Steinheim/Marathon „Nur wer nichts tut, macht was falsch“

Von Tanja Schaaf
15 Defibrillatoren werden an der Marathon-Strecke bereitstehen. Foto:  

Fünf Tage vor dem Start hat für die Helfer des Bottwartal-Marathons ein Erste-Hilfe-Kurs stattgefunden.

Steinheim - Die Ersthelfer sind das wichtigste Glied in der Notfallkette.“ Stefan Koch vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Großbottwar weiß genau wovon er redet, schließlich ist er mehrere Male im Jahr auf sportlichen Großevents als Helfer im Einsatz. Genau wie der Cheforganisator des Bottwartal-Marathons, Gerhard Petermann, ist er froh, dass der bislang schlimmste Unfall in zehn Jahren „nur“ der unglückliche Sturz eines jungen Läufers beim Start und ein daraus resultierender Armbruch war. Um auch am kommenden Wochenende beim Jubiläums-Marathon eine bestmögliche Notfall-Versorgung der rund 4000 teilnehmenden Athleten zu gewährleisten, hat am vergangenen Montag zum ersten Mal ein Erste-Hilfe-Kurs mit dem Schwerpunkt Herz-Lungen-Wiederbelebung für die Helfer des Marathons stattgefunden.

Dabei kommen die rund 45 Teilnehmer, für die der letzte Erste-Hilfe-Kurs teilweise bereits Jahre oder gar Jahrzehnte zurückliegt, im Steinheimer Klostersaal auch in den Genuss eines ganz besonderen Kurzvortrags aus im wahrsten Sinne des Wortes erster Hand. Denn der Bietigheimer Internist und Kardiologe Dr. Gerhard Merz ist nicht nur Marathon-Läufer und Arzt, sondern hat auch im September 2012 seinen eigenen Lauf beim Marathon in Hohenlohe unterbrochen, um das Leben eines Läufers mit Herzstillstand zu retten. Erfolgreich.

Er weiß um die Gefahr des plötzlichen Herztods beim Marathon und macht klar: „Pro 50 000 Läufern rechnet man mit einem Herztod. Typisch ist auch, dass ein Zusammenbruch oft erst im Zielbereich auftreten kann.“ Weil es auch im Notfall gilt, so wenig Zeit wie möglich zu verlieren, hält er sich beim Vortrag im Steinheimer Klostersaal nicht lange mit der Theorie auf, sondern erläutert kurz, aber eindringlich die konkreten Maßnahmen vom Bodycheck, dem Überprüfen von Bewusstsein, Kreislauf und Atmung, über das Hilferufen bis hin zur Reanimation, bevor er selbst an einer Puppe zur Tat schreitet: „Die Drucktiefe ist vier bis fünf Zentimeter, die Kompressionsrate 100 Mal pro Minute – die meisten machen das viel zu langsam. Laien brauchen auch keine Pulskontrolle zu machen, und in den ersten sechs Minuten kann auf die Beatmung verzichtet werden. Ansonsten gilt: 30 Mal pumpen, zweimal beatmen. Länger als fünf Minuten hält das keiner durch, aber Wille erzeugt Kraft und Ausdauer“, erklärt der Profi.

Oft trauten sich Anwesende nicht zu helfen, weiß der Experte und macht den interessiert zuhörenden Helfern Mut: „Die größte Gefahr ist, nicht zu helfen. Denn nur wer nichts tut, macht was falsch.“ Einer seiner Tipps lautet: „Zählen sie beim Pumpen laut mit, so hören sie das Gequatsche der Umstehenden nicht und man merkt, dass sie sich auskennen.“ Dann dürfen die Helfer an den drei Puppen selbst zur Tat schreiten und den Notfall üben. Für Mit-Organisator Roland Thaser aus Murr die erste Übung seit 16 Jahren: „Meinen letzten Erste-Hilfe-Kurs habe ich 1997 bei einer Reserveübung der Bundeswehr absolviert.“

Für Organisator Gerhard Petermann war die Durchführung des Kurses nicht nur eine moralische Absicherung, sondern auch ein inneres Bedürfnis, denn die bestmögliche Notfall-Versorgung der Athleten liegt ihm besonders am Herzen: „Habe ich alles Mögliche und Wichtige getan, dass die Veranstaltung gelingt? Diese Frage habe ich mir immer wieder gestellt. Von der Anzahl der anwesenden Helfer bin ich positiv überrascht.“