Susanne Wichmann im Interview „Für Extras ist kein Spielraum“

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Großes Engagement für den Förderverein: Orchestermusikerin Susanne Wichmann. Foto: cf

Am Montag soll im Bürgersaal des Marbacher Rathauses ein Förderverein für die Musikschule Marbach-Bottwartal aus der Taufe gehoben werden. Ein Gespräch mit Susanne Wichmann, Vorstandsmitglied der Musikschule, über Möglichkeiten und Ziele des Vereins.

Marbach - Ein Förderverein würde der Musikschule neue Perspektiven eröffnen, ist die Marbacher Stadträtin und Orchestermusikerin Susanne Wichmann überzeugt. So könnten zum Beispiel besonders begabte Kinder besser gefördert werden.

Wozu braucht es einen Förderverein?

Zunächst haben heutzutage die allermeisten Kultur- und Bildungseinrichtungen einen Förderverein, es ist eher ungewöhnlich, keinen zu haben. Ich bin als Vertreterin des Gemeinderates der Stadt Marbach im Vorstand des Trägervereins der Musikschule. Weil ich dort einen Einblick habe, sind mir die Schwierigkeiten unserer Musikschule bewusst geworden.

Worin liegen diese?

Zum einen ist eine fehlende Präsenz zu beklagen. Die Schule wird einfach zu wenig wahrgenommen, obwohl fast 900 Kinder und Jugendliche angemeldet sind und sie acht Kommunen als Einzugsgebiet hat, das ist schade.

Ist das das einzige Problem?

Geld ist das zweite Problem. Mit den kommunalen Zuschüssen können wir ein Grundangebot schaffen, aber für Extras ist kein Spielraum. Leider ist der Unterricht an der Musikschule nicht gerade kostengünstig. Es werden zu wenige Kinder aus weniger wohlhabenden Familien erreicht.

Welche Aufgaben leiten sich aus diesen Problemen dann für den neuen Förderverein ab?

Er soll privaten Geldgebern, Firmen und In­stitutionen die Möglichkeit bieten, die Arbeit der Musikschule finanziell zu unterstützen.

Wofür wird das Geld verwendet?

Es soll das gemeinschaftliche Musizieren gefördert werden, das können Orchesterfreizeiten, Streicher- oder Bläserklassen oder Projekte von Bands sein. Es könnten Patenschaften für eine ermäßigte Unterrichtsgebühr für Geringverdienende entstehen oder auch Instrumente gekauft werden, die die Musikschule an Schüler verleiht oder die in der Musikschule gebraucht werden. Wir wollen den Zugang zur Musik erleichtern – unabhängig von der Herkunft des Kindes. Der Einstieg ins Selbst-Musizieren hat für manche Kinder eine hohe Schwelle, auch wenn sie musikalisch interessiert und begabt sind.

Gibt es noch weitere Pläne?

Nicht zuletzt möchten wir besonders begabte Kinder besser fördern können, zum Beispiel mit einem Stipendium für die Vorbereitung von Wettbewerben. Der neue Vorstand wird Förderrichtlinien beschließen, der Impuls soll aber aus der Musikschule kommen, wo der Schuh drückt.

Sie meinen es gut mit den Kindern…

Ja klar. Beim Musizieren können die jungen Leute was fürs Leben mitnehmen. Man lernt zuhören, zusammenspielen, zurückstecken, sich Gehör verschaffen im richtigen Moment. Die Musik hält für Kinder und Jugendliche tolle Begegnungen bereit. Wir müssen den jungen Leuten eine wertvolle Beschäftigung anbieten, damit sie zu starken Erwachsenen werden. Und im besten Falle sind sie beim Musikmachen auch noch glücklich.

Was soll der Verein noch leisten?

Es geht auch um die ideelle Unterstützung und die öffentliche Aufmerksamkeit. Im kommenden Jahr wird die Musikschule 50 Jahre alt, dieses Jubiläum wollen wir nutzen .

Gründungsversammlung

Aufgaben und Ziele
Die Gründungsversammlung findet am kommenden Montag, 19. Juli, statt. Beginn ist um 17 Uhr im Bürgersaal des Marbacher Rathauses. Im Laufe der Gründungsversammlung werden unter anderem die Aufgaben und Ziele des Fördervereins vorgestellt, das Gründungsprotokoll unterzeichnet und die Vorstandsmitglieder gewählt. Wer Interesse hat, sich im Vorstand des Vereins zu engagieren, kann sich im Vorfeld bei Susanne Wichmann per E-Mail unter susannewichmann@gmx.de melden.