Tourismus im Bottwartal Radweg tritt aus Schatten des Neckars

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Die Kombination aus Radtour und Weinerlebnis ist im Kommen. Foto: picture alliance/dpa/Chris Keller

Der Württemberger Weinradweg nimmt einen neuen Verlauf. Er führt nicht mehr am Neckar entlang, sondern durchs Bottwartal.

Marbach/Bottwartal - Der Fahrradboom hält an – davon sollen auch Winzer und Gastronomen im Bottwartal profitieren. Auf sie könnten verstärkt Auswärtige aufmerksam werden, denn der rund 350 Kilometer lange Württemberger Weinradweg von Rottenburg am Neckar nach Niederstetten im Main-Tauber-Kreis führt neuerdings durch das Tal.

Jede Menge Radfahrer treffen sich vor allem an den Wochenenden auf dem Parkplatz der Burg, hat Silke Dippon vom Schlossgut Hohenbeilstein festgestellt. „Es sind vor allem Tagestouristen – wir hoffen natürlich, dass sie auch den Weg in unsere Vinothek finden, die zehn Minuten entfernt ist“, sagt die Chefin, die in dem Bio-Weingut für das Marketing zuständig ist. Gelingen könnte das, wenn die Ausflügler mit ihren Rädern überhaupt wissen, welche Erlebniselemente in der Nähe eines Radwegs zu finden sind. „Wir haben deshalb auch einen kleinen Schau-Weinberg mit Infotafeln zum ökologischen Weinbau aufgebaut.“

Die Poeten-Etappe führt durch das Wein-Lese-Land Bottwartal

Erlebnis, gerade auch zu biologisch angebautem Wein, ist eines der Schlüsselworte im Konzept der Tourismusgemeinschaft Marbach/Bottwartal. Deren Geschäftsführerin Julia-Essig Grabnar ist froh, dass der neue Internet-Auftritt des Württemberger Weinradwegs das Bottwartal berücksichtigt. „Die Initiative ging von der Stuttgart Marketing GmbH aus“, berichtet sie. Der vierte Abschnitt, die Poeten-Etappe, führe auf seinen 76 Kilometern von der Schillerstadt Marbach, über den Hölderlinort Lauffen und via Brackenheim mit seinem Theodor-Heuss-Museum nicht mehr am Neckar entlang über Mundelsheim, Besigheim und Nordheim, sondern durch das Bottwartal und das Gebiet Zabergäu-Heuchelberg südwestlich von Heilbronn.

Über diese touristische Schützenhilfe für ihre Region ist Julia Essig-Grabnar froh. Denn die Strecke am Neckar entlang sei schon sehr gut beworben. „Wir haben auf der digitalen Karte des Weinradwegs unsere Angebote markiert – wer sie anklickt, wird weitergeleitet.“ Für Radler interessant seien Erlebnisse wie etwa eine Lama-Tour durch einen Weinberg. Das bestätigt Andrea Gerlach, Prokuristin der Stuttgart Marketing GmbH: „Wir haben die Genussradler im Blick – am Neckar sind viele Familien unterwegs.“

Der Mundelsheimer Bürgermeister gönnt den Bottwartälern den Radweg

Aus dem Schattendasein des Neckarradwegs herauszukommen, findet auch Gisela Philipps-Kolb, Inhaberin des Höpfigheimer Hofes, wichtig. Ihr Bio-Weinhotel im Steinheimer Teilort liegt zwar auch in der Nähe des Neckars, doch finden nur wenige Radfahrer den Weg zu ihr. „Viele fahren vom Neckar aus nach Bietigheim-Bissingen und weiter nach Besigheim“, berichtet sie und hofft auf mehr Gäste. Im Angebot habe sie zum Beispiel Patenschaften für Bio-Weinstöcke, als Geschenk kombinierbar mit Wein und Übernachtungsgutscheinen.

Nicht eingebunden, aber auch nicht traurig über die veränderte Routenführung ist der Mundelsheimer Bürgermeister Boris Seitz. „Wenn der 100. Radweg, der durch unseren Ort führen könnte, es nicht tut, sind wir nicht böse und gönnen es allen Bottwartälern“, sagte er, nachdem die Oberstenfelder Räte zuvor ganz angetan waren.

Württemberger Weinradweg

Die Strecke
Die Plattform www.weinwege-württemberg.de empfiehlt, die Gesamtstrecke auf sieben Etappen zu verteilen:

1. Rottenburg-Metzingen, 61 Kilometer, sechs Stunden.

2. Metzingen-Esslingen, 51 Kilometer, fünf Stunden.

3. Esslingen-Marbach, 69 Kilometer, sieben Stunden.

4. Marbach-Heilbronn, 76 Kilometer, sieben Stunden.

5. Heilbronn-Bretzfeld, 28 Kilometer, siebeneinhalb Stunden.

6. Bretzfeld-Bad Mergentheim, 75 Kilometer, sieben Stunden.

7. Bad Mergentheim-Niederstetten, 25 Kilometer, vier Stunden.