Steinheim Da wird Steppi fast zum Tier erweckt

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Bürgermeister Thomas Winterhalter ist fest im Griff der Klosterhexen. Foto: Frank Wittmer

Steinheim - Wahrlich verwöhnt vom Wetter wurden die Narren beim gestrigen Rathaussturm nicht. Mit Regenschirmen und heißen Rhythmen trotzten Hexen und Bebbelesdrescher dem Schmuddelwetter. Der Umzug zur Fasnets-eröffnung war mit 17 Gruppen wieder sehenswert, sodass der Marktplatz trotz der vergleichsweise wenigen Zuschauer dennoch gut gefüllt war. Zum Nass von oben kam aber noch der Bonbonregen.

Die Guggenmusik der Querköpf aus Winnenden sorgte für die passenden musikalischen Einheizer, Dany Arnold vom 1.  Fasnetsverein Steinheim begrüßte alle Gruppen mit einem freudigen Helau. Die Bottwartäler Schlehbeucher waren mit dabei, ebenso der Murr’mer Narr samt Elferrat, die Saubachhexen aus Bissingen, der Cannstatter Quellenclub, die Ittlinger Käfer und noch viele mehr.

Die Fasnet wird ja erst am Dreikönigstag eröffnet, dafür mit umso mehr Radau. „Wir holen uns jetzt den Rathausschlüssel zurück“, skandierte Arnold, der den Bürgermeister gleich wieder in Urlaub schicken wollte. „Sie geben jetzt den Schlüssel her, wir bezahlen den Urlaub am Meer.“ Thomas Winterhalter wollte seine gute Stube aber nicht einfach aufgeben. „Könnt’ ihr es nicht einfach lassen, und packt jetzt lieber eure Sachen.“

Wenn die Narren nicht freiwillig abzögen, drohte der Schultes gar den Urwelt-Steppenelefant Steppi wieder zum Leben zu erwecken. „Der wird zum Tier!“ Doch die Narren und Hexen ließen sich nicht einschüchtern und zählten dem Bürgermeister stattdessen seine Untaten auf.

„Schnell weg mit diesem Dreck!“, meinte sie beispielsweise zur Blankensteinhalle, für die immer noch kein Neubau in Sicht sei. Der Fasnetsverein lud vorsorglich schon mal zu dem Spatenstich für das „Zehn-Millionen-Projekt“ ein.

„Jetzt ist Schluss mit dem Gemotze! Hockt euch doch endlich vor die Glotze! Ich lass euch jetzt hier steh’n. Tschüss – Aus – Auf Wiedersehen“, versuchte es Winterhalter noch, hatte aber kein Glück. Die Gloschd’r Hexa stürmten das Rathaus und führten den entthronten Schultes samt Schlüssel zum Füßewaschen.

Schuhe und die auffallend bunten Socken raus, und rein ins angenehm kühle Nass. Dann mit viel Schaum die Zehen schrubben, „damit der Bürgermeister sauberen Fußes zur Fasnet gehen kann“, wie Arnold betonte.

Die Machtergreifung nutzten die Hexen gleich noch aus, um ihren Nachwuchs zu prüfen und in die Fasnetszunft aufzunehmen. Die Prüfungen hatten es dieses Jahr wieder wirklich in sich. Da mussten im Publikum zehn sangesfreudige Narren gecastet werden, die dann zusammen auf der Bühne den neuesten Faschingsschlager schmetterten. Oder es musste der Narrenkranz mit „leckerer Schokoladencreme“ von der runden in eine zwei Meter lange Form zurechtgeschnitten werden. Dabei nicht von den Zibeben zu naschen war vielleicht die schwerste Aufgabe. Sehr zur Freude der Zuschauer meisterten die neuen Hexen ihre Aufgaben und bekamen zur Belohnung ihre „Larve“, die Hexen-Maske, feierlich überreicht.

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