Steinheim 2020 darf auch in Steinheim gepflückt werden

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Auf diesem Areal soll der Kräutergarten entstehen. Die Kräuter sollen dann auch geerntet werden dürfen. Foto: Werner Kuhnle

Steinheim - Marbach und Erdmannhausen setzen die „Pflück mich-Aktion“ schon um. Im Juli ist die Schillerstadt gestartet, im August hat die Nachbarkommune nachgezogen. Und nach der Gemeinderatssitzung in Steinheim am Dienstagabend steht fest: Auch in der Urmenschstadt darf bei der nächsten Ernte Obst von ausgewiesenen Bäumen von Passanten gepflückt werden. Die Grünen hatten einen entsprechenden Antrag eingebracht und von den anderen Fraktionen sowie von der Verwaltung grünes Licht bekommen. Die Aktion sei ein kleiner Beitrag für mehr Achtsamkeit im Umgang mit Lebensmittel, begründete Nadja Dias den Antrag ihrer Fraktion. „Es wird viel zu viel weggeworfen.“ Außerdem würden jedes Jahr viel zu viele Früchte auf den Streuobstwiesen herunterfallen und verfaulen. In Marbach hat die Nachhaltigkeitsgruppe die Aktion ins Leben gerufen und zusammen mit der Stadt Marbach ins Laufen gebracht. Mehr als 30 Grundstücke habe die Kommune identifiziert und zusammen mit den Pächtern mit einer Banderole versehen, berichtete Dias über Gespräche mit den Marbacher Initiatoren. Die Banderolen seien im dortigen Stadtinfoladen erhältlich. In Erdmannhausen gebe es sie im Rathaus. „Für Steinheim könnten wir uns eine Kooperation mit dem Bürgernetzwerk, dem Obst- und Gartenbauverein oder dem Landwirtschaftlichen Ortsverein vorstellen“, so Dias.

Michael Bokelmann von den Freien Wählern signalisierte für seine Fraktion ein mehrheitliches Ja. Allerdings müsse darauf geachtet werden, dass die Eigentumsrechte der Baumbesitzer gewahrt blieben. Was Bürgermeister Thomas Winterhalter zusagte. Jeder Stücklesbesitzer könne selbst entscheiden, ob er seinen Baum für Mundraub zur Verfügung stelle. „Auch wir als Stadt wollen unseren Pächtern nichts wegnehmen“, stellte er klar.

Uwe Löder von der CDU lenkte den Fokus weg vom Pflücken des Obstes hin zur Pflege der Streuobstwiesen. Aus eigener Erfahrung wisse er, wie viel Arbeit dies mache. Sein Wunsch: Die Leute sollen wieder Spaß am Pflegen der hiesigen Naturlandschaft bekommen. „Dafür könnte die Stadt im Rahmen dieser Aktion dann auch Werbung machen“, so Löders Bitte. Eine Bitte, die auch Michael Bokelmann, formulierte. „Es geht auch ums Pflegen, nicht nur ums Ernten.“ Was die mögliche Kooperation mit dem Bürgernetzwerk angeht, dem er angehört, zeigte er sich gesprächsoffen und verwies auf ein Projekt, das das Bürgernetzwerk im kommenden Frühjahr umsetzen möchte. Auf einem etwa 20 auf 20 Meter großen Grundstück an der Zufahrt Friedrichstraße zur Post wollen die Ehrenamtlichen einen Kräutergarten anlegen. „Wir wollen damit zum einen bewusst machen, welche Kräuter es gibt, für was sie gut sind – also informieren. Aber wir wollen auch, dass die Kräuter geerntet werden dürfen“, erklärt Bokelmann im Gespräch mit unserer Zeitung.