Unverpackt-Laden für Steinheim Kein Abfall, aber viele Begegnungen

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Das Schuhhaus Wurst ist Vergangenheit. Die Familie Fischer richtet dort einen Unverpackt-Laden ein. Foto: Werner Kuhnle

Im ehemaligen Schuhhaus Wurst kehrt bald wieder Leben ein. Tanja und Alexander Fischer haben die Immobilie übernommen und wollen dort ein Geschäft eröffnen, das es so in Steinheim noch nicht gibt.

Steinheim - Immer mehr Menschen versuchen, ihr Leben ein Stück weit umzukrempeln und umweltbewusster zu leben. Ein Trend, der sich auch in den vermehrt auftretenden Unverpackt-Läden widerspiegelt, in denen man beim Einkaufen nur einen kleinen ökologischen Fußabdruck hinterlässt. Das Bottwartal ist in der Hinsicht noch ein weißer Fleck auf der Landkarte. Aber nicht mehr lange. Tanja und Alexander Fischer wollen mit Zielrichtung Februar oder März im ehemaligen Schuhhaus Wurst in der Kleinbottwarer Straße ein Geschäft eröffnen, in dem die Ware ohne Plastikumhüllungen feilgeboten wird.

Anlass für diesen Schritt waren für den Betriebswirt und seine Frau, „dem ökologischen Verpackungsirrsinn“ entgegenzuwirken. „Das geht so nicht weiter. Ich finde, wir haben da eine Verpflichtung unseren und allen anderen Kindern gegenüber“, erklärt Alexander Fischer. Mit Freunden und Bekannten habe man sich intensiv über das Thema ausgetauscht, ehe aus dieser Ecke der Vorschlag kam: Nehmt die Sache doch einfach selbst in die Hand. Also machten sich die Fischers in Steinheim auf die Suche nach einer geeigneten Immobilie. „Eigentlich wollten wir nur eine Ladenfläche anmieten“, berichtet Alexander Fischer. Doch dann habe sich im Sommer die Chance ergeben, den Gebäudekomplex mit dem ehemaligen Schuhhaus Wurst zu kaufen – und die Fischers schlugen zu.

Momentan wird an dem Laden noch fleißig gearbeitet. „Baulich stand zunächst eine Entkernung auf dem Programm“, sagt der 44-Jährige. Doch zeigt sich der Steinheimer mit Wurzeln in Berlin zuversichtlich, Ende Februar, aber spätestens im März mit dem Projekt durchstarten zu können. Das Grundkonzept steht jedenfalls schon, mögliche Ausbaustufen sind ebenfalls im Hinterkopf abgespeichert. Bei Tanja Fischer, die den Laden führen wird, kann man sich zum einen mit dem klassischen Unverpackt-Sortiment wie Nudeln, Reis, regionalem Obst und Gemüse eindecken. Aber eine Besonderheit soll beispielsweise schon sein, dass auch die Aufbewahrungsbehälter für die Waren nicht aus Kunststoff hergestellt sind. „Wir wollen maximal-möglich auf Plastik verzichten“, sagt Alexander Fischer. Er strickt deshalb an einer Lösung, bei der zum Beispiel das Waschmittel aus Glasgefäßen entnommen werden kann.

Außerdem ist den Fischers an einem ganzheitlichen ökologischen Ansatz gelegen. Sie möchten auch die Sinne für nachhaltiges Essen schärfen, lassen deshalb eigens eine Küche einbauen, in der gemeinsam auf der Basis nachhaltig angebauter Zutaten gekocht werden kann. Man habe dabei unter anderem Senioren im Blick, die ihre alten Rezepte mitbringen könnten, um im Laden Kuchen und andere Leckereien aus Herd und Ofen zu zaubern. „Wir möchten aber auch mit der Blankensteinschule in Kontakt treten und Gruppen hierher einladen. Dann kann man zeigen, dass man auch ohne Maggi kochen kann“, erklärt Alexander Fischer. Denkbar sei ferner, für ältere Herrschaften einen Lieferdienst anzubieten.

Die Familie strebt auf jeden Fall an, das Geschäft zu einer Begegnungsstätte zu machen. So kann sich Alexander Fischer vorstellen, abends auch mal einen DJ einzuladen, der den Einkauf mit Musik unterlegt. „So etwas gibt es in Großstädten wie Hamburg oder Berlin. Man müsste schauen, ob das auch in Steinheim funktioniert“, sagt Alexander Fischer, der zudem den Crossover-Gedanken hochhalten möchte. Zum Beispiel in der Form, dass jemand zeitweilig fair gehandelte Textilien oder ein ganz spezielles regionales Produkt in dem Laden anbietet.

Platz genug dafür wäre jedenfalls. Rund 180 Quadratmeter kann Tanja Fischer, die aus der Gastronomie kommt, in der Kleinbottwarer Straße bespielen. Und einen Namen für all das haben die Eheleute ebenfalls schon: „Steppi – Urverpackt“ soll der Laden in Anlehnung an die Urmenschstadt Steinheim heißen. Ein großes Steppi-Bild soll dann auch als Markenzeichen am Schaufenster auf die neue Einkaufsattraktion hinweisen.

Dass sich demnächst ein solches Geschäft in Steinheim ansiedelt, freut den Bürgermeister Thomas Winterhalter. „Das ist unterstützenswert, begrüßenswert und eine gute Sache, wenn wir einen Unverpackt-Laden bekommen“, sagt er. Es sei generell von Vorteil, wenn es weitere Angebote in der Innenstadt gebe, um dort die Kaufkraft hinzuziehen.