Umgang mit Corona-Pandemie Krise löst Welle der Hilfsbereitschaft aus

Von
Beim Einkaufen helfen oder jemanden zum Arzt fahren – ganz viele Leute möchten anderen nun zur Seite stehen Foto: Keystone/Schulz,Volkmar

Kommunen, Vereine und Kirchengemeinden bieten auf unterschiedlichsten Wegen an, vor allem älteren Menschen bei Einkäufen oder Botengängen zu unterstützen.

Es gibt nichts Schlechtes, an dem nicht auch etwas Gutes ist, lautet ein griechisches Sprichwort. Das trifft sogar auf die Corona-Pandemie zu, die das öffentliche Leben jedes Einzelnen in weiten Teilen beeinträchtigt. Doch die Entwicklung führt auch zu einer neuen Welle der Hilfsbereitschaft, bei der vor allem ältere und gesundheitlich vorbelastete Menschen, die einem besonderen Risiko ausgesetzt sind, in den Blick genommen werden. Stadt Marbach
Die Stadt Marbach hat eine Nachbarschaftshilfe für ältere und hilfsbedürftige Menschen eingerichtet, die auf Unterstützung angewiesen sind. „Als Stadt sehen wir uns in der Pflicht zu helfen. Wir haben schon im Vorfeld Angebote von Mitbürgern erhalten, die sich als Fahrdienst oder Einkaufshilfe angeboten haben und wollen diese Hilfen nun bündeln“, erklärt Marbachs Bürgermeister Jan Trost. Schon am Wochenende, als sich die Dimension der Corona-Krise abgezeichnet hatte, habe er sich zusammen mit Andrea von Smercek, der Koordinatorin für bürgerschaftliches Engagement, und Birgit Mayer, der Digitalisierungsbeauftragten, Gedanken gemacht, wie man dies umsetzen könne. „Indem wir die Koordination der Hilfeangebote durch die Stadtverwaltung übernehmen, gewährleisten wir ein hohes Maß an Zuverlässigkeit und Kontrolle“, erläutert Trost. Helfer, die sich bei der Stadt melden, müssen ein Formular ausfüllen und sich durch eine Ausweisnummer verifizieren. Zudem müssen sie unter anderem erklären, dass sie sich in den vergangenen zwei Wochen in keinem Corona-Risikogebiet aufgehalten haben und keinen Kontakt mit Erkrankten hatten.

„Die Helfer können Einkäufe übernehmen oder den Hund ausführen“, nennt der Marbacher Bürgermeister zwei Beispiele für die Unterstützung. Koordiniert werden die so genannten Corona-Paten vom fünfköpfigen Team der Stadtbücherei unter der Leitung von Franziska Kurz. „Da die Bücherei geschlossen ist, haben sie Zeit und sich sofort für die Aufgabe angeboten“, lobt Trost. Inzwischen hätten sich bereits 19 Corona-Paten angemeldet. „Auch die Lastenrad-Initiative hat angeboten, im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu helfen“, freut sich der Marbacher Schultes. Jan Trost geht aber sogar noch einen Schritt weiter: Da die älteren Mitbürger über 60 Jahre nicht immer internetaffin sind, will er sich zudem mit einem Brief an sie wenden und auf das Hilfsangebot aufmerksam machen. „Das werden rund 3000 Schreiben sein“, erklärt er. Es sei aber gerade in Krisenzeiten schön zu sehen, wie die Marbacher Bürger zusammenhalten.

HABO SG
Hilfen beim Einkaufen oder Besorgungen in Apotheken bieten auch die Handballer der HABO SG von Donnerstag ab an. „Sowohl die aktiven Handballer, als auch Jugendspieler, Trainer und Funktionäre stellen sich zur Verfügung“, erklärt Bernd Rempfer, der Vorstand der HABO SG. Insgesamt stünden somit mehrere hundert Helfer parat. Diese könnten bei Bedarf den Vereinsbus des TV Großbottwar in Anspruch nehmen. Auch Sponsoren wie die Firma Getränke Apfelbach haben zugesagt, die Helfer mit Material oder Sackkarren zu unterstützen. „Melden können sich bei uns alle Menschen aus dem gesamten Bottwartal“, umreißt Bernd Rempfer das Einsatzgebiet.

Kirchengemeinden
Ein Hilfs-Netzwerk von Menschen, die sich gegenseitig unterstützen wollen, bietet auch die evangelische Kirchengemeinde Murr an. „Unser Gemeindebüro hat gerade nicht viel zu tun und daher Kapazitäten frei“, erklärt Pfarrer Daniel Renz, der sich bei den älteren Gemeindemitgliedern auch telefonisch melden will. „Als Pfarrer habe ich vielleicht einen anderen Zugang“, sagt er. Es gehe auch darum, ältere Menschen zu ermutigen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Für viele sei die Gefahr möglicherweise noch zu abstrakt. „Die sagen dann, zum Bäcker komme ich auch noch selbst“, meint Renz. Neben Einkaufshilfen könnte beispielsweise auch die kurzfristige Betreuung von Kleinkindern organisiert werden.

Weitere Angebote in der Region
Ebenso organisiert die evangelische Kirchengemeinde Großbottwar ihr Hilfsangebot. Menschen, die Hilfe benötigen, und Menschen, die Hilfe anbieten, können sich bei Diakon Holger Hessenauer telefonisch zwischen 8 und 16 Uhr unter Telefon  0 71 48 / 9 68 80 90 oder per  E-Mail unter Holger.Hessenauer@elkw.de melden.
Gleich zwei Hilfsangebote gibt es in Beilstein. Unter dem Schlagwort Nachbarschaftschallenge organisiert der CVJM Beilstein den Kontakt zwischen Helfern und Hilfsbedürftigen. „Stand jetzt haben wir zwölf Helfer, die über eine WhatsApp-Gruppe koordiniert werden“, erklärt German Bühler.  Die Telefonnummer der Familie Bühler lautet 0 70 62 / 6 62 94 13. Von Freitag an bieten auch die Beilsteiner Pfadfinder ihre Hilfe für ältere Menschen in Beilstein und allen Teilorten an. „Wir können auf ein Netz von rund 20 Pfadfindern zurückgreifen“, sagt David Muth. Einkäufe könnten beispielsweise vor der Haustür abgestellt werden, sodass der direkte Kontakt vermieden wird. Das Angebot gilt immer dienstags und freitags, also stets rund um das Wochenende. Die Beilsteiner Pfadfinder sind von diesem Freitag an telefonisch unter  01 57 / 30 70 07 89 oder per E-Mail unter der Adresse einkaufshilfe@pfadfinder-beilstein.de zu erreichen.

In Erdmannhausen koordiniert Paul Vögler, Vikar der evangelischen Kirchengemeinde, telefonisch unter 0 71 44 / 1 50 95 16 Einkaufsbedarf