Steinheim Eine Oper, in der allein Frauen das Sagen haben

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Im stilechten Gewand sind die Gesangsschülerinnen aufgetreten. Foto: avanti

Das Klostermuseum ist wie geschaffen für die Aufführung von Mercedes Zeller-Montero und ihren Eleven.

Steinheim - War das eine Täuschung der Sinne, Traum oder Wirklichkeit, war die Zeit zurückgedreht? Der Anblick war überwältigend, die Stimmung unheimlich, als nach den dumpfen Glockenschlägen, die Johann Anton German vom Elektroklavier in den hohen Raum schickte, Gestalten mit schwarzen Kutten und weißen Hauben hereinschritten. Sie hielten Kerzen in den Händen und sangen mit feinen Stimmen ein geistliches Lied.

So begann die Aufführung der Oper Suor Angelica von Giacomo Puccini. Es geht dabei um das Leben in einem Frauenkloster und das Schicksal von Schwester Angelica. Zum Bühnenbild gehört ein originales Fensterfragment des Museums. Das war nämlich einst selbst die Kirche eines Nonnenklosters. Der Verdacht liegt nahe, dass Mercedes Zeller-Montero gerade dieses passenden Ortes wegen die Oper gewählt hat für das Konzert ihrer Schülerinnen.

Die in Steinheim lebende Opernsängerin und Musiklehrerin schüttelt aber lachend den Kopf. „Suor Angelica“ sei deshalb ihr lang gehegter Wunsch gewesen, weil es die einzige Oper sei, in der nur Frauen singen. Und ihre Eleven sind nun mal hauptsächlich weiblich.

Die Titelrolle übernahm die Lehrerin persönlich. Herzzerreißend war ihr fast schneidend klarer Gesang, als sie den Tod ihres Sohnes, dann ihre Sünde der Selbstvergiftung beklagt. Weil sie das geliebte Kind unehelich gebar, war sie ins Kloster verbannt. Neun weitere Nonnen spielten den Alltag im Konvent mit seinen Bestrafungen, der fröhlichen Arbeit, dem Gebet, dem verbotenen Geplapper stimmungsreich nach: Andrea Eichhorn, Rita Hoch, Christiane Goerlich, Diana Nikolaus, Susanne Lutz, Ulrike Friedrich, Sophie Laibacher, Sabrina Hartmann und Ulrike Friedrich.

Als Angelicas fürstliche Tante steckte Silvia Zimmermann als Einzige in weltlicher Kleidung. Die Ordenstrachten der Übrigen stammten vom Staatstheater Stuttgart. Auf eine Wandecke wurde die deutsche Übersetzung des italienischen Textes gebeamt (Rita Hoch, Isabella Schuler). Zur imposanten Aufführung trug Erne Schäfers Bühnenbild mit Angelicas Kräutergärtlein und dem gemalten Brunnen bei. Wunderbar fügte er sich neben den alten Fensterbogen. Dass Hans Dietl (Technik) das Bild zwischendurch auf die Rückseite mit der Zimmeransicht drehte, störte nicht, zumal er stilecht als Prior verkleidet war. Johann Anton German bewältigte nicht nur alleine den teilweise überraschend melodiösen Instrumentalteil am Klavier. Er dirigierte gleichzeitig souverän das einstündige Geschehen.