Stadt Beilstein sichert sich Planungshoheit Was passiert mit dem Gelände der Spätregen-Mission?

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Das Glaubenshaus Libanon verfügt über rund 2,7 Hektar Fläche. Foto: Werner Kuhnle

Die Stadt Beilstein hat sich die Planungshoheit gesichert und zugleich ihr Kaufinteresse ausgedrückt.

Beilstein - Direkt hinter dem Stadtrand von Beilstein beginnt eine andere Welt. Seit 1957 befindet sich hier das Glaubenshaus Libanon – Hauptsitz der Deutschen Spätregen-Mission (DSM). Die hat nach einem Urteil des Sozialgerichts zur Nachzahlung von Rentenbeiträgen im Frühjahr 2020 Insolvenz angemeldet. Seitdem ist offen, wie es mit dem rund 2,7 Hektar großen Gelände sowie den rund 100 Bewohnern weitergehen soll. Seit Dienstagabend steht nun zumindest fest: Die Stadt Beilstein wird hier mitreden.

„Es geht uns um die Planungshoheit“, erklärte Bürgermeister Patrick Holl in der Gemeinderatssitzung die Hintergründe. Das Gelände umfasst gut ein Dutzend Hauptgebäude, zahlreiche Nebengebäude wie auch eine Kirche – die derzeit auch Heimat vieler Menschen sei: „Wir wollen eine sozial verträgliche Lösung finden und eine etwaige Obdachlosigkeit verhindern.“ Die Stadt sei nicht in der Lage, innerhalb kürzester Zeit für eine so große Anzahl an Menschen alternative Unterbringungen zu schaffen. Daher wurde entschieden, für das Gebiet einen neuen Bebauungsplan aufzustellen, der die Voraussetzungen für eine Wohnnutzung, Grünflächen sowie städtische Einrichtungen schaffen soll.

Zusammen mit diesem Beschluss ist auch eine Veränderungssperre verhängt worden, um den Ist-Zustand zu erhalten. „Falls die Stadt nicht selbst Eigentümerin wird, ist das ein starkes Signal“, führte Holl dazu aus. Auch das war ein Punkt, der in der Sitzung entschieden worden ist: Beilstein wird sich selbst in den Reigen der Bieter einreihen und die Möglichkeit des Vorkaufsrechts in Anspruch nehmen. Begründet wird dieses Vorgehen durch die städtebauliche Bedeutung des Areals.

Das Glaubenshaus Libanon liegt im Westen der Stadt Beilstein – und dort wird sich voraussichtlich sämtliche zukünftige Entwicklung der Kommune abspielen. Bottwartalbahn-Trasse, Gewerbegebiet, Ortsumgehungsstraße, Neubaugebiet . . . all diese Aspekte treffen dort aufeinander und verlangen eine gute Abstimmung. „Wir müssen in diesen Zusammenhängen denken und das Gebiet auch so anpacken“, machte Oliver Muth (FWV) dies deutlich: „Alles andere wäre grob fahrlässig.“

Eine Ansicht, die vom Gesamtgremium geteilt wurde. „Das Areal ist ein Filetstück von Beilstein“, so Bernd Kircher (SPD). Nicht nur durch die Bedeutung in Sachen Stadtplanung, sondern auch durch die Landschaft und die reizvolle Aussicht. Dietmar Rupp (FWV) sah das Gebiet als „wesentliche Geschichte“ für Beilstein: „Wir müssen da an den Ball kommen und das Spiel mitgestalten.“ In welcher Form das gelingt, wird sich allerdings erst in den nächsten Monaten zeigen. Denn derzeit steht noch nicht fest, welche Summen für den Verkauf abgerufen werden sollen. Der Insolvenzverwalter habe schließlich auch Verantwortung gegenüber den Gläubigern, merkte Oliver Kämpf (Bürgerliste) an: „Aber selbst wenn wir dann beim Kauf finanziell gesehen eine schlechte Position hätten, wäre unser Einfluss noch hoch.“

Dies sei auch der Gedankengang der Verwaltung hinter Bebauungsplan wie Veränderungssperre gewesen, so Holl: „Wir gehen derzeit zwei Wege parallel.“ Die Verwaltung werde in jedem Fall jetzt ihr Interesse an einem Kauf des Gebiets bekunden. Es werde sich dann zeigen, ob beide Wege der Stadt weiter führen oder nur noch einer – der der Planungshoheit – fortgesetzt werden kann, erklärte Holl: „Dafür müssen wir aber erst die konkreten Zahlen abwarten.“