Ungute Stimmung im Rathaus von Marbach Es knirscht

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Stadtplaner Ralf Lobert hat Kritik am Führungsstil von Bürgermeister Jan Trost (Foto) geübt. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Bürgermeister Jan Trost kommt ein gutes halbes Jahr vor der möglichen Wiederwahl in unruhige See.

Erst die Ankündigung von Silke Benner, dass sie die Schillerstadt als Leiterin der Tobias-Mayer-Schule verlassen wird, weil sie sich unter anderem vom Schulträger nicht genug unterstützt fühlt. Jetzt  Ralf Lobert. Der stellvertretende Leiter des Bauamtes  hört nach 28 Jahren auf und wird  bald im Team der Stadtverwaltung Waiblingen mitspielen – Glückwunsch nach Waiblingen. Aber Lobert hört nicht einfach auf und wechselt den Job. Er wirft den Bettel hin,  legt die Karten auf den Tisch und unterstreicht damit, was schon seit einiger Zeit immer wieder aufploppt: In der Marbacher Stadtverwaltung knirscht’s.


Lobert übt offene Kritik am Führungsstil von Bürgermeister Jan Trost. Der unterstütze seine Mannschaft nicht so, wie er sie unterstützen sollte, und  treffe keine Priorisierungen hinsichtlich der zig Projekte, die in Marbach gerade anstehen beziehungsweise laufen. Außerdem fehle der notwendige  Informationsfluss. Fazit: Im Schulterschluss mit dem langjährigen Ersten Beigeordneten Gerhard Heim lief die interne Zusammenarbeit auf Augenhöhe und erfolgreich. Seitdem die Fäden allein bei Jan Trost zusammenlaufen, weil der – das ist immer wieder zu hören – sie   nicht aus den Händen gibt und alles an sich reißt, knirscht’s.

Mit den Wellen, die sowohl Benner, aber vor allem jetzt Lobert schlagen, gerät Trost ein gutes halbes Jahr vor der Bürgermeisterwahl in unruhige See. Der  amtierende Rathauschef will wiedergewählt werden. Kritik an seiner Arbeit beziehungsweise an seinem Führungsstil kommen ungelegen. Und das auch noch von einem Mitarbeiter, der zu Recht sowohl im Gemeinderat als auch bei Geschäftspartnern und Bürgern sehr geschätzt wird. Mit  Lobert verliert die Stadt eine zentrale Stütze – fachlich und menschlich.   Die Entscheidung, zu gehen, muss ihm unendlich schwer gefallen sein, denn sein Herz hängt an Marbach. Dass er sie dennoch getroffen hat, zeigt, wie groß die Belastung  war.  Dass Lobert Klartext redet, ist mutig – aber der Blick hinter die Kulisse ist für die Zukunft der Stadt wichtig. Trost tut sich seit jeher  schwer mit einem Nein. Er will es sich mit keinem Bürger verscherzen. Es allen  Recht machen.  Aber das geht nicht. Zumal ein Stadtchef nicht nur  das Einmaleins des  internen Konfliktmanagement beherrschen sollte, sondern auch eine  Fürsorgepflicht für seine Mitarbeiter hat. Ein immer Mehr geht nicht.

Jetzt kommt es darauf an, wie die zentralen Personen  mit der Kritik und dem Mahnen des  Bauamts-Vizes umgehen. Die Räte scheinen das Signal verstanden zu haben und üben  durchaus Selbstkritik.  Denn auch sie sind maßgebliche Akteure, wenn es darum geht, die Verwaltung mit immer neuen Aufträgen und Anträgen einzudecken.  Bei Jan Trost ist von Selbstkritik wenig zu spüren. Mit Blick auf die BM-Wahl ein spannendes Szenario.

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