Unterschriftenaktion im Bottwartal 619 Stimmen gegen den Aquädukt-Abriss

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Mitglieder von BUND, Naturschutzbund und Historischem Verein Bottwartal übergeben Ralf Zimmermann vom ZV Hochwasserschutz Bottwartal (Mitte) die Liste Foto: avanti

Naturschützer und ein Historiker haben dem Vorsitzenden des Zweckverbands Hochwasserschutz Bottwartal, Ralf Zimmermann, eine Unterschriftenliste übergeben. Ziel ist es, die Anlage bei Gronau zu erhalten.

Oberstenfeld-Gronau/Grobottwar - Zugenommen hatte zuletzt die Kritik wegen der Planung, das historische Aquädukt beim Zusammenfluss von Kurzach und Bottwar bei Gronau abzureißen – als ökologischen Ausgleich für den notwendigen Bau zweier Regenrückhaltebecken im Prevorster und Kurzacher Tal. Um diese Kritik zu untermauern, sammelten der Naturschutzbund, der BUND und der Historische Verein Bottwartal nun Unterschriften von Bürgern, die sich gegen den Abriss aussprechen. 619 Personen haben sich letztlich auf der Liste eingetragen, die am Montag Ralf Zimmermann, dem Vorsitzenden des Zweckverbands Hochwasserschutz Bottwartal, übergeben wurde.

Die ausschließlich vor Ort und nicht online gesammelten Unterschriften kamen vor allem in Gronau und Oberstenfeld, aber auch im übrigen Bottwartal zusammen. „Gerechnet hatten wir eher mit 400 Unterschriften“, sagt Joachim Vogel vom Nabu in Oberstenfeld.

Gravierender Eingriff in die Artenvielfalt

Bei der Übergabe zeigten die Initiatoren der Aktion auch Fotos von Tierarten, die in dem Stück wilder Natur leben, in dem nach bisheriger Planung schwereres Gerät die Aquädukt-Anlage beseitigen soll, um eine Durchlässigkeit für Fische zur Quelle zu schaffen. Und sie machten im Gespräch deutlich: Es sei gut und richtig, sich um den Hochwasserschutz zu kümmern und einen Ausgleich für den dortigen Eingriff in die Landschaft zu schaffen. „Die angedachte Maßnahme halten wir aber für ungeeignet und sogar schädlich“, sagte der BUND-Regionalgeschäftsführer für Heilbronn-Franken, Gottfried May-Stürmer. Aus drei Gründen: Es sei ein gravierender Eingriff in einen „Hotspot der Artenvielfalt“, es werde ein in der Region einzigartiges Kulturdenkmal beseitigt, und das Ziel der Durchlässigkeit bis zur Quelle sei „Makulatur“. Denn wenige hundert Meter entfernt folgt bereits das nächste Wehr.

Ralf Zimmermann nahm die Unterschriften entgegen und dankte für das Engagement. Genau dafür sei das derzeit laufende Planfeststellungsverfahren da. Es sei richtig, sich einzubringen. Er könne aber keine Versprechungen machen und warnte vor einer zu hohen Erwartungshaltung. Entscheiden werde das Landratsamt, dem er die Unterschriften weiterleiten wird. Wie die Behörde auf die Einwände reagiert, sei nicht abzuschätzen, so Zimmermann. Er wünscht sich, „dass wir eine gemeinsame Lösung hinbekommen“. Zu spät dran seien die Kritiker jedenfalls nicht. Auch wenn Ortschaftsrat, Gemeinderat und Zweckverband grünes Licht gegeben hatten. „Theoretisch“, sagte Ralf Zimmermann, könnte die Planung rückgängig gemacht werden.

Gemeinsame Lösung soll angestrebt werden

Er führte als Plus der Maßnahme aus, dass sie als Kompensation für gleich beide Regenrückhaltebecken gelte. Die Untersuchung sei zudem mithilfe eines Fachbüros erfolgt. Die Gegner des Aquädukt-Abrisses bemängeln aber, dass die Bewertung des Artenschutzes überhaupt nicht passe. „Das wirkt, als sei es vom Schreibtisch aus gemacht worden ohne vor Ort gewesen zu sein“, monierte Joachim Vogel. Die Untersuchung müsse nun auch noch mal vorgenommen werden. Das Vorstandsmitglied des Nabu Oberstenfeld gab Ralf Zimmermann gleich eine Reihe an Ideen für andere Ausgleichsmaßnahmen mit. Und er betonte: „Dieser geplante Eingriff in die Natur bräuchte eigentlich an sich einen eigenen Ausgleich.“

Hans-Wolfgang Bock vom Historischen Verein Bottwartal unterstrich, dass der Aquädukt einzigartig sei, da das Wasser aus dem von hier nach Gronau verlaufenden Mühlkanal aus zwei Bachläufen gespeist und das Wasser der Bottwar über die Kurzach geleitet wurde. Da am Erhalt ein öffentliches Interesse besteht und der Aquädukt für die Mühlenkultur früherer Jahrhunderte stehe, erfülle es auch Kriterien, ein Kulturdenkmal zu sein. Ein parallel gestellter Antrag, die Anlage unter Denkmalschutz zu stellen, liegt dem Rathaus in Oberstenfeld, dem Landratsamt und dem Landesdenkmalamt inzwischen vor. Sollte er Erfolg haben, wäre der Abriss des Aquädukts nicht mehr erlaubt.

Doch auch unabhängig davon möchten die Initiatoren der Unterschriftenliste – und die Unterschreibenden – eine Änderung der bisherigen Planung erreichen.