Steinbruch-Erweiterung Rielingshäuser wollen keine Zwerge sein

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Eine Armee aus 120 Tannenzapfen-Zwergen hat am Abend vor dem Alten Rathaus gegen die geplante Steinbruch-Erweiterung in Rielingshausen demonstriert. Foto: privat

Die Entscheidung über die Erweiterung des Klöpfer-Steinbruchs fällt in Stuttgart. Doch im Marbacher Teilort wird weiter diskutiert – die SPD pflegt den Dialog mit den Bürgern.

Marbach-Rielingshausen - Eine kleine Armee von 120 Zwergen aus Tannenzapfen demonstrierte am Donnerstagabend vor dem Alten Rathaus in Rielingshausen – aufgestellt von der örtlichen SPD. Anlass war die Podiumsdiskussion der Sozialdemokraten zur umstrittenen Erweiterung des Klöpfer-Steinbruchs. Das Thema bewegt seit etwa vier Jahren die Bürger in dem 2800-Einwohner-Teilort von Marbach. Eine Bürgerinitiative versucht, das Projekt zu stoppen, doch das letzte Wort haben die Regionalräte des Verband Region Stuttgart (VRS).

Die aufgestellten Zwerge boten für die Diskussion einen passenden Einstieg. Der Moderator Nikolai Häußermann, einer der beiden Ortsvorsitzenden der Marbacher Sozialdemokraten, stellte die Frage, ob die Rielingshäuser sich angesichts der Entscheidungshoheit ferner Politiker wie Zwerge vorkommen müssten. Das wurde von allen Teilnehmern mehr oder weniger bestritten.

Bürger erwarten, dass ihr Nein von den Politikern gehört wird

Sowohl der Bundestagskandidat Thomas Utz als auch die Regionalrätin Regina Traub, der Bürgerinitiativen-Sprecher Stefan Heß als auch der Rielingshäuser SPD-Fraktionschef im Ortschaftsrat, Lothar Sondermeyer, sehen jetzt die beteiligten Akteure am Zug, sich mit Argumenten und Fakten einzubringen. „Ich hoffe, dass die Zwerge nur ein Bild bleiben“, sagte BI-Sprecher Heß, der daran erinnerte, dass viele Rielingshäuser erwarteten, dass ihr klares Nein mit Beschlüssen des Ortschaftsrats und des Gemeinderats von den Politikern in Stuttgart gehört wird.

Im Tauziehen um eine Entscheidung hatte das Winnender Unternehmen Klöpfer im Juli einen Etappensieg errungen, als die Regionalräte mit den Stimmen von CDU, Freie Wählern, FDP, SPD, AfD und Grüne den Einstieg in die Prüfung beschlossen – nur Linke und ÖDP stimmten dagegen. Dass dieses Verfahren aber unbedingt notwendig sei, betonte die SPD-Regionalrätin Regina Traub, „sonst hätten wir keine Ruhe in die Diskussion gebracht“. Sie selbst lehnte eine Positionierung zum jetzigen Zeitpunkt ab, da im Verfahren erst noch alle relevanten Fakten gesammelt würden.

SPD-Regionalrätin weist auf Vorrangflächen für Rohstoffe hin

Als Moderator Häußermann die frühere Steinheimer Stadträtin fragte, wie groß sie die Chancen nach dem für viel Rielingshäuser „wie ein Schock“ wirkenden Einstieg ins Verfahren beurteilte, ließ sich Traub nicht von ihrer Haltung abbringen. „Ich werde jetzt ein bisschen Öl ins Feuer gießen“, sagte sie und warb um Verständnis dafür, dass im Landesentwicklungsplan Vorrangflächen für die Rohstoffgewinnung innerhalb eines Radius von 25 bis 30  Kilometer zur Verwertung ausgewiesen werden, „damit das Material nicht durch ganz Europa gekarrt werden muss“.

Vorhandene Rohstofflager müssten laut Traub erst vollständig abgebaut werden, bevor neue erschlossen werden könnten. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, und für sie sei der aktuell vom VRS in Auftrag gegebene Umweltbericht mit den Schutzgütern wie Luftreinhaltung, Landschaftsbild und Klima zentral. „Für mich ist das Schutzgut Mensch am wichtigsten.“

Dem BI-Sprecher fehlen Daten zu den Rohstoffströmen

Eine massive Einbuße an Lebensqualität befürchtet hingegen der BI-Sprecher Stefan Heß angesichts eines neuen Steinbruch-Kraters, der bis zu 350  Meter an die Wohnbebauung heranreichen könnte. „Wir wollen uns von unseren Kindern später nicht fragen lassen, warum wir nicht mehr dagegen getan haben.“ Die BI wolle die Naherholung in dem Bereich erhalten. Zu den Stoffströmen fehlten Daten – angesichts des freien Güterverkehrs für Baustoffe sei davon auszugehen, dass das abgebaute Gestein via Zementwerk „in alle mögliche Gegenden“ transportiert werde.

Einen Rückblick auf die Erweiterungen des Steinbruchs seit 1920 bot Lothar Sondermeyer. Das Unternehmen Klöpfer habe nach einer großen Diskussion im Jahr 2002 versprochen, dass es keine neue Erweiterung mehr geben solle. Ein Gast sah sich mit dem Verfahren einem „Räderwerk, das wir nicht mehr stoppen können“ ausgesetzt.

Der Umweltbericht beleuchtet die heißen Eisen der Erweiterung

Der Steinbruch
 in Rielingshausen ist seit 1963 in Besitz der in Winnenden ansässigen Firma Klöpfer. Nach einer Erweiterung im Jahr 2002 plant das Unternehmen nun, die Fläche um 11,4  Hektar zu vergrößern und 8,1 Millionen Tonnen Gestein abzubauen.

Sprengungen
 und die Entwicklung von Staub werden kontrovers diskutiert. Klöpfer gibt an, etwa im Jahr 2019 in 92 Prozent aller Fälle unter 20 Prozent des zulässigen Grenzwerts gelegen zu haben. Um solche Themen geht es im Umweltbericht, der jetzt erstellt wird.

Der Naturschutz steht ebenfalls im Fokus des Umweltberichts. Die Firma Klöpfer verweist auf die Erfolge in der Rekultivierung alter Flächen. Der Nabu Marbach befürchtet unter anderem hydrologische Schäden am Schluchtwald im Eichtal.