Steinheim Wenn’s ums Überleben geht, zählt jede Minute

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Klaus Beiermeister, Ursula Klingel, Karin Bauer, Jeannette Fritz und Barbara Reichardt (von links) beim Üben an einer Puppe. Foto: Fenja Sommer

Steinheim - Ganz unterschiedliche Erfahrungen haben Stadträtin Conny Fies und Bürgermeister Thomas Rosner darin bestärkt, sich für die Aufstellung von Defibrillatoren stark zu machen und die Aktion „Herzensretter“ ins Leben zu rufen. „Meine Mutter würde seit zehn Jahren nicht mehr leben, wenn es solche Geräte nicht geben würde“, sagt Rosner. Und Conny Fies musste mit ansehen, wie ein Mensch trotz Wiederbelebungsmaßnahmen nicht gerettet werden konnte – weil kein Defibrillator vorhanden war. In Steinheim samt Stadtteilen gibt es bald an elf Stellen Defibrillatoren. Zehn sind bereits finanziert und mit Hilfe einer Spende der Selbstständigen kann der Großteil eines weiteren Lebensretters finanziert werden.

Am Donnerstag waren zum vierten Mal Paten für die Aktion ins Feuerwehrhaus eingeladen, um unter der fachkundigen Anleitung des DRK-Ortsvereins Steinheim in die Funktionsweise der „Defis“ eingewiesen zu werden. Nicht nur das einfache Interesse stand im Vordergrund, vielmehr wollte jeder der anwesenden Männer und Frauen in Notsituationen helfen können. Sie wolle keine typische Frau sein, die in einer Notsituation am Straßenrand sitzt und erst die Bedienungsanleitung lesen muss, gab Jeanette Lammerskitten zu verstehen. Und sprach den anderen damit aus der Seele.

„Diese Menschen sind ehrenamtlich hier“, hob Rosner hervor. Eine Bereitschaft die es zu würdigen gelte – denn schließlich seien sie bereit, anderen mit ihrem Wissen in Notsituationen durch die Handhabung eines Defis das Leben zu retten. „Und von Anfang an zählt die Zeit.“

Genau dies erläuterte auch Jeannette Fritz vom DRK-Ortsverein. Sie leitete gemeinsam mit Barbara Reichardt die Schulung. Jede Sekunde zähle. Neben der Funktionsweise des Defis wurde jedoch noch viel mehr erklärt. „Ohne die Herz-Lungen-Wiederbelebung nutzt auch der Defibrillator nichts“, sagte Fritz. Eine Wiederholung der Grundlagen des Erste-Hilfe-Kurses stand daher am Beginn der Schulung. Anhand einer detaillierten Präsentation veranschaulichte Fritz die Schritte, die im Ernstfall zu befolgen sind. „Rein gesetzlich sind Sie zur Ersten Hilfe verpflichtet.“ Mit jeder Minute Verzögerung sinke die Überlebensrate um 7 bis 10 Prozent. Das wichtige Stichwort sei daher „früh“ – frühe Alarmierung des Notrufs, frühe Herz-Lungen-Wiederbelebung sowie frühe Defibrillation und frühe erweiterte Maßnahmen. Doch nicht nur die bloße Theorie stand im Vordergrund – anhand der Reanimationspuppe, die liebevoll „Anne“ genannt wird, erfuhren die Paten, wie das Gerät zu handhaben ist. Wie schließt man es an, wie funktioniert es? Am Ende konnte sich jeder sicher sein, in einer Notsituation effektiv handeln zu können. Und auf Dauer vielleicht auch Nachahmer zu finden, die bereit sind, eine Schulung mitzumachen.

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