Von Syrien nach Erdmannhausen Das Praktikum im Rathaus soll Sprungbrett sein

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Die Broschüre für Neuankömmlinge in Erdmannhausen ist bald fertig und kann in Druck gehen. Foto: Sandra Brock

Mohammad Alnady ist aus Syrien geflohen und lebt jetzt in Erdmannhausen. Dort unterstützt er derzeit als Praktikant im Rathaus die Integrationsbeauftragte Katharina Fischinger.

Erdmannhausen - Mohammad Alnady ist auf dem besten Weg, sich einen Traum zu erfüllen. Der junge Mann aus Syrien möchte Kommunikationsdesign beziehungsweise Marketing studieren oder eine entsprechende Ausbildung machen. Den dafür nötigen Deutschtest hat er bereits absolviert, sein Praktikum ebenfalls schon fast. Fast drei Monate war Alnady nun im Erdmannhäuser Rathaus tätig und unterstützte die Integrationsbeauftragte Katharina Fischinger beim Erstellen einer Broschüre für Neuankömmlinge in Erdmannhausen.

Die Broschüre hatte der Erdmannhäuser Freundeskreis Asyl vor sechs Jahren erstellt, nun wird es eine aktualisierte Neuauflage geben. Mohammad Alnady zeichnet darin für die Gestaltung verantwortlich. Und bald schon geht das Werk in Druck. Wenn sein Praktikum beendet ist, will der 27-Jährige weiter ehrenamtlich die Arbeit der Erdmannhäuser Integrationsbeauftragten unterstützen – und er hofft auf eine positive Rückmeldung auf eine seiner zahlreichen Bewerbungen. Wohlwissend, dass das momentan nicht so einfach ist. „Viele Betriebe entlassen gerade eher Leute, als dass sie welche einstellen“, so Alnady.

Dennoch will er dranbleiben. „Ich habe die Möglichkeit bekommen, hier ein neues Leben anzufangen und die schrecklichen Erlebnisse zu vergessen“, sagt der 27-Jährige, der aus seinem Heimatland Syrien im August 2016 geflohen ist. Über die Türkei kam er nach Deutschland, seine Familie und er wurden unterwegs getrennt. „Sie wohnen jetzt in Dortmund“, berichtet Mohammad Alnady, der nicht gern über die Flucht spricht. „Das ist Vergangenheit“, sagt er. „Ich bin jetzt hier und möchte etwas aus der Chance machen.“

Besonders wichtig sei es für ihn gewesen, die Sprache, aber auch die Kultur seiner neuen Heimat kennenzulernen. Ohne Deutsch gehe das nicht, so schwer die Sprache auch sei. Denn nur so könne man auch mit den Leuten im Ort in Kontakt kommen. Weil er aber inzwischen viel und gut deutsch spricht, versucht Mohammad Alnady nebenher bei einem Online-Kurs noch sein Englisch aufzupolieren, da es etwas eingerostet ist. Ebenso wie sein Französisch. In Syrien hatte er französische Literatur studiert und auch ein Diplom in Marketing gemacht. Doch dann musste die Familie fliehen.

Und obwohl der 27-Jährige sich gerne selbst Dinge beibringt und sich immer weiterentwickeln möchte: Für die Hilfe von Katharina Fischinger ist er sehr dankbar, wie er betont. Die Integrationsbeauftragte ist es ebenfalls – für Alnadys Unterstützung bei der Broschüre und anderen Projekten. „Eine Win-Win-Situation“, sagt sie.

Nicht zuletzt will Mohammad Alnady mit seiner Geschichte auch andere motivieren. „Ich möchte darüber informieren, was man alles hinkriegen kann“, sagt der Erdmannhäuser. Vielleicht helfe das ja dem einen oder anderen Flüchtling auch weiter, so der 27-Jährige.