Trafoturm in Steinheim Mit Größe wächst auch Kritik an Tinyhaus

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Der Trafoturm soll einen Anbau erhalten, die Garage darunter über den Radweg angesteuert werden. Darüber sind einige Räte nicht so glücklich. Foto: Felix Ulmer

Die alte Trafostation am Radweg von Steinheim nach Erdmannhausen soll einen Anbau erhalten und dann bewohnt werden. Die Räte waren zunächst angetan von der Idee. Inzwischen haben sich aber die Dimensionen verändert

Steinheim - Als Architekt und Bauherr Felix Ulmer im Januar seine Pläne für die Umgestaltung der alten Trafostation am Radweg nach Erdmannhausen präsentierte, waren die Steinheimer Räte noch hellauf begeistert. Sie lobten den Charme des Projekts, bei dem nach dem Vorbild der Mini-Haus-Bewegung in einem kleinen Turm frischer Wohnraum entstehen sollte. Inzwischen hat sich die Stimmungslage allerdings gedreht. Zwar wurde der neuen Nutzung und dem von Anfang an ebenfalls anvisierten Anbau am Dienstag im Ausschuss für Technik und Umwelt mit klarer Mehrheit zugestimmt. Allerdings waren viele kritische Anmerkungen zu hören. Bemängelt wurde vor allem, dass sich die Dimensionen zwischenzeitlich verändert haben – und von einem Tinyhaus, wie die Minihäuser allgemein genannt werden, nun gar keine Rede mehr sein könne.

Das stellt Felix Ulmer auch gar nicht in Abrede. „Es hat eine Weiterentwicklung gegeben“, sagt der Architekt auf Nachfrage. Man könne in der Tat nicht mehr von einem Tinyhaus sprechen. „Es handelt sich um ein normales Wohnhaus“, redete auch Bürgermeister Thomas Winterhalter in der Ausschusssitzung nicht um den heißen Brei herum. Gleichwohl brachen er und sein Bauamtsleiter Frank Fussenegger eine Lanze für das Vorhaben. „Das ist etwas Modernes und Innovatives“, meinte Fussenegger. Durch die Verschalung setze sich der Anbau stilistisch vom historischen Turm ab. Zudem füge sich das Ganze sehr gut in die Umgebung ein. „Wir begrüßen das Vorhaben“, ergänzte Winterhalter. Die Trafostation werde wieder mit Leben gefüllt.

Fussenegger machte allerdings auch keinen Hehl daraus, dass sich die Dimensionen des Anbaus verändert haben und es weiter in die Höhe gegangen ist. Darüber hinaus wurde aus der ursprünglich geplanten einfachen Stellfläche für Autos nun eine Doppelgarage. Ein Punkt, der von den Räte besonders kritisch gesehen wurde. „Da liegt immerhin ein Radweg“, konstatierte Michael Uhl von der SPD. Insofern entstünden möglicherweise Probleme bei der Zufahrt. Zumal der Radweg an dieser Stelle auch schmaler als in der Fortführung Richtung Marbacher Weg sei, wie Dagmar Roth von den Grünen anmerkte. „Das ist aber nicht nur ein Radweg, sondern auch ein Fußweg“, hob Horst Trautwein von der CDU hervor. Sprich: Die Zufahrt könnte gleich doppelt heikel sein. Winterhalter machte daraufhin klar, dass es sich bei dieser Konstellation um keinen Präzedenzfall handelt. Der gesamte Marbacher Weg, über den die Zufahrt zu dem Haus erfolgt, gelte als Radweg. Ähnlich sei die Situation in der Sommerhalde, wo die Trasse für die Pedaleure direkt an der Wohnbebauung vorbeiführe, sagt der Bürgermeister auf Nachfrage. Er erklärte zudem in der Sitzung, dass das Landratsamt diesen speziellen Umstand bei seiner Bewertung miteinfließen lasse.

Gleichwohl schmeckten den Räten die Änderungen nicht. „Das Haus wird immer höher“, monierte Michael Uhl. Horst Trautwein erinnerte der Gebäudekomplex sogar an eine „kleine Festung“. Roland Heck von den Freien Wählern zeigte sich „enttäuscht davon, was daraus geworden ist. Ich kann damit leben, es hat aber bei weitem nicht mehr den Charme, den es nach den anfänglichen Planungen gehabt hätte. Das wäre etwas Neues gewesen“, sagte er. Ähnlich erging es Petra Schubert von den Grünen, die das besondere Flair des Tinyhauses vermisste, den das Vorhaben zuerst ausgestrahlt habe. Auch aus den Reihen der Zuschauer gab es Kritik. Eine Anwohnerin monierte, dass sich das Projekt nicht in die Umgebung einfüge, wegen des Flachdachs. Dazu fürchtet die Frau, dass das Haus wegen des lockeren Untergrunds früher oder später abrutscht. Winterhalter versicherte jedoch, dass das nicht passieren werde. Das liege ja schon im ureigensten Interesse des Bauherren, dass die Arbeiten entsprechend ausgeführt werden. Und was die ästhetische Seite anbelangt, schätzte er den Fall ähnlich positiv wie sein Bauamtsleiter ein: „Das ist ein moderner, kubischer Bau, angeschlossen an einen historischen Turm.“