VDMA Baden-Württemberg Energiekrise trifft den Maschinenbau

Von Imelda Flaig
Die hohen Energiepreise belasten zunehmend auch die Maschinenbauer. Unser Foto zeigt den Kugelschieber eines Wasserkraftwerks. Foto: dpa/Stefan Puchner

Warum die Stimmung der Maschinenbauer in Baden-Württemberg trotz hoher Auftragspolster schlechter wird und Standortverlagerungen und Stellenabbau Thema sind.

Die Preissprünge bei Energie sind auch bei den Maschinenbauern im Land angekommen und trüben deren Geschäftserwartungen. Noch schätzt die Mehrheit der Betriebe ihre Lage als gut ein, doch die hohen Energiekosten werden immer mehr zur Belastung.

Der Ausblick der Unternehmen fällt verhalten aus, wie eine Konjunkturumfrage des Branchenverbands VDMA Baden-Württemberg bei knapp 300 Unternehmen im Land ergeben hat. Neben Materialengpässen und Fachkräftemangel sind die hohen Energiekosten das größte Problem. Fast 80 Prozent der befragten Unternehmen spüren hier bereits deutliche Auswirkungen. Rund 35 Prozent der Unternehmen denken sogar über Standortverlagerungen oder einen Stellenabbau nach. „Das ist ein Weckruf“, sagte VDMA-Geschäftsführer Dietrich Birk.

„Die Kosten für Strom und Gas schränken die Ertrags- und Investitionskraft der Firmen erheblich ein und sind in Einzelfällen sogar existenzbedrohend“, sagte Mathias Kammüller, Vorsitzender des Maschinenbauverbands Baden-Württemberg. Mitunter bekämen Firmen, bei denen die Energieverträge ausliefen, sogar nicht einmal mehr Angebote für Strom- und Gaslieferungen von ihren Versorgern.

Temporäre Deckelung beim Strompreis

„Dass Unternehmen unserer Branche ohne zuverlässige Energiebelieferung in das kommende Jahr gehen, ist ein bisher undenkbares Szenario und muss vermieden werden“, so Kammüller. Er appellierte an die Politik, die Risiken der Versorger gegebenenfalls durch eine Preisdeckelung an der Strombörse soweit zu reduzieren, dass sie ihre Rolle in der Wirtschaft wieder wahrnehmen könnten und die Industrie Versorgungssicherheit habe. Die massiv steigenden Energiekosten gingen zu Lasten der Marge, so Kammüller. Teils haben sich laut Kammüller allein die Stromkosten für Unternehmen veracht- oder verzehnfacht.

Der Ausblick der Unternehmen fällt verhalten aus. Fast 40 Prozent der befragten Maschinenbauer rechnen mit einer Verschlechterung der Lage. Dabei spielen auch der Materialmangel angesichts gestörter Lieferketten und der Fachkräftemangel eine große Rolle. Für den Großteil der Unternehmen bedeute Produktion nach wie vor Mangelverwaltung. „Es ist davon auszugehen, dass sich die Engpässe noch bis weit in das nächste Jahr ziehen werden“, sagte Kammüller und begründete dies mit den Nachwehen der Lockdowns in China und dem Ukraine-Krieg.

Preisbereinigt wird mit Stagnation gerechnet

Der Umsatz der Branche im Südwesten dürfte aufgrund hoher Auftragsbestände – im Schnitt reichen sie rund zwölf Monate – in diesem Jahr um rund 8,4 Prozent zulegen, wie aus den Umsatzerwartungen der Unternehmen hervorgeht. Nominal dürfte sich der Branchenumsatz damit auf 84,9 Milliarden Euro erhöhen. Preisbereinigt sieht es allerdings nicht so positiv aus: „Die Kostenbelastungen lassen bis zum Jahresende real jedoch eine Stagnation erwarten“, sagte Kammüller. Für 2023 gehen die Unternehmen nominal von einem Umsatzwachstum von 5,5 Prozent aus.

Mit dem Inlandsmarkt sind viele Unternehmen zufriedener als noch vor einem Jahr. Zulegen konnten in der Bewertung auch der Euroraum und die USA. Was den chinesischen Markt angeht, suchten die Unternehmen verstärkt nach Alternativen, um Abhängigkeiten zu reduzieren, auch wenn die Volksrepublik ein wichtiger Absatz- und Produktionsmarkt bleibe. „Die strikte Null-Covid-Politik, damit verbundene extreme Reisebeschränkungen sowie undurchsichtige Visa-Anforderungen haben Vertrauen zerstört“, sagte Kammüller.

Sorgen bereitet den Unternehmen auch der Fachkräftemangel. 89 Prozent der Firmen berichten von offenen Stellen, wobei die sich gleichermaßen auf Ingenieure und Facharbeiter verteilen. Die Branche hat in Baden-Württemberg knapp 329 000 Beschäftigte, wobei hier Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten berücksichtigt sind. Damit sind mehr als ein Viertel aller Industriebeschäftigten im Südwesten im Maschinenbau tätig.