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Die Wein- und Kulturtage sind Geschichte. Foto: Werner Kuhnle

Steinheim-Kleinbottwar - Das war es also. Immer mal wieder angedeutet haben die fünf Weinmacher – allen voran Felix Graf Adelmann – jetzt also ernst gemacht. Im Park von Burg Schaubeck werden keine Wein- und Kulturtage mehr stattfinden. Die 14. waren die letzten. Die Nachricht, wenngleich sie für mich nicht völlig überraschend kam, macht mich betroffen. Denn immer wieder hat mich die ganz besondere Atmosphäre dieses Festes in den Bann gezogen. Der Park, die Burg, die Musik, die Kunst und natürlich der Wein. Nirgendwo sonst finden sich Komponenten, die zusammen eine solch einzigartige Symbiose bilden. Der Begriff Genussfestival wird zuhauf verwendet. Wirklich zutreffend ist er meiner Meinung nach aber nur für die Wein- und Kulturtage.

Nun bin ich keine ausgeprägte Festlesgängerin. Unsere ganze Familie ist es nicht. Auf mich trifft zu, was Felix Graf Adelmann bei der Spurensuche nach Gründen für den starken Besucherrückgang als einen Baustein aufgeführt hat: Die ganze Woche jagt ein Termin den anderen, da bin ich froh, in der Freizeit einmal alle Fünfe grade sein zu lassen und Zeit daheim mit der Familie zu verbringen. Die Wein- und Kulturtage ließ ich mir jedoch kein einziges Mal entgehen, seit ich vor 23 Jahren meinen Dienst in den Redaktionsstuben der MZ angetreten habe. Egal in welcher Konstellation, ob mit der Familie, Freunden oder traditionell am Montag mit den Kolleginnen – das Fest zog mich in seinen Bann.

Insofern schmerzt die Vorstellung, dass es das jetzt wirklich gewesen ist. Doch der Hang zur Nostalgie und die emotionale Rückschau darf den Verstand nicht aussetzen lassen und den Blick auf die Realität versperren: Die Weinmacher, die uns alle zwei Jahre mit den Wein- und Kulturtagen beschenkt haben, sind in erster Linie Unternehmer und als diese tragen sie Verantwortung. Das Fest muss sich rechnen. Dabei geht es nicht einmal um einen satten Gewinn, sondern darum, dass am Ende nicht auch noch draufgezahlt werden muss. In diesem Jahr müssen sie tief in die Tasche greifen. Die Besucherzahl hat bei weitem nicht gereicht, um die Kosten zu decken.

Jetzt gibt es wie immer Menschen, die meinen zu wissen, wie das Fest kostengünstiger auf die Beine gestellt werden und damit ein Aus womöglich vermieden hätte werden können. Ich persönlich halte eine solche Kritik – ohne die genauen Zahlen zu kennen – für gewagt. Und ganz nebenbei bemerkt: Die Wein- und Kulturtage haben sich gerade auch deshalb von der Masse an Festen abgehoben, weil sie eben nicht die Künstler auf die Bühne bringen, die in jeder Kommune talauf, talab mindestens einmal im Jahr zu sehen und zu hören sind.

Die Wein- und Kulturtage sind Geschichte. Eine schöne Geschichte und eine einzigartige Werbung für das Bottwartal. Statt den Akteuren gegenüber jetzt in Besserwissermanier zu verfallen, bedanke ich mich an dieser Stelle für 14 wunderbare Wochenenden. Und hoffe, dass die Fünf irgendwann einmal mit einer neuen, anderen Veranstaltung unsere Sinne ansprechen werden.