Suche nach Wohnraum in Marbach Drei Wege gegen den Leerstand

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In Marbach stehen auch Wohnungen leer. Die große Kunst ist es jedoch, die Eigentümer von einer Vermietung zu überzeugen. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Marbach will bei der Akquirierung von brach liegendem Wohnraum in die Offensive gehen. Dabei soll das Zusammenspiel von mehreren Programmen zum Ziel führen.

Die Pläne für ein Neubaugebiet an der Affalterbacher Straße wurden mittlerweile begraben, die Umzugsprämie für Senioren hatte nicht gezündet und wurde ebenfalls zu den Akten gelegt. Nun unternimmt die Stadt Marbach einen neuen Anlauf, um gegen die Wohnungsnot anzukämpfen. Zum einen wird ein Leerstandskataster erstellt, zum anderen möchte man sich an einem Projekt der Caritas beteiligen, über das brachliegende Immobilien akquiriert werden sollen. Flankiert wird all das von einer Wiedervermietungsprämie, die der Gemeinderat schon im Juli 2020 beschlossen hatte, die wegen Corona aber noch gar nicht richtig forciert werden konnte, wie die Erste Beigeordnete Franziska Wunschik erläutert. „Die Kombination ist toll“, sagt sie.

Stadt kann nach Bestandsaufnahme auf Eigentümer zugehen

Die Grundlage für die neue Wohnraumoffensive soll eine Bestandsaufnahme dazu bilden, wo überhaupt Immobilien liegen, die ihren eigentlichen Daseinszweck nicht erfüllen. Das Institut für Stadt- und Regionalentwicklung wird im Rahmen des Förderprogramms „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“ leer stehende Gebäude ermitteln. „Das Institut bekommt dafür von uns die Hauskoordinaten, das heißt den Straßennamen, die Hausnummer und die Information, ob jetzt eine Wohnsitzmeldung vorliegt und ob vor 18 Monaten eine vorlag“, erklärt Wunschik. Personenbezogene Daten würden nicht weitergereicht. Anhand der Auskünfte könnten die Mitarbeiter ablesen, ob ein Haus möglicherweise seit wenigstens eineinhalb Jahren unbewohnt ist – was stark dafür spräche, dass es dem Markt komplett entzogen wurde. Solche Informationen würden an die Stadt zurückgespiegelt, die ihrerseits wiederum auf die Eigentümer zugehen kann, erläutert die Erste Beigeordnete.

Dem Antragsteller winken zwei Monatsmieten als Bonus

An der Stelle kommen die anderen beiden Bausteine ins Spiel, auf die die Stadt setzt. „Wir teilen dem Eigentümer mit, dass es das Programm der Caritas gibt, über das die Immobilie vermietet werden könnte. Außerdem prüfen wir, ob die Bedingungen dafür erfüllt sind, die Wiedervermietungsprämie auszuzahlen. Für jede erfolgreiche Vermittlung erhält der Antragsteller eine Prämie von zwei Nettomonatskaltmieten, beziehungsweise maximal 2000 Euro je wiedervermieteter Wohnung“, erklärt Wunschik. Die Kooperation mit der Caritas und ihrem Projekt „Türöffner“ habe den großen Vorteil für den Eigentümer, das der Sozialverband selbst die Immobilie anmieten könne und sie dann weitervermiete. „Dadurch hat der Besitzer die Garantie, dass das Geld jeden Monat pünktlich überwiesen wird“, erklärt Wunschik. Um etwaige Schäden kümmert sich ebenfalls die Caritas.

Offizielle Partnerschaft geplant

Städte wie Steinheim oder Murr sind bereits eine offizielle Partnerschaft mit der Caritas eingegangen. Die Urmenschstadt überweist beispielsweise einen fixen Betrag an den Verband, wodurch der sein Risiko abdecken kann. Auch in Marbach strebt man eine Unterstützung des Projekts an. Das Thema solle bald in den zuständigen politischen Gremien behandelt werden, sagt Wunschik.

Zwischen 50 und 100 Häuser dürften leer stehen

Wie die Erste Beigeordnete unlängst im Verwaltungsausschuss ausführte, dürfte es sich durchaus lohnen, in dem Bereich Anstrengungen zu unternehmen. Die Menge an ungenutztem Wohnraum in der Schillerstadt dürfte nämlich nicht unerheblich sein. In Kommunen in der Größe von Marbach stünden in der Regel zwischen 50 bis 100 Häuser leer, sagte Wunschik.