Steinheim Technisch wie optisch Maßstäbe setzen

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Der ganze Stolz von Besitzer Igor Ostertag (am Lenkrad) und seinem Chef Steven Pöschel ist der selbst hergerichtete 986 Boxster 3,8 RS. Foto: KS-Images.de/Karsten Schmalz

Wie kann man einen Porsche noch besser machen? Steven Pöschel und Mario Steiner finden in ihren Werkstätten Techspeed und Elfermotors darauf schon seit Jahren immer wieder neue und faszinierende Antworten.

Steinheim - Ein Porsche 911 ist ein faszinierendes Fahrzeug. Es gibt den Sportwagen in vielen Ausprägungen und Baureihen. Vom Urahn, dem VW Käfer stammen der Boxermotor und die zugegebenermaßen stark abgewandelte Form.

Technisch wie optisch wurde über die Jahrzehnte hinweg vieles verfeinert – und ist doch zumindest bei älteren Fahrzeugen nicht perfekt. „Wir greifen Schwachpunkte auf und versuchen sie zu verbessern“, erklärt Steven Pöschel den Ansatz seiner Werkstatt „Techspeed“. Im gleichen Gebäude hat Mario Steiner seine „elfermotors“. „Wir sind quasi die Klassikabteilung“, erklärt der Experte. Während Techspeed mit seinen vier Mitarbeitern sich auf die wassergekühlten 911er von 1998 bis etwa 2008 spezialisiert hat, kümmert sich elfermotors um die „Oldies“.

Und da steht gleich ein wahres Prachtstück relativ unauffällig in der Werkstatt: Ein 911, oder besser gesagt 901er der allersten Serie Baujahr 1965 im „absoluten Top- und Originalzustand“. Bei einem über 50 Jahre alten Fahrzeug mit einem Marktwert von 400 000 Euro vertraut man die Inspektion natürlich nicht der Werkstatt um die Ecke an. „Wir haben Kunden aus ganz Deutschland und der Schweiz.“ Und das sei gleich hier gesagt: Das Gelände ist gut gesichert und überwacht.

Steven Pöschel ist Kfz-Techniker mit über 30 Jahren Berufserfahrung bei AMG, Gemballa sowie Techart und hat sich 2007 selbstständig gemacht. Sein Ziel ist die Optimierung und Erhaltung der Lieblingsstücke seiner Kunden. „Der hier hat zum Beispiel schon 400 000 Kilometer drauf, sieht aber optisch aus wie ein Neuwagen“, erklärt Pöschel zu einem Kundenfahrzeug. „Die hätten das Auto nicht so lang behalten, wenn es uns nicht gäbe.“

Das klassische Tuning mit breiten Schlappen und Riesen-Spoilern ist eher eingeschlafen. „Heute ist eher Understatement angesagt“, stellt Pöschel fest. Dass man einen Sportwagen aber schöner machen kann, hat Techspeed mit dem firmeneigenen 3,8 RS unter Beweis gestellt. Selbst entwickelte Frontschürze und Heckflügel machen den Flitzer zum echten Hingucker. Auch die Felgen strahlen im gleichen leuchtenden Blau wie die Augen von Mitarbeiter Igor Ostertag, der stolzer Besitzer des Wagens ist. „Das ist unser Werbeträger“, meint Pöschel zu dem Gefährt, das auch unter der Haube mit über 400 PS einiges aufweisen kann.

Den Kunden geht es um Details wie Änderungen am Fahrwerk, um das Kurvenverhalten zu verbessern. Bei älteren Motoren verschleißt die Verbindung zwischen Kurbel- und Nockenwelle. Das Lager der „Zwischenwelle“ ersetzt das Steinheimer Team durch eine Eigenentwicklung. Oft wird ein Auto komplett zerlegt und nach den im Baujahr geltenden technischen Bestimmungen wieder neu zusammengebaut. Marco Lausch hat die Schrauben eines Oldtimers aus den 70er Jahren vor sich liegen. „Die werden komplett aufgearbeitet. Wir versuchen, jedes Teil zu erhalten.“

Im Lager stehen noch einige automobile Träume. „Wir tragen dazu bei, dass ein hoher Prozentsatz der Porsche-Modelle noch auf den Straße unterwegs sind“, sagt Pöschel selbstbewusst. Projekte und Ideen gibt es noch viele. „Ich bin der Macher, ich muss in der Werkstatt sein!“ Sein Antrieb sei es, vieles besser zu machen als alle anderen. „Wir wollen technisch wie optisch Maßstäbe setzen.“

Dabei geht es nicht nur um schicke Interieurs und exzellente Fahrwerte, wobei sein „Technologieträger“, ein für die Rennstrecke umgebauter Carrera mit einem 440 PS starken 4,1-Liter-Saugmotor, durchaus Maßstäbe setzt. „Ich mache mir auch viele Gedanken über die Umwelt, wie man Verbrauchswerte verbessern kann.“ Ein Abschirmblech im Motor, das Techspeed selbst entwickelt hat, senkt den Ölverbrauch. „Wir nehmen uns da sehr viel Zeit und auch Geld in die Hand.“