Teilnahme an Al-Kuds-Marsch WDR stoppt vorerst Moderation von „Quarks“ durch Nemi El-Hassan

Von
Wird vorerst nicht „Quarks“ moderieren: Journalistin Nemi El-Hassan. Foto: dpa/Maurizio Gambarini

Die Journalistin Nemi El-Hassan wird vorerst doch nicht die WDR-Sendung „Quarks“ moderieren. Der Sender will den Vorfall rund um ihre Teilnahme an einem Al-Kuds-Marsch noch einmal prüfen.

Köln - Die Journalistin Nemi El-Hassan wird vorerst nicht das Wissenschaftsmagazin „Quarks“ des Westdeutschen Rundfunks (WDR) moderieren. „Die Vorwürfe gegen sie wiegen schwer“, teilte der Sender am Dienstag zur Begründung in Köln mit. Es wiege aber auch schwer, „einer jungen Journalistin eine berufliche Entwicklung zu verwehren“. Daher sei nun eine sorgfältige Prüfung geboten. El-Hassan hatte 2014 unter anderem an einer israelfeindlichen Al-Kuds-Demonstration teilgenommen. Der Zentralrat der Juden forderte, nun objektiv zu überprüfen, ob die 27-Jährige für die Moderation der Sendung geeignet sei.

Der Al-Kuds- oder Jerusalemtag wurde 1979 vom damaligen iranischen Revolutionsführer Ajatollah Khomeini initiiert und ruft die Muslime zur Eroberung Jerusalems und zur Zerstörung Israels auf. Im Iran ist dieser Tag offizieller Feiertag.

WDR verurteilt Al-Kuds-Märsche

Nemi El-Hassan habe den Sender in diesen Tagen über ihre Teilnahme an der Al-Kuds-Demonstration im Jahr 2014 und weiteren Demonstrationen informiert, erklärte der WDR. Dabei habe sie sich auch öffentlich davon distanziert. „Sie positioniert sich klar gegen Antisemitismus und gegen Hass und Gewalt jeglicher Art und bezeichnet die Teilnahme als Fehler“, heißt es in der Mitteilung des Senders. Nemi El-Hassan habe versichert, ihre Teilnahme an den infrage stehenden Demonstrationen in der Vergangenheit zu bereuen und sich davon komplett abgewendet zu haben. Der WDR dulde keinerlei Form von Antisemitismus und verurteile die Al-Kuds-Märsche sowie die dort vertretenen Positionen „auf das Schärfste“.

Zentralrat der Juden bezieht Stellung

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, verwies auf eine hohe Verantwortung öffentlich-rechtlicher Sender, „niemanden auf dem Bildschirm zu präsentieren, der Israel-Hass und Antisemitismus verbreiten könnte“. „Dies muss auch bei Frau El Hassan gesichert sein“, forderte Schuster im Netzwerk Twitter. „Momentan haben wir gegenüber ihrer Person aufgrund ihrer Äußerungen allerdings erhebliche Bedenken.“ Es sei bedauerlich, dass in der Diskussion die Moderatorin auch Islamfeindlichkeit zutage trete.

Erst am Freitag hatte der WDR El-Hassan und Florence Randrianarisoa als neue Moderatorinnen der Wissenschaftssendung „Quarks“ angekündigt. Sie sollten im Wechsel mit Ralph Caspers die Sendung moderieren. El-Hassan arbeitete den Angaben zufolge nach ihrem Medizinstudium als Journalistin und Medienmacherin und war unter anderem Mitbegründerin des Youtube-Kanals „Datteltäter“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, in satirischen Videos mit Vorurteilen gegen Muslime aufzuräumen.