Unverpackt-Laden in Steinheim Einkaufserlebnis ohne Verpackungsmüll

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Bei Tante Emma war Unverpacktes die Regel, heute muss man es neu lernen. Doch die Umwelt dankt es. Foto: Avanti/Ralf Poller

Der neue Laden „Steppi Urverpackt“ liefert nicht nur alles für den täglichen Bedarf, sondern hat auch Platz für Begegnungen und Kulturelles.

Steinheim - Die Verbraucher in Steinheim haben es in der Hand: Sterben wir wie das Steinheimer Wahrzeichen Steppi aus, oder reduzieren wir Verpackungsmüll - und verkleinern damit ein Stück weit unseren ökologischen Fußabdruck und verlangsamen den von Menschen gemachten Klimawandel? Im „Steppi Urverpackt“-Laden, der am Samstag auch offiziell eröffnet hat, können die Bewohner der Urmenschstadt nahezu nahezu alles für den täglichen Gebrauch ohne Verpackung kaufen: Grundnahrungsmittel, diverse Kaltgetränke, der typische Drogeriebedarf, Geschenkartikel oder Babykleidung aus Höpfigheimer Produktion, selbstverständlich aus natürlichen Stoffen hergestellt. Schon heute sind es über 800 Artikel des täglichen Lebens. Und es werden täglich mehr.

Warme Holztöne und helles Ambiente

Der Laden ist geschmackvoll eingerichtet. Warme Holztöne, helles Ambiente und moderne Theken- und Regalelemente mit Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein. „Wir möchten nicht nur den täglichen Bedarf unverpackt anbieten“, beschreiben die Gründer Tanja und Alexander Fischer ihre Vision.

Dazu gab es am Samstag zur Eröffnungsfeier auch noch Pizza und viele anderen Leckereien bis hin zu Popcorn. Gegen den Durst wurden Erfrischungsgetränke gereicht oder gar eine Wein- oder Sektprobe vom örtlichen Weingut Waldbüßer. „Nur den Sekt wird es weiterhin in Glasflaschen geben und wegen des Geschmacks nicht unverpackt“, schmunzelte Steffen Waldbüsser.

Ein Leben mit geringerem Ressourcenverbrauch

Der Höhepunkt für Kinder waren selbst gemachte Waffeln oder Popcorn. Die Fischers wollen mit dem Laden für Unverpacktes etwas bewegen und ihren Anteil zu einem Leben mit weniger Ressourcenverbrauch beitragen. Tanja war vor der Geburt ihrer beiden Kinder bei einer Bank angestellt. „Ich wollte nicht mehr nur morgens aufstehen, arbeiten und abends wieder heimfahren - ohne Sinn. Jetzt arbeite ich mehr, doch ich weiß, wofür ich morgens aufstehe“, beschreibt die Gründerin ihre Motivation. Ihr Mann arbeitet weiter bei einer großen Stuttgarter Versicherung, unterstützt jedoch mit seinem Know-how und steht in seiner Freizeit mit seiner Frau im Laden.

Die Bauarbeiten in der Kleinbottwarer Straße sind natürlich für den Start ein Handicap. „Der Durchgangsverkehr fehlt uns momentan schon, das merken wir“, bedauert der Ehemann die Vollsperrung. Denn dadurch würden viele überhaupt erst auf ihren neuen Laden aufmerksam. Die beiden Gründer wollen mehr. „Unser Laden soll ein urbaner Ort werden“, beschreibt Alexander Fischer ihre Vorstellung, er solle nicht nur Einkaufs-, sondern auch Begegnungsstätte mit Raum für Kontakte und Gespräche werden.

Dreimal pro Woche wird ein Mittagsessen angeboten

Dafür gibt es dreimal in der Woche ein Mittagessen. Wer will, kann vegetarisch oder vegan essen. Für den Schwung in den Tag gibt es Kaffee oder Tee mit selbst gebackenem Kuchen. Und als gebe das nicht schon viel Raum für interessante Gespräche: Ab und an gibt es Food Tastings, also die Chance, etwas Neues zu verkosten. Dazu Kultur von Lesungen bis hin zu Fotoshootings mit einem Profifotografen. Was andere Kommunen nach dem Verschwinden der letzten Läden mühsam mit viel ehrenamtlichem Engagement wieder anzusiedeln versuchen: die Urmenschstadt hat es schon jetzt: Einen Platz für alles, was die Menschen täglich brauchen – bis hin zu den mindestens ebenso wichtigen sozialen Kontakten mit anderen Menschen in Steinheim.

„Es war ein richtig schönes Fest“, stellte Alexander Fischer am Abend fest. „Wir hatten schon über 80 Kunden und sehr viele Besucher. Und wir sind mega stolz auf unsere Kinder Romy und Moritz, die den Popcornstand ganz alleine geschmissen haben“, freuen sich die Eltern über den gelungenen Start.