Steinheim-Kleinbottwar Ein Gewusel wie im Flohzirkus

Von
Das Training der Minis und der F-Jugend legt die Basis für den künftigen Handball-Nachwuchs in Kleinbottwar. Foto: Michael Raubold Photographie

Steinheim-Kleinbottwar - Donnerstagnachmittag kurz vor vier. Man kann nicht sagen, dass die berühmte Ruhe vor dem Sturm herrscht in der Kleinbottwarer Bottwartalhalle. Dafür ist es nämlich nicht ruhig genug. Zwar hat das Training der Handball-Minis und der F-Jugend noch nicht begonnen, dennoch vergnügen sich schon einige Kids mit diversen Bällen. Mehrere Stationen für das Training sind bereits aufgebaut.

„Dafür brauchen wir immer etwa 15 Minuten“, erklärt Anja Günther, eine der Betreuerinnen an diesem Tag. Sechs bis acht von ihnen sind im Idealfall in der Halle, die Leitung hat Manuela Leyrer. Seit 2003 ist sie als Handballtrainerin aktiv, „die Minis hier in Kleinbottwar betreue ich seit sieben oder acht Jahren. Und aktuell trainiere ich zusammen mit meinem Mann auch noch die weibliche A-Jugend der HABO JSG“, erklärt sie. Zur Jugendspielgemeinschaft der HABO gehören die Kids hier in der Halle noch nicht. „Bis zur E-Jugend läuft es in den Stammvereinen“, sagt Anja Günther. In diesem Fall sind das der GSV Kleinbottwar und der TSG Steinheim. Erst später werde das Ganze dann auch mit den beiden weiteren HABO-Vereinen – dem TV Großbottwar und dem SKV Oberstenfeld – zusammengelegt.

Ein kleiner Junge zupft derweil an Anja Günthers Shirt: „Schau mal, ich habe neue Schuhe“, berichtet er stolz. „Prima, dann kannst Du jetzt ja so richtig Gas geben“, antwortet die Betreuerin. Gesagt, getan: Der Kleine rennt davon und es ist nicht zu übersehen, dass seine Mutter (oder war es der Vater?) das neue Paar im Wissen um ständig wachsende Kinderfüße ein wenig größer gekauft hat. Denn so ganz rund läuft er noch nicht damit.

Nahezu pünktlich ertönt ein Pfiff durch die Halle. Rund 35 Kinder im Alter von vier bis sieben Jahren sind mittlerweile versammelt. „Heute sind es recht viele, weil wir einige Neue dabei haben und die Älteren, die ab nächster Woche zur E-Jugend kommen, sind nochmal da“, erklärt Anja Günther. Die Kids versammeln sich in zwei Gruppen: die Minis bei Anja Günther, die Größeren von der F-Jugend bei Manuela Leyrer. Während die Anwesenheitslisten abgehakt werden, stehen (fast) alle ein letztes Mal still. Es folgen zwei Spiele zum Aufwärmen: Die Kleinen stecken sich Bänder am Rücken in den Hosenbund, die sie sich dann gegenseitig abjagen müssen. Die Großen spielen Parteiball mit verschiedenen Bällen und Gegenständen.

Einem der Mini-Neulinge ist das Geschehen zu Beginn noch nicht ganz geheuer, ein wenig schimmern schon Tränen in den Augen. Doch ein anderer Junge nimmt ihn an die Hand, erklärt ihm alles nochmal, und kurz darauf jagt er wie alle anderen den Bändern hinterher. Nach ein paar Minuten werden dann die heutigen Stationen erklärt – und nun bricht ein Gewusel wie im Flohzirkus los. Laufen, hüpfen, werfen, Seil springen, andere Kinder in rollenden Kästen durch die Gegend schieben, im Slalom Bälle prellen – es ist quasi alles dabei, was für eine spätere Handballkarriere benötigt wird. Und vor allem macht es Spaß.

„Die machen das echt toll hier“, lobt eine Mutter, die mit einigen anderen Eltern auf der Tribüne sitzt und dem Treiben zuschaut. Ihre Tochter gehört bereits zu den Größeren. „Am Sonntag hatten sie einen Spieltag, das war wirklich schön. Die Kinder hatten viel Spaß und sind abends ganz schnell eingeschlafen“, berichtet sie lachend. „Ab und zu dürfen die Kleinen auch mal bei einem Bundesligaspiel in Bietigheim oder Stuttgart als Einlaufkids aufs große Feld“, berichtet Manuela Leyrer von weiteren Highlights. Ein Problem sei allerdings die Rekrutierung von neuen Betreuern: „Aus schulischen oder beruflichen Gründen hören immer wieder welche auf. Zwei von denen, die heute da sind, werden wohl nach den Sommerferien weg sein. Die Suche läuft ständig“, sagt sie und gibt wenig später auch schon das Signal zum Abbauen. Es ist kurz nach fünf, alle helfen mit, dann ist für die Minis Schluss.

Die F-Jugend darf noch das machen, worauf die Kids natürlich am meisten brennen: Handball spielen, so richtig mit Toren und Schusskreis. Zunächst sind die Mädchen an der Reihe, dann die Jungen – letztere mit sichtbar mehr Ehrgeiz. Da wird dann auch mal vehement bei der Schiedsrichterin reklamiert: „Der stand beim Wurf im Kreis“, ruft der Torhüter und fuchtelt mit einem Arm in der Luft. Anschließend demonstriert er eindrucksvoll, wo genau der Werfer gestanden hat – und bekommt zu seiner großen Beruhigung Zustimmung: kein Tor, es kann weiter gehen! Um 17.30 Uhr ist dann aber endgültig Feierabend – bis nächsten Donnerstag.

Fotostrecke
Artikel bewerten
0
loading