«Werden nicht verschwinden» Branche: Sneaker-Nachfrage schwächer als in Boomjahren

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Die Nachfrage nach Sneakern bleibt laut Schuhbranche hoch. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa Foto: dpa

Die bequemen Sportschuhe sind mittlerweile auch in der Geschäftswelt zu Hause. Sie gelten als jung und dynamisch. Wie lange hält der Hype?

Berlin - Das Bild vom Sneaker als schmuddeligen Treter ist längst überholt. Stattdessen sieht man die legeren Sportschuhe heute selbst in den Chefetagen großer Unternehmen.

Auch in Kombination mit klassischen Business-Kostümen sind die sportlichen Schuhe nichts Außergewöhnliches mehr. Was früher als fehlende Etikette ausgelegt wurde, gilt heute als modern. Doch nun mehren sich die Anzeichen, dass der Sportschuh-Hype etwas abebbt.

"Sneaker sind eine never-ending story. Wie Jeans. Das heißt, Sneaker werden niemals vom Markt verschwinden, aber es gibt wieder eine leichte Tendenz zu den Brown-Shoes"", sagt Claudia Schulz, Sprecherin beim Deutschen Schuhinstitut in Offenbach: "Sneaker sind mittlerweile ein echtes Massenphänomen. Daher gibt es jetzt insbesondere bei den Jüngeren häufiger den Wunsch, sich abzusetzen und neben Sneakern hin und wieder auf klassische Lederschuhe zurückzugreifen."

Der Geschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Schuheinzelhandels, Siegfried Jacob, glaubt auch nicht an ein jähes Ende des Sneaker-Booms. "Sie werden nicht mehr verschwinden, aber der Hype könnte seine Dynamik verlieren." Andere Schuhtypen könnten wieder dazu gewinnen.

Der Marktanteil von Sportschuhen aus Textilien ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. 2007 entfielen auf Textil-Sneaker am deutschen Schuhmarkt etwa vier Prozent. In den darauffolgenden Jahren stieg der Anteil auf mittlerweile gut zehn Prozent, wie aus Zahlen des Deutschen Schuhinstituts hervor geht.

Doch während die hierzulande angebotene Menge neuer Sneakers in den vergangenen Jahren mitunter um 50 Prozent zulegte, vermelden die Händler mittlerweile nur noch weitestgehend konstante Zuwachsraten. Im Jahr 2018 stieg die sogenannte Inlandsverfügungsmenge - also die angebotene Stückzahl - für Textil-Sportschuhe zwar auf 47,6 Millionen Paar. Doch die Wachstumsrate gegenüber 2017 fiel mit 9,9 Prozent deutlich geringer aus als in den Vorjahren. Insgesamt habe die Inlandsverfügungsmenge 2018 bei rund 447,7 Millionen Paar Schuhe gelegen.

Stattdessen entwickelt sich nun der Absatz mit Lederschuhen wieder stärker. Die verfügbare Menge von Ledersandalen im deutschen Einzelhandel stieg 2018 beispielsweise um etwa 15 Prozent. "Einige Kunden wünschen sich wieder eine bessere Reparaturfähigkeit und greifen deshalb zum Lederschuh", sagt Schulz.

Neu seien sogenannte Hybride - also ein Mix aus klassischem Lederschuh und Sneaker. "Beispielsweise sieht dann der obere Teil wie ein Budapester aus, aber die Sohle entspricht eher einem Sneaker. Klassische Uppers werden mit einer Gummisohle - also eher sportlich - verbunden", erklärt die Sprecherin. Hier stieg 2017 die Inlandsverfügungsmenge um etwa 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Trotzdem wollen einige Kunden von Lederschuhen nichts wissen - auch aus ökologischen Gründen. "Bei einigen Konsumenten herrscht die irrige Ansicht, dass für Lederschuhe extra eine Kuh geschlachtet wird. Dabei ist Leder nachhaltig. Das für die Schuhproduktion verwendete Leder ist ein Koppelprodukt, fällt also bei der Fleischproduktion ohnehin an", sagt Schulz.

Auf der anderen Seite sind vegane Schuhe als mögliches Alternativprodukt immer noch ein absolutes Nischenphänomen, betont Schulz. "Der Trend zum veganen Schuh hat sich noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Viele Schuhe aus Kunststoffoberteilen werden als vegan bezeichnet. Was streng genommen nicht richtig ist, denn in vielen Fällen besteht der Kleber aus tierischen Bestandteilen."