Steinheim Eine Stadt startet in den Frühling

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Foto: Michael Raubold Photographie

Die Mitarbeiter des Bauhofes sind unermüdlich im Einsatz, um Beete und Co. auf Vordermann zu bringen.

Steinheim - Sie gehören fest zum Stadtbild dazu – die orangefarbenen Kehrmaschinen, Autos und Lastfahrzeuge, welche die Bauhof-Mitarbeiter Tag um Tag durch die Kommunen steuern. So auch an diesem Montag: Die Stadtgärtner Harald Bayer und Ulrike Schwerdtle haben ihren Piaggio mit kleinen Setzlingen und Werkzeugen beladen, um Steinheim wieder ein bisschen schöner zu machen. „Wir fangen morgens gegen 7 Uhr an“, erklärt Bayer: „Dann wird zuerst die Einteilung der Leute gemacht, bevor wir Sachen packen und losfahren.“

Die erste Station an diesem Tag ist die Johann-Sebastian-Bach-Straße, wo Bayer und Schwerdtle kürzlich einen jungen Ahorn gepflanzt haben. Der soll Verstärkung durch Forsythien und Flieder bekommen. Mit erfahrenem Blick suchen die beiden die idealen Standplätze aus. „Die Äste sollen nicht ins Sichtfeld der Autofahrer wachsen“, weiß Ulrike Schwerdtle: „Und hier steht ein Stromkasten im Beet. Der Zugang muss weiterhin möglich sein.“ Außerdem darf die Flora nicht zu tief wurzeln, da auch Stromkabel verlaufen. Und optisch soll es ja auch was hermachen . . . Ist die Stelle erstmal gefunden, geht es dann ganz schnell: Zack, schon ist der „Spatenstich“ geschafft! Angegossen werden müssen die Pflänzchen diesmal nicht, so Harald Bayer: „Es hat ja die letzten Tage geregnet.“

Der Montag zeigt sich aber von seiner trockenen Seite – sogar die Sonne scheint ab und zu vom Himmel. Allerdings: Für den Bauhof gibt es eh kein schlechtes Wetter. „Wir müssen bei Wind und Regen raus“, meint Schwerdtle: „Es gibt nur schlechte Kleidung.“ Und generell ist den Gärtnern auch etwas Regen lieber als Hitze, wie im Sommer 2018. Damals waren Überstunden an der Tagesordnung, nur um die Pflanzen am Leben zu halten, erinnern sich beide auf dem Weg zur nächsten Station zurück: „Das war heftig. Die Kollegen sind jeden Morgen und Abend raus, um die Bäume zu wässern.“ Dafür dienen gelbe Drainage-Rohre, die vielerorts am Fuß der Bäume zu entdecken sind. Auch die Esskastanie am Kinderhaus Lehenstraße ist schon mit einem solchen Zugang ausgestattet. Der Baum ist eine Spende der Gemeinderatsfraktion der Freien Wähler gewesen. Mit Hilfe einer Bambusschilfmatte, Draht und Zange bastelt Harald Bayer flink einen Verdunstungsschutz für den Stamm, ehe es auch schon wieder weiter geht. Nächster Halt: Schulstraße!

Die Beete dort sind in gewisser Weise ein Sorgenkind, erklärt Bayer: „Es wird oft Müll hinein geworfen.“ Dank der Putzete am Wochenende zeigt sich das Beet aber sauber, in der Vergangenheit haben die Gärtner dort schon von Verpackungen bis hin zu Essensresten alles Mögliche gefunden: „Das muss wirklich nicht sein.“

Da das Säubern heute wegfällt, greifen Schwerdtle und Bayer direkt zu Harke und Schere, um abgestorbene Pflanzenreste vom Winter zu entfernen und den Boden zu lockern. Beobachtet werden sie dabei von den benachbarten Kita-Kindern, die aus dem Fenster winken. Angepflanzt werden muss hier nichts – die ausgesäte Blumenmischung hält drei Jahre vor. „Und wenn sich mal eine Lücke auftut, säen wir punktuell nach“, so Schwerdtle. Der Bauhof verwendete nämlich verschiedene Samenmixturen für unterschiedliche Zwecke. 2019 wird erstmals auch eine Mischung speziell für Verkehrsinseln getestet, die nur noch einmal in der Saison abgemäht werden muss. Die Bepflanzung von Grünflächen ist ständig im Wandel. Aktuell wird der Fokus auf den Insektenschutz gelegt, weiß Harald Bayer: „Es soll vom Frühjahr bis in den Herbst genug Blüten geben.“ Die Auswahl der Flora erfolgt dabei durch den Ökologen der Stadt Eric Hirsch.

Anlass zum Schmunzeln gibt es dann eine Station weiter. Auch das Beet am Kindergarten in der Steinstraße soll mehr Grün erhalten. Doch was ist das? Durch das Beet zieht sich eine tiefe Reifenspur. „Das passiert manchmal, wenn die Leute zu dicht dran parken“, weiß Ulrike Schwerdtle aus ihrer langjährigen Arbeitserfahrung. Zum Glück war der neue Bodendecker da noch nicht angepflanzt.

Kurzerhand schnappt sich Schwerdtle eine Harke vom Piaggio und sorgt wieder für eine ebene Bodenschicht. Parallel dazu beginnt Harald Bayer mit dem Rückschnitt des Baumes. Das ist wichtig, damit tief wachsende Sprößlinge später Fußgänger oder Autofahrer nicht behindern. Zum Schluss kommt dann auch noch einmal eine Art Säge am Stiel zum Einsatz – ein Ast in der Krone des Baumes ist gebrochen. Vielleicht durch Sturm Eberhard? Nach Unwettern haben die 17 Bauhofler immer gut zu tun. „Wir fahren dann am Morgen durch die Stadt, um kritische Punkte zu kontrollieren“, erklärt Schwerdtle. Schäden an Feldwegen werden meist im Laufe der folgenden Tage durch Landwirte oder Spaziergänger gemeldet: „Während ‚Eberhard’ sind ein paar Bäume umgefallen, aber es war jetzt nichts Dramatisches.“

Aber auch ohne Sturm gibt es für den Bauhof immer genug zu tun, wissen beide. Zwar sind sie meistens für die Pflege der Kleinbeete und Kopfweiden zuständig, wenn Not am Mann ist, hilft man sich aber auch über die Aufgabenfelder hinweg gegenseitig aus. „Und im Winter sind wir dann im Winterdienst unterwegs, da haben die Pflanzen erstmal Pause“, so Harald Bayer. Auch bei Veranstaltungen und Festen sind die Leute vom Bauhof gefragt, etwa für Fahrten, Aufbauten oder Aufräumarbeiten: „Es wird auf jeden Fall nicht langweilig.“