Verkehr in Marbach Grüne wollen öfter Grün für Passanten

Von Christian Kempf
Wenn die Ampeln in der Schillerstraße häufiger auf Grün für Fußgänger springen würden, hätte das Staus zur Folge, prognostiziert das Landratsamt. Foto: Archiv (KS-Images.de)

Marbacher Gemeinderatsfraktion möchte bei Ampelschaltungen Gleichberechtigung für Fußgänger und Autofahrer. Das Kreishaus prophezeit, dass das unliebsame Folgen hätte.

Marbach - Für Barbara Eßlinger ist es ein Ärgernis erster Klasse. Wenn die Fraktionsvorsitzende der Marbacher Grünen per pedes zum Bahnhof eilt, wird sie kurz vor dem Ziel immer wieder von der Ampel dort ausgebremst. Manchmal warte man und warte, bis das angeforderte Grün endlich aufleuchtet – obwohl die Querung eigentlich schon vorher locker möglich wäre, weil die Autos ohnehin in regelmäßigen Zyklen Rot hätten. Im dümmsten Fall fahre die S-Bahn den Pendlern sogar vor der Nase weg, klagte sie nun im Ausschuss für Umwelt und Technik. Solche Zustände wollten die Grünen nicht länger hinnehmen und beantragten, dass die Ampeln an häufig frequentierten Passagen für Passanten und Autofahrer gleich häufig Grün anzeigen. Ein Vorstoß, den das Landratsamt Ludwigsburg allerdings rundweg abbügelte.

Mindestens einer muss immer warten

Die für sämtliche Straßen mit Signalanlage in Marbach zuständige Behörde weist in einem Schreiben darauf hin, dass Ampeln überhaupt nur dort installiert würden, wo mehrere Verkehrsströme geballt aufeinandertreffen. Eine oder mehrere Parteien müssten also in jedem Fall warten. Die Frage sei nur, bei wem mehr Geduld gefragt sein sollte. Aus Sicht des Kreishauses spricht alles dafür, dem Verkehr aus der Hauptrichtung Vorrang einzuräumen – also den Fahrzeugen auf den Durchgangsstraßen. Sonst entstünden Staus, in denen auch Busse stecken würden, und die Autos pusteten mehr Abgase in die Luft beim Warten, Anfahren und Wiederbeschleunigen. Auf den Nebenstrecken müssten andere Fahrzeuge per Kontaktschleife und Fußgänger per Drücker Grün anfordern.

Busse könnten langsamer werden

Eine eigene, automatische Grünphase für Fußgänger würde beispielsweise „zwangsläufig zu mehr Stau auf der Schillerstraße führen und damit dem Ziel der Busbeschleunigung entgegenstehen“. „Insofern wird der Landkreis nicht bereit sein, an diesen Signalprogrammen etwas zu ändern“, fasste der Marbacher Ordnungsamtsleiter Andreas Seiberling zusammen.

Stadt will erneut beim Kreishaus vorstellig werden

Das will die Stadt aber nicht ohne Weiteres akzeptieren. Auf Drängen einzelner Räte möchte die Verwaltung nochmals auf das Kreishaus zugehen und nachbohren, ob sich die Behörde die Einzelfälle nicht genauer anschauen könnte, statt pauschal zu urteilen. Jochen Biesinger von der CDU sieht beispielsweise Spielraum. Er denkt dabei unter anderem an die Ampel an der Bahnhofsapotheke. Hier gebe es Phasen für Fußgänger, in denen sie gefahrlos die Straße queren könnten, weil der Individualverkehr in diese Richtung ausgebremst werde, solange das Linksabbiegen aus der Rielingshäuser in die Güntterstraße möglich ist. Gleichwohl lasse sich die Signalanlage bis dato nicht kurzfristig auf Grün stellen. Man müsse dazu den richtigen Zeitpunkt erwischen. Ähnlich sei die Situation an der Charlottenstraße und am König-Wilhelm-Platz.

CDU-Mann sieht Gefahrenpotenzial für Fußgänger

Vor diesem Hintergrund stelle sich für ihn die Frage, „ob man das nicht zeitlich beeinflussen kann“ und die Grünphasen für Fußgänger zumindest dann in den üblichen Turnus einbaut, wenn viele Passanten von A nach B gehen. „Ich glaube nicht, dass wir so große Leistungseinbußen für den Individualverkehr erleben“, sagte er. Andernfalls werde der Fußgänger dazu verleitet, bei Rot die Straße zu überqueren. Es sei nicht nachzuvollziehen, an bestimmten Übergängen bei Rot ausharren zu müssen, obwohl in dem Moment die Autos durch die allgemeine Ampelschaltung ohnehin nicht vorbeifahren könnten, pflichtete Hendrik Lüdke von Puls bei. „Dass die Grünphase für die Fußgänger, wenn alle anderen stehen, nicht automatisch gesetzt wird, ist ein Unding“, echauffierte sich auch Barbara Eßlinger. „Es würde schon helfen, wenn das Grün schneller kommt“, meinte Lüdke.

Zwei Fraktionen halten die Argumente für schlüssig

Martin Mistele von den Freien Wählern wollte ebenfalls nicht in Abrede stellen, dass es punktuell Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Im Prinzip findet er die Situation in Marbach aber gar nicht so schlecht. Es sei nun mal schwierig, an viel befahrenen Kreuzungen eine für alle restlos zufriedenstellende Lösung zu finden. Ferner dürfe man nicht vergessen, dass man als Radler auf der Straße ebenfalls nicht auf einer grünen Welle durch Marbach fahren könne. Grundsätzlich seien die Argumente des Landratsamts richtig. „Aus meiner Sicht ist die Stellungnahme des Landratsamt klar und unmissverständlich“, findet auch Ernst Morlock von der SPD.