Von Steinheim nach Dortmund Flex wird Partner des BVB

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Christian Neuner Foto: Flex

Das Image des ehrlichen Arbeiters mit Ambitionen passt zum Steinheimer Elektrowerkzeughersteller, erklärt der Geschäftsführer Christian Neuner.

Steinheim - Der Steinheimer Elektrowerkzeughersteller Flex und Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund sind Partner geworden. Darüber haben wir uns mit Flex-Geschäftsführer Christian Neuner unterhalten.

Warum haben Sie Borussia Dortmund als Werbepartner gewählt?

Der BVB hat eine europa- und weltweite Strahlkraft, und wir wollen mit ihm Erlebnisse schaffen, die uns mit den anderen verbindet; entweder die Mitarbeiter untereinander oder die Mitarbeiter mit den Partnern.

Bekommt jetzt jeder BVB-Spieler eine Flex (schmunzelt)?

(Lacht) Ganz so ist es nicht, aber ein bisschen: Wir statten Mitarbeiter des Facility-Managements im Dortmunder Signal Iduna Park mit Werkzeugen von uns aus. Zu den avisierten Erlebnissen zählen Begegnungen mit Spielern und Vereinsgrößen. Und wir polieren zum Auftakt den BVB-Mannschaftsbus mit unseren Werkzeugen und tragen das nach außen.

Der VfB Stuttgart hätte doch aber viel besser zu Ihren rot-weißen Firmenfarben gepasst. . .

(Lacht wieder) Sicher hätte es auch für den VfB gute Gründe gegeben. Beim BVB haben uns die Dinge gefallen, die zu uns passen. Dazu zählen Bodenständigkeit und dass wir uns gemeinsam Erfolg ehrlich erarbeiten. Vielleicht auch das Bild des Underdogs: Die Borussia kämpft gegen die großen Bayern, wir stehen als Elektrowerkzeughersteller auch im Wettbewerb mit weit größeren Unternehmen. Wir wollen mehr erreichen und haben größere Ambitionen, auch das verbindet uns mit dem BVB.

Sie haben also keine Angst davor, als schwäbischer Überläufer dazustehen?

Nein. Wir sehen uns nicht so sehr als regionale Marke, sondern als starke Marke für Profi-Handwerker, die europa- und weltweit agiert, was sich gut mit dem BVB verbinden lässt. Die Fans sind mit dem Club eins und haben dazu beigetragen, dass sich der Verein so positiv präsentiert hat.

Die Toten Hosen singen: „Wir würden nie zum FC Bayern München gehen.“ Sie als Werbepartner auch nicht?

Eine solche Partnerschaft wäre in unseren Augen nicht glaubhaft. Dazu sind wir ein bisschen zu klein. Wir wissen auch, dass wir nicht der etablierte Branchenriese sind, sondern der ambitionierte Herausforderer, auch deshalb passt der BVB so gut zu uns.

Sicher ist eine solche Partnerschaft auch eine finanzielle Herausforderung. Inwiefern halten Sie Maß?

Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen großen und kleinen Vereinen, zwischen Stadionnamensgebung, Trikotsponsoring und unserem Weg. Auf teure Werbung verzichten wir, weil sich unsere Produkte hauptsächlich an den professionellen Handwerker richten. Die möchten wir gezielt in Fachorganen und Internetportalen ansprechen – und nicht im Stadion oder an den Bildschirmen, wo die Zielgruppe der Profi-Handwerker nur ein kleiner Teil unter den Zuschauern wären.

Fußball ist zu einem Millionengeschäft geworden. Sollte man als nicht so großes Unternehmen nicht eher ganz viele kleine Amateurvereine fördern?

Wir überlegen uns immer: Was können wir erreichen und was ist dafür das richtige Mittel? Wir fördern auch bereits kleine Amateurvereine, aber mit dem Ziel, etwas an die Umgebung zurückzugeben und uns als Arbeitgeber vor Ort zu präsentieren. Die Menschen vor Ort sollen zu uns eine positive Verbindung haben und wissen, wofür wir stehen. Wenn wir aber eine Verbindung zu unseren weltweit vertriebenen Produkten schaffen wollen, dann brauchen wir einen Partner, der dort bekannt ist, wo wir die Produkte verkaufen.

Sind Sie selbst schon einmal in Dortmund im Stadion gewesen?

Ja, ich war begeistert. Das Dortmunder Stadion ist sicher etwas Besonderes und hat etwas ganz Eigenes, Beeindruckendes.

DAS UNTERNEHMEN FLEX

Geschichte
Am Anfang stand die Gründung der Firma Ackermann + Schmitt 1922 in Bad Cannstatt. Wichtigstes Produkt war zunächst das Winkelschleifgerät, das umgangssprachlich Flex genannt wurde. Im Jahr 1996 wurde aus Ackermann + Schmitt die Flex-Elektrowerkzeuge GmbH. Bis 2004 wurde mit Porter-Cable zusammengearbeitet, bis dieses Unternehmen von Pentair an Stanley Black & Decker verkauft wurde. Danach erwarb Black & Decker die Flex-Elektrowerkzeuge GmbH. Zwischen 2005 und 2013 gehörten die Flex-Anteile unterschiedlichen Finanzinvestoren. 2013 wurden alle Anteile der Flex-Elektrowerkzeuge GmbH von der chinesischen Chervon Holdings Ltd. übernommen.

Anwendung
Flex setzt bei seinen Produkten klar auf vier Anwendungsfelder: Sanieren und Renovieren, Metallbearbeitung, Automotive und Natursteinbearbeitung. Ein wesentlicher Schwerpunkt ist die Entwicklung von Akku-Geräten. Der Vertrieb der Produkte erfolgt ausschließlich an den Fachhandel. Im Jahr 2019 waren 250 Mitarbeiter bei Flex beschäftigt, und der Umsatz betrug 81,59 Millionen Euro, bei einer Export-Quote von 63,3 Prozent.