Strommessgeräte im Test So finden Sie Stromschlucker im Haushalt

Von Sebastian Jutisz
Das Modell X4-Life für 20 Euro hat von der Stiftung Warentest die Note 1,8 erhalten. Foto: Stiftung Warentest/dpa-tmn

Wer die Haushaltskasse entlasten möchte, sollte Elektro- und Haushaltsgeräte im Blick haben. Strommessgeräte ermitteln den Verbrauch und rechnen die Kosten aus. Stiftung Warentest hat 15 Modelle getestet. Auch günstige Geräte liefern gute Ergebnisse.

Lange war Strom kein großer Kostenfaktor, viele haben sich noch vor Kurzem über den eigenen Verbrauch wenig Gedanken gemacht. Doch diese Zeiten sind vorbei, 2022 haben die Strompreise einen Höhepunkt erreicht. In diesem Jahr liegt der durchschnittliche Preis für eine Kilowattstunde (kWh) Strom bei rund 43 Cent und damit höher als jemals zuvor. Zum Vergleich: 2012 lag der Preis noch bei 24,93 Cent pro kWh. Bei der Suche nach den größten Stromschluckern kann ein Strommessgerät hilfreich sein. Stiftung Warentest hat insgesamt 15 Modelle getestet. Dabei stellte sich heraus, dass das teuerste nicht unbedingt das geeignetste sein muss.

Die meisten Modelle rechnen Kosten aus

Für die Überprüfung des Verbrauchs eines Elektrogeräts wird das Messgerät wie ein Verlängerungskabel zwischen Steckdose und Gerät gehängt. Ob Kühlschrank, Fernseher oder Router – der Verbrauch wird sofort ermittelt. Alle Messgeräte zeigen die Leistung in Watt und den Verbrauch in kWh an. Zusätzlich rechnen die meisten Modelle die Kosten für eine Betriebszeit in Euro aus, wenn man den Strompreis eingibt. Der findet sich auf der letzten Rechnung.

Ferngesteuerte Steckdosen für Smarthome-Fans

Bei den analogen Modellen wird das Ergebnis auf einem Display angezeigt. Wer sich für ein smartes Messgerät entscheidet, muss eine App auf dem Handy installieren. Mit solchen Modellen lässt sich nicht nur der Stromverbrauch der Elektrogeräte herausfinden, man kann sie auch aus der Ferne ein- und abschalten. So ließe sich mithilfe der ferngesteuerten Steckdosen beispielsweise die Waschmaschine vom Büro aus anstellen. Allerdings sollten Smarthome-Fans die Anschaffung der Messgeräte genau planen.

Das Modell Eve Energy, das im 3er-Pack 118,85 Euro kostet, kann nur mit einem iPhone bedient werden. Die smarte Steckdose Fritz Dect 200 der Firma AVM für 78,50 Euro funktioniert nur mit dem Router des Anbieters. Auch die Messsteckdose von Gigaset, die für 40 Euro erworben werden kann, benötigt eine Basisstation.

Zwölf von 15 Geräten liefern gute Ergebnisse

„Wir waren überrascht, dass zwölf der 15 Geräte im Test mindestens gute Messergebnisse liefern“, sagt Christoph Dierking, Redakteur bei Stiftung Warentest. Dennoch sollte man bei der Auswahl des Geräts genau hinschauen. Zum einen ist die Preisspanne zwischen den Messgeräten erheblich, von neun Euro bis 193 Euro ist alles dabei. Zum anderen gibt es große Unterschiede in der Handhabung. Das Modell Bachmann ist laut Studie zwar recht genau, aber ziemlich kompliziert zu bedienen. Auch das teuerste Gerät, das Modell NZR, misst den Verbrauch sehr zuverlässig, schneidet jedoch bei der Handhabung mit der Note „befriedigend“ (2,8) nur mäßig ab. Zwei weitere Geräte liefern ebenfalls sehr gute Messergebnisse, sind aber in der Handhabung nur ausreichend. „Das ist wie eine Delikatesse in einer Dose, die man nicht aufbekommt“, so Redakteur Dierking.

Für die Bewertung haben drei Laien und ein Experte die Gebrauchsanleitung und die Inbetriebnahme der Geräte und Apps, die Lesbarkeit der Anzeigen sowie das Bedienen im Alltag beurteilt.

9-Euro-Gerät völlig ausreichend

Die besten Noten hat das smarte Modell AVM Fritz Dect 200 bekommen, das die Tester sowohl in der Genauigkeit als auch in der Handhabung und der Sicherheit überzeugt hat. Wer auf die smarte Funktion keinen Wert legt, dem legt Stiftung Warentest Revolts Digitalen Energiekosten-Messer für neun Euro ans Herz. „Es ist Geschmackssache, ob einem die smarte Funktion der Geräte wichtig ist“, sagt Dierking. Die Studie habe aber gezeigt, dass auch günstige Modelle recht genau messen. Zudem dürften Ungenauigkeiten bei Werten unter zwei Watt nicht ins Gewicht fallen. Nur von den Modellen Gigaset und Hama raten die Tester aufgrund schlechter Messergebnisse ab.

Detektivarbeit gefragt

Ist das Messgerät einmal angeschafft, ist Detektivarbeit gefragt. Gerhild Loer, Expertin für Energiefragen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, rät den Kunden, zunächst den Verbrauch von Kühlschrank, Tiefkühler und Router zu messen. Diese Geräte seien oft große Stromschlucker. Hat man den Verbrauch festgestellt, kann man überlegen, ob es sich lohnt, in neuere und sparsamere Modelle zu investieren. „Manchmal hilft es auch auszuprobieren, ob der Kühlschrank an einem anderen Standort weniger verbraucht“, rät Loer. Zudem lohne es sich, bei Geräten im Stand-by-Modus näher hinzuschauen: „Der Fernseher verbraucht im Stand-by oft mehr, als man denkt.“ Auch beim Küchenradio oder der Stereoanlage lassen sich bis zu 50 Euro im Jahr sparen, wenn man nach dem Gebrauch den Stecker zieht. Bei vielen Geräten empfiehlt es sich, den Verbrauch über einen Zeitraum messen. Ob es sich lohnt, die Kaffeemaschine zwischen zwei Kaffees auszuschalten, findet man nur heraus, indem man beide Varianten ausprobiert.

Kosten unter Freunden teilen

Auch wenn es gute Modelle zum günstigen Preis gibt, ist es sinnvoll, sich zunächst bei den Verbraucherzentralen und den Stadtwerken zu erkundigen, die Messgeräte kostenlos verleihen. Allerdings gibt es mitunter lange Wartelisten. „Wir haben zurzeit ungewöhnlich viele Anfragen“, sagt Ulrich Schermaul, Sprecher der Stadtwerke Tübingen. Alternativ bietet es sich an, sich mit Freunden oder Nachbarn zusammenzutun und das Gerät herumzureichen.