Streit um Steinbruch bei Rielingshausen Stadt schaltet einen Anwalt ein

Von Christian Kempf
Die geplante Erweiterung des Steinbruchs bei Rielingshausen ist im Ort hoch umstritten. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Der Bürgermeister hofft, die Erweiterung des Rielingshäuser Steinbruchs stoppen zu können. Doch auch der Betreiber macht den Bürgern mit einer Aussage Hoffnung.

Der Kampf mit Argumenten tobt schon seit Jahren, nun wird es aller Voraussicht nach nicht mehr lange dauern, bis eine Entscheidung fällt. Der Verband Region Stuttgart (VRS) hat im Hinblick auf eine mögliche, vor Ort höchst umstrittene Erweiterung des Rielingshäuser Steinbruchs die heiße Verfahrensphase eingeläutet. Behörden, Verbände und Bürger können sich nun dazu äußern, was sie von der Ausdehnung der Abbaufläche um neun Hektar nach Osten halten. Die abgegebenen Stellungnahmen werden dann aufgearbeitet, abgewogen und vom VRS beschlossen, ob die Fläche für die Gesteinsgewinnung reserviert werden soll. „Ich schätze, dass die Entscheidung noch in diesem Jahr fällt“, sagt Benjamin Hoffmann, Technischer Leiter Schotterwerke beim Steinbruchbetreiber Klöpfer.

Kommune will nichts übersehen

Post aus Stuttgart hat in dem Zusammenhang auch die Stadt Marbach erhalten. Die Kommune wurde darüber in Kenntnis gesetzt, sich zu dem Fall äußern zu können. Wie der Bürgermeister Jan Trost jetzt im Gemeinderat herausstrich, werde man von diesem Recht Gebrauch machen – und sich juristisch beraten lassen. „Das ist für uns ein herausragendes Thema. Deshalb haben wir eine Fachanwaltskanzlei hinzugezogen“, erklärt der Rathauschef auf Nachfrage. Die Mitarbeiter der Verwaltung seien auf dem Gebiet keine Profis, insofern holte man sich von außen Expertise dazu. „Wir möchten nichts übersehen oder vergessen. Unsere Position soll rechtlich absolut sauber sein. Wir wollen die bestmögliche Stellungnahme abgegeben“, betont Trost.

Bürgermeister verweist auf ergebnisoffenes Verfahren

Und bestmöglich heißt: eine Argumentationslinie aufzubauen, die die Regionalräte davon überzeugt, gegen eine Erweiterung zu stimmen. Denn sowohl Gemeinde- als auch Ortschaftsrat haben schon mehrfach erklärt, das Vorhaben grundsätzlich abzulehnen. Die örtliche Bürgerinitiative läuft ebenfalls Sturm gegen die Pläne von Klöpfer, die Abbaufläche abermals auszudehnen. „Ich habe auch Hoffnung, dass wir die Erweiterung tatsächlich aufhalten können. Immerhin sagt die Region, es handele sich um ein ergebnisoffenes Verfahren“, so der Bürgermeister.

Genehmigung vom Landratsamt erforderlich

Benjamin Hoffmann würde sich genau das Gegenteil wünschen, also das Okay aus Stuttgart, um die neun Hektar für den Abbau von Gestein akquirieren zu können. Der Technische Leiter Schotterwerke von Klöpfer betont allerdings, dass die Firma selbst in dem Fall zunächst noch eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung bräuchte, um die neuen Schichten erschließen zu können. „Da geht es um die Detailplanung, die man dem Landratsamt vorlegen muss und von der Behörde abgesegnet werden müsste“, erklärt Hoffmann. „Wie lange das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren dauern würde, lässt sich nicht seriös prognostizieren und wird von vielen Faktoren beeinflusst wie etwaigen Nachfragen zu Fachgutachten“, fügt er hinzu.

Keine Aussage zur Grundstückssituation

Das wäre aber nicht die einzige Unbekannte für das Unternehmen, was den weiteren Zeitplan anbelangt. „Ab wann wir zu der potenziellen neuen Fläche vorstoßen würden, hängt darüber hinaus von der Abbaugeschwindigkeit ab. Da geben die Konjunktur und die Nachfrage der Bauwirtschaft den Takt vor“, sagt Hoffmann. Nicht äußern will sich der Klöpfer-Vertreter derzeit zu der Frage, ob sein Unternehmen überhaupt auf den Grundstücken in der potenziellen Erweiterungsfläche frei schalten und walten könnte, sprich: ob sich die Parzellen im Besitz der Firma befinden oder zumindest für diese ein Zugriffsrecht besteht.

Endliche Vorkommen

Dafür stellt er klar, dass in dem Steinbruch nicht für immer und ewig gearbeitet werden kann – und macht damit den Anwohnern zumindest für die längerfristige Zukunft Hoffnung, dass die mit dem Steinbruch verbundenen Unannehmlichkeiten irgendwann ein Ende haben werden. „Rings um die aktuelle Erweiterungsfläche gibt es nur noch marginale Vorkommen von abbaufähigem Kalkstein. Da gibt es nicht mehr viel zu holen. Das ist auch kein Geheimnis und das kann man sich auf entsprechenden Karten ansehen“, sagt Hoffmann. Und wenn man das Tempo der vergangenen Jahre als Maßstab herannehme, brauche es ganz grob geschätzt ungefähr zehn bis 15 Jahre, ehe das Gestein auf neun Hektar abgebaut sei.