SGV Freiberg Happy End nach einer wilden Partie

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Dominik Salz (rechts) hat gegen Ravensburg drei Tore erzielt. Foto: avanti

In der Fußball-Oberliga gewinnt der SGV Freiberg trotz 50 Minuten in Unterzahl mit 4:1 (1:1) gegen den FV Ravensburg.

Freiberg - Der Samstagnachmittag hatte für die Oberliga-Fußballer des SGV Freiberg einiges zu bieten. Zunächst standen sie kurz vor Anpfiff der Partie gegen den FV Ravensburg buchstäblich im strömenden Regen, weil die Gäste wie auch das Schiedsrichtergespann erst zwei Minuten später aus der Kabine kamen. Am Ende jedoch lachte die Sonne wohl vorrangig den Freibergern vom nun wieder strahlend blauen Himmel – obwohl es danach lange Zeit nicht unbedingt ausgesehen hatte.

Denn es waren noch nicht einmal sieben Minuten gespielt, als die zuletzt bärenstarken Ravensburger auch ohne ihren Torjäger Daniel Schachtschneider in Führung gingen. Bei einem zunächst eher harmlos wirkenden Angriff der Gäste bekamen die Freiberger keinen Zugriff, Paul Strauß erzielte schließlich mit einem platzierten Schuss aus etwa 18 Metern das 0:1. „Da bekommen wir schon wieder so ein Brett, dass aus irgendeiner Situation mit so einem Distanzschuss das Gegentor fressen – und trotzdem kommen wir gut ins Spiel und haben wieder unsere Chancen“, kommentierte SGV-Trainer Evangelos Sbonias die Situation. So verzog Lukas Hoffmann einen Distanzschuss quasi vom Anstoß weg nur knapp, Christian Mauersberger scheiterte in der elften Minute an FVR-Keeper Kevin Kraus und Marcel Sökler verfehlte das Ravensburger Gehäuse aus zwölf Metern hauchdünn (25.). Doch kurz darauf war es doch so weit: Dominik Salz wurde mit einem Traumpass von Marco Grüttner in Richtung Strafraum geschickt, umkurvte Kevin Kraus und erzielte das mittlerweile hochverdiente 1:1.

Freiberg bekommt fünfmal gelb und einmal gelb-rot in einer Hälfte.

Bereits zuvor hatte allerdings das begonnen, was Evangelos Sbonias später als „das nächste Brett“ bezeichnete: Schiedsrichter Marcel Lalka zeigte Marco Grüttner gelb für ein Foul, das nahezu eine exakte Kopie eines Fouls auf der anderen Seite nur zwei Minuten zuvor war, für das er aber keine Karte zog. In dem folgenden kleinen Tumult sahen Volkan Celiktas und ein Ravensburger dann ebenfalls gelb. Und nachdem Dominik Salz, Lukas Hoffmann sowie zwei weitere Ravensburger auch noch verwarnt wurden, waren nach 36 Minuten bereits sieben Spieler vorbelastet. Zu diesem Zeitpunkt war eigentlich klar, dass die Partie nicht ohne Platzverweis zu Ende gehen würde. Und so kam es dann auch in der 39. Minute: Volkan Celiktas und sein Gegner gingen beide energisch zum Ball, Celiktas traf das Spielgerät, der Gegner seinen Fuß und blieb verletzt liegen – die gelb-rote Karte war zumindest diskussionswürdig. „Es war kein wildes Spiel. Und dann gehen wir mit fünfmal gelb und einmal gelb-rot sowie Ravensburg mit dreimal gelb in die Kabine – das kann es nicht sein“, ärgerte sich Sbonias.

„Wir sind alle nur Menschen. Immerhin hat der Schiedsrichter nach der Pause gezeigt, dass er es besser kann“, fand Dominik Salz später. Das lag vielleicht auch daran, dass der Unparteiische in der Kabine offenbar Besuch vom Schiedsrichterbeobachter bekommen hatte. Jedenfalls kam er den Rest des Spiels mit nur noch zweimal gelb aus. Dafür gab es nun mehr Tore als Karten – was auch ein Verdienst von Salz war. Keine fünf Minuten waren nach Wiederbeginn gespielt, als die Freiberger blitzschnell umschalteten, Marcel Sökler bis zur Grundlinie durchging, den Ball auf Salz querlegte und der für das 2:1 sorgte. „Die Mannschaft hat in der Kabine gesagt: ,Hey, so nicht!’ Und dann haben die Jungs wirklich alles reingeworfen und eine Energieleistung gezeigt“, lobte Evangelos Sbonias sein Team.

SGV kontert den Gegner im eigenen Stadion aus.

Die Ravensburger hatten in der Folge zwei große Chancen auf den Ausgleich. Doch einmal rettete der Außenposten für den SGV (51.), dann ging der Ball knapp daneben (53.). Ansonsten kam von den Gästen kaum noch etwas, während die Freiberger den Gegner im eigenen Stadion auskonterten. Das 3:1 durch Marco Grüttner per Nachschuss war die Vorentscheidung (62.), spätestens mit dem 4:1 erneut durch Salz nach Kopfballvorlage von Jonathan Zinram (78.) war die Partie gelaufen. Daran änderte auch das 4:2 in der 84. Minute nichts mehr. Dominik Salz ist nun mit insgesamt sechs Treffern schon Zweiter der Torschützenliste. Auf den Titel will er aber noch nicht schielen. „Das wäre nach fünf Spielen wohl etwas früh.“ Und sein Trainer meinte anschließend im Scherz, dass man sich „vielleicht überlegen müsste, ob wir künftig in der eigenen Hälfte verteidigen und auf Konter lauern“. Er wusste aber auch: „Das Ganze hätte heute genauso gut nach hinten losgehen können.“

SGV Freiberg: Rauhut – Klauß (61. Rinaldi), Zant, Hoffman, Thermann – Mauersberger (75. Zinram), Celiktas, Müller – Sökler, Grüttner (69. Ikpide), Salz (82. Berisha).

Warten auf das erste Zu-Null-Spiel

Freiberg - Nur sechs Gegentore hatte der SGV Freiberg in der vergangenen Abbruch-Saison in 13 Spielen kassiert. Jetzt sind es nach fünf Spielen bereits sieben. Und in keinem Pflichtspiel, nicht einmal im wfv-Pokal, blieb der neue Schlussmann Kevin Rauhut ohne Gegentor. „Das nervt schon. Nicht nur mich, sondern die ganze Mannschaft mittlerweile, weil wir ja jedes Spiel alles dafür tun, das Ding hinten zu verteidigen“, sagt der 31-Jährige, der vor der Saison von Fortuna Köln kam.

Nun gibt es an Rauhuts Qualitäten keine Zweifel, die Gegentore gehen beileibe nicht auf seine Kappe. Doch er ist es eben, der die Bälle jedes Mal aus dem Netz holt. An der Abstimmung in der Defensive liege es aber nicht. „Wir spielen ja alle schon eine Weile Fußball.“ Und grundsätzlich sei es auch egal, wie viele Gegentore er kassiere, „solange die Jungs vorne mindestens eins mehr schießen. Na klar macht es mich glücklich und die Abwehr, wenn wir zu null spielen. Aber mehr Punkte gibt es ja am Ende auch nicht.“ Dennoch wäre ihm ein Zu-Null-Sieg am Mittwoch in Villingen sicher ganz recht.