Tierschutz in Affalterbach Ein „Gnadenhof“ für Katzen

Von Ingo Nicolay
Claudia Handel von Feline hat ein Herz für Katzen. Mit dem Kauf eines Kalenders unterstützen Tierfreunde den Verein. Foto: Werner Kuhnle

Im „Katzenhotel“ Feline in Affalterbach finden alte, verwilderte und chronisch kranke Katzen eine neue Heimat. Ehrenamtliche versorgen 14 sonst nicht mehr vermittelbare Tiere.

Affalterbach - Wie so vieles, fing auch Feline ganz klein an. Der Freund von Christiane Kubeja zog vor über 20 Jahren zu ihr. Für seine zehn Katzen war damals allerdings kein Platz mehr in der kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung. So wurden die Tiere vorübergehend im Ludwigsburger Tierheim untergebracht. Aus dem „vorübergehend“ wurden schließlich eineinhalb Jahre. Doch irgendwann drängte das Tierheim auf eine Lösung.

Eine Freundin hatte schließlich die rettende Idee. Sie besaß ein verwahrlostes Grundstück in Wolfsölden mit einer kleinen Hütte darauf. Bevor die Katzen einziehen konnten, floss zunächst viel Schweiß. Ein Vierteljahr wurde gehämmert, genagelt und für die Katzen ein behagliches Zuhause eingerichtet. Zwischenzeitlich sorgt sogar ein Ofen für behagliche Katzenwärme im Winter. Von ihrem damaligen Partner ist Christiane Kubeja inzwischen getrennt. Die Liebe zu ihm überdauerte nicht all die Belastungsproben über die Jahre, die zu ihren Katzen hingegen schon.

Die Futterkosten reißen Löcher in die Kasse

Am Anfang finanzierte Kubeja alles aus eigener Tasche. Tierarzt, Futter und Medikamente verschlangen große Beträge, die Löcher in ihr Haushaltsbudget fraßen. Doch je mehr Katzen ein neues Zuhause fanden, desto mehr freiwillige Helfer schlossen sich an. All das bekam dann im Jahr 2009 feste Strukturen. Der Verein Feline wurde gegründet. Mit vielerlei pfiffigen Aktionen organisieren die Tierschützer an der Alten Kelter in Affalterbach kleine Feste mit Bewirtung. Die Erlöse fließen umgehend in die Futter- und Medikamentenkasse. Neben Mitgliedsbeiträgen ist der jährlich aufgelegte Katzenkalender ihre wichtigste Einnahmequelle. „Wir kommen finanziell gerade so über die Runden“, verweist Claudia Handel auf die klammen Kassen. Die Schriftführerin ist seit über acht Jahren dabei. Irgendwann las Handel in einem Wochenblatt von der Suche nach weiteren ehrenamtliche Helfern – und es funkte sofort bei ihr.

Viele Katzen sind ohne Aussicht auf Vermittlung

Heute werden pro Tag rund drei bis vier Kilogramm Nassfutter benötigt. Die gleiche Menge bringen die Helfer nochmals an externe Futterstellen. Und ist einmal mit einem Schützling der Gang zum Tierarzt notwendig, reißt das tiefe Löcher in die Vereinskasse.

Über die Jahre kamen weitere Katzen hinzu. Viele der aufgenommen Miezen sind ohne Vermittlungsperspektive und ziehen aus dem Tierheim nach Wolfsölden in ihr neues Quartier. Bei Pferden würde man von einem Gnadenhof sprechen, wo die Tiere ihren Lebensabend mit Anstand und Würde erleben dürfen. Im Moment haben hier 14 Tiere eine Heimat, die ansonsten vermutlich in einem Tierheim ihren trostlosen Lebensabend verbringen müssten.

Schmusekatzen sucht man hier vergebens

„Das ist Vanty“, deutet Claudia Handel auf eine Katze. „Im Tierheim wurde sie nur „Vampire“, also Vampir genannt. Wann immer jemand zu ihr ins Gehege kam, versteckte sich Vanty unter einem Handtuch oder verschwand in einer kleinen Höhle im Gehege. Vanty ließ keinen einzigen Menschen auch nur auf Augendistanz zu sich her. „Und schauen Sie heute: jetzt lässt uns Vanty bis auf einen halben Meter an sich heran. Das ist eine so schöne Sache“, fasst Handel den Grund für ihre langjährige Mitarbeit im Tierschutzverein Feline zusammen. Natürlich seien das keine Schmusekatzen. Doch auch für solche, oftmals nicht ganz unkomplizierten Tiere, müsse es eine Heimat und eine Bleibeperspektive geben.

Wer die Tierschutzaktion Feline unterstützen möchte und Freude an Katzenbildern hat, dem sei der Kalender „Felinewelten 2022“ans Herz gelegt. Der Kalender kostet 22 Euro zuzüglich Versandkosten und ist im Format A3 gedruckt. Bestellungen unter FelineKalender@web.de oder 01 62 / 6 12 37 71 (SMS, WhatsApp oder Telegram). Auf Wunsch kann der Kalender auch selbst in Affalterbach abgeholt werden.