Trends beim Trinken Wein ohne Promille ergänzt das Angebot

Von
Für Autofahrer und Alkoholfastende ist es eine gute Alternative, wenn alkoholfreier Wein offeriert wird. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Die Nachfrage nach alkoholfreiem Wein steigt. Darauf reagieren auch die regionalen Erzeuger. Verschiedene Anbieter wollen ihr Portfolio in diesem Segment ausbauen.

Früher war es immer nur der Fahrer. Der musste tapfer sein, durfte sich ja kein Glas zu viel einschenken, um am Ende des Abends die Beschwipsten einsammeln und nach Hause kutschieren zu können. Heute ist es immer noch der Fahrer – aber dazu eine ganze Reihe von weiteren Gästen, die aus freien Stücken bei gesellschaftlichen Anlässen teilweise oder ganz auf Alkohol verzichten. „Es gibt einen Wertewandel in der Gesellschaft, das Konsumverhalten ändert sich“, sagt Antje Friedrich, Marketingleiterin der Marbacher Weingärtner. Ein Trend, den ihre Genossenschaft und andere Erzeuger von edlen Tropfen erkannt haben und entsprechend reagieren: indem das Portfolio entweder um alkoholfreie Produkte ergänzt oder es nochmals ausgebaut wird.

Auch im Supermarkt erhältlich

Mit genauen Zahlen lässt sich diese Entwicklung derzeit noch nicht untermauern, erklärt Hermann Morast, Geschäftsführer des Weinbauverbands Württemberg. „Die zunehmende Beliebtheit der Erzeugnisse führte jedoch zu einer Vermarktung auch im Lebensmittel-Einzelhandel“, hebt er hervor. „Ein bekanntes Beispiel aus Württemberg ist etwa die Edition Gourmet der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft in Möglingen, die auch alkoholfreie Rebsortenweine im Lebensmittel-Einzelhandel anbietet. Aber auch andere Weinerzeuger vermarkten erfolgreich ihre Produkte“, erläutert der Fachmann.

Starkes Wachstum prophezeit

Bei der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG) bestätigt man die Einschätzung von Morast, wonach Weine ohne Promille im Kommen sind. In den Regalen der Märkte fänden sich immer mehr Artikel aus dieser Kategorie, konstatiert Uwe Kämpfer aus dem Vorstand der WZG. Natürlich nähmen alkoholfreie Tropfen bei Edeka, Rewe und Co. noch nicht die gleiche Stellung wie Bier ohne Promille ein. Daher seien die Produkte zumeist noch zwischen den klassischen edlen Tropfen zu finden. „Ich gehe aber davon aus, dass dieses Marktsegment weiter überproportional wachsen und dann auch gesondert platziert werden wird“, prophezeit Kämpfer.

Rosé kommt auf den Markt

Schon seit Jahren verzeichne man beim eigenen alkoholfreien Rivaner „deutlich zweistellige Wachstumsraten“. „Daher bringen wir auch gerade in der Linie ,Süß und Fruchtig’ einen weiteren alkoholfreien Wein, einen Rosé, auf den Markt“, erklärt Kämpfer, der bei der WZG den Bereich Marketing und Vertrieb verantwortet.

Ein Gläschen mit, eines ohne Alkohol

Komplettes Neuland mit einem Wein ohne Umdrehungen betreten demnächst die Marbacher Weingärtner. Man wolle einen alkoholfreien Cuvée-Weißwein auf den Markt bringen, kündigt Antje Friedrich an. Damit erweitere man die Fätz-Linie, in die sich bereits ein Sekt einreiht, den man auch als Autofahrer guten Gewissens in rauen Mengen trinken könnte. Die Marketingleiterin der Genossenschaft schätzt, dass der neue Tropfen im Sommer erhältlich sein wird. Aktuell liege er noch im Fass. „Wir folgen damit dem Trend des bewussten Genießens“, erläutert Friedrich. Es gebe Frauen und Männer, die wollten sich etwas gönnen, aber dabei keinen Alkohol zu sich nehmen – weil er ihnen nicht bekommt oder um nüchtern zu bleiben. Man könne sich also vorstellen, dass beispielsweise Besucher einer Veranstaltung der WG sich erst ein Gläschen von einem klassischen Tropfen gönnen und anschließend alkoholfreien Rebensaft einschenken lassen. „Wir sind überzeugt, dass der alkoholfreie Wein funktioniert. Das schmeckt auch gut“, resümiert Friedrich.

Rezept wird nicht verraten

Allerdings scheint es kein Kinderspiel zu sein, eine Note zu treffen, die bei den Verbrauchern für Verzückung sorgt. Uwe Kämpfer bezeichnet es als Herausforderung, „ohne den entzogenen Alkohol ein attraktives Geschmackserlebnis zu komponieren“. Daher seien „das Zusammenspiel der im Wein nach der Destillation verbleibenden Geschmackskomponenten wie Aromastoffe, Fruchtsäuren und Fruchtsüße sowie die mögliche Dosage von erfrischender Kohlensäure das Geheimnis der Erzeuger“.

Bottwartaler Winzer wollen das Segment auch bedienen

Man darf also schon jetzt gespannt sein, wie die Zauberformel der Bottwartaler Winzer ausschauen wird, die ebenfalls einen alkoholfreien Wein kreieren möchten. Oder genauer gesagt: mehrere alkoholfreie Tropfen. „Wir wollen in Zukunft auf jeden Fall alkoholfreie Weine anbieten, und zwar für jeden Geschmack – heißt: Weiß, Rot und Rosé“, erklärt Geschäftsführer Uwe Ziegler. Wann genau, steht noch nicht fest. Doch die Nachfrage der Kunden spreche dafür, in diesem Segment Fuß zu fassen. Immer mehr Verbraucher interessierten sich im Bereich Bier, Wein und Sekt für Getränke ohne Promille. Das Thema gesundheitsbewusste Angebote „wird auch in unserem Produktbereich in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen“, sagt Ziegler.

Hoffnung auf neue Kunden

Diese Entwicklung eröffnet den Winzern nach Ansicht von Hermann Morast auch die Chance, Kunden anzusprechen, die vielleicht mit edlen Tropfen eher wenig am Hut hatten. „Die Erzeugnisse werden nicht nur von Weintrinkern konsumiert, die anlassbezogen auf Alkohol verzichten wollen. Vielmehr werden auch neue Zielgruppen erschlossen“, erklärt der Geschäftsführer des Württembergischen Weinbauverbands.

Eine Alternative mit weniger Kalorien

Gesundheit
Das Ernährungszentrum im Landratsamt Ludwigsburg verweist auf Nachfrage darauf, dass übermäßiger und ständiger Alkoholgenuss die Gesundheit gefährde. Viele Menschen wollten daher ihren Konsum in der Hinsicht reduzieren oder bewusst auf Getränke verzichten, die promillehaltig sind. Alkoholfreier Wein „bereichert dahingehend das antialkoholische Getränkeangebot“.

Leichter
Es gebe aber noch einen weiteren Grund, der für Rebensaft ohne Prozente spricht. Alkoholfreie Weine enthielten „oft weniger Kalorien als ihre alkoholischen Vertreter und sind eine leichtere Trinkalternative“.