.

Zudem plane das Ministerium ein Programm in Höhe von mindestens zwei Milliarden Euro für den Mittelstand. Die Details würden derzeit ausgearbeitet, es werde zeitnah auf den Weg gebracht. Ziel sei es, Hilfen bereitzustellen, um die kritische Zeit bis zum Abschluss einer Kreditprüfung durch die Banken zu überbrücken, erklärte Hoffmeister-Kraut. Zudem müsse man Firmen helfen, die aus Sicht des Landes zukunftsfähig seien, wegen des krisenbedingten Risikos von ihren Hausbanken aber kaum Kredite bekämen.

Der Maschinenbauverband des Landes fordert neben steuerlichen Erleichterungen den Abbau von Bürokratie. „Deutsche Unternehmen haben im Exportgeschäft mit erheblichen bürokratischen Hürden und langwierigen Prozessen zu kämpfen“, sagte Dietrich Birk, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau in Baden-Württemberg.