SG Sonnenhof Großaspach „Man bricht innerlich ein bisschen zusammen“

Von Lars Laucke
Joannis Koukoutrigas will mit der SG Sonnenhof Großaspach mittelfristig wieder zurück in die 3. Liga. Foto: Archiv (Baumann/Britsch)

Die Gründe für den Abstieg der SG Sonnenhof Großaspach sind aus Sicht von Sportdirektor Joannis Koukoutrigas vielfältig.

Großaspach - Erstmals in der Vereinsgeschichte steigt die SG Sonnenhof Großaspach ab. Sportdirektor Joannis Koukoutrigas äußert sich zu den Gründen und zur Zukunft des künftigen Fußball-Regionalligisten.

Der Abstieg aus der 3. Liga steht nun ein paar Tage fest und er hatte sich ja auch in den Wochen zuvor abgezeichnet. Haben Sie das schon verdaut?

Wir hatten natürlich Zeit, uns mit dem Gedanken zu befassen, hatten bis zum Schluss aber auch immer noch die Hoffnung, das große Wunder doch noch zu schaffen und haben auch immer daran geglaubt. Aber wenn es dann wirklich Realität ist und der Klassenerhalt auch rein rechnerisch nicht mehr möglich ist, dann bricht man da zunächst schon innerlich ein bisschen zusammen. Ich bin jetzt 13 Jahre bei der SG, da fällt es nach sechs Jahren 3. Liga, in denen wir wirklich gute Leistungen gebracht haben, schon schwer, nun die Liga verlassen zu müssen.

Es gibt für einen Abstieg ja nie nur einen Grund. Was waren aus Ihrer Sicht die Hauptgründe?

Es ist richtig, da spielen viele Dinge eine Rolle. Für mich war es vor allem, dass wir es in den zwei vergangenen Runden nicht geschafft haben, auf dem wichtigsten Sektor, der Cheftrainerposition und im Trainerstab, Kontinuität reinzubringen. Der Kader war meines Erachtens immer gut und breit genug aufgestellt. Wir haben uns da ein bisschen verleiten lassen, zu sehr nur nach den Ergebnissen zu schauen. Wir haben in dieser Saison so gut wie immer gegen den Abstieg gespielt, und dementsprechend war es Woche für Woche auch sehr emotional. Nach Siegen war die Freude groß, dann gab es wieder Niederlagen und man hat sich Gedanken gemacht. Das hat Kraft gekostet. Und vor allem in dieser Saison haben wir es durch die vielen Trainerwechsel nicht geschafft, Ruhe reinzubringen und nicht nur nach Resultaten zu schauen, sondern auf das Tagesgeschäft, wie da mit der Mannschaft gearbeitet wurde.

Das klingt ein wenig danach, als würde man die Entlassung von Oliver Zapel kurz vor Weihnachten bedauern.

Ich gehe mal noch weiter zurück und erinnere an Florian Schnorrenberg: Da haben wir vor den letzten beiden Spielen mit Markus Lang quasi zur letzten Patrone gegriffen und Florian Schnorrenberg entlassen. Das war ein großes Risiko, wir haben es aber dank der tollen Arbeit von Markus Lang Gott sei Dank damals noch geschafft. Ich behaupte aber heute, dass wir es auch mit Florian Schnorrenberg geschafft hätten. Da hat das schon angefangen. Dann kam Oliver Zapel, wir kannten uns ja bereits aus früheren SG-Zeiten. Er ist ein guter Trainer. Aber warum auch immer, es hat einfach nicht gepasst mit der Mannschaft und dem Trainerteam. Das war einfach keine runde Geschichte, daher mussten wir damals reagieren.

Die vielen Trainerwechsel – es kam ja noch die Kurzzeitverpflichtung von Mike Sadlo und Heiner Backhaus – waren sicherlich das eine. Aber haperte es letztlich nicht auch an der Qualität des Kaders, vor allem in der Offensive? Keine Mannschaft in der 3. Liga hat weniger Tore erzielt.

Ganz klar: Wir hätten viel mehr Tore erzielen müssen. Aber das liegt ja nicht nur an den Stürmern, sondern an der kompletten Mannschaft. Wir verteidigen zusammen, und entsprechend müssen wir vorne auch gemeinsam die Stürmer mit Bällen versorgen, damit die treffen können. Zudem haben wir nicht die finanziellen Rahmenbedingungen wie beispielsweise andere Vereine der Liga, um fertige Torjäger einkaufen zu können. Wir haben es immer wieder mit jungen Leuten versucht, auch wenn wir zum Schluss mit Matthias Morys noch die letzte Karte gezogen haben. Wir haben es einfach nicht geschafft, mit dem gesamten Gefüge mehr Chancen zu erspielen, damit die Jungs Sicherheit gewinnen und die Tore machen.

Der angesprochene Matthias Morys war zuletzt verletzt, ebenso Routinier Timo Röttger. Jamil Dem fiel fast die komplette Saison aus, Michael Vitzthum war lange nicht dabei – war es auch ein Faktor, dass diese Ausfälle nicht zu kompensieren waren?

Jede Mannschaft muss mit Verletzungen klarkommen. Aber das waren für uns natürlich auch entscheidende Spieler. Allein Jamil Dem: So einen Sechser, der Zweikampf- und Kopfballstark ist, der ein Fighter ist und sich immer reinhaut – so einen hatten wir nicht nochmal für diese Position, der hat uns einfach gefehlt. Korbinian Burger in der Defensive war lange verletzt, Joel Gerezgiher ebenfalls, Röttger, Vitzthum – das sind ja auch Leute, um die herum wir die Mannschaft aufgebaut hatten. Die Verletzungen haben uns dann immer wieder zurückgeworfen.

Ein Punkt, der in dieser Saison immer wieder Thema war: die Schiedsrichterentscheidungen. Es heißt ja immer so schön, dass sich das im Lauf einer Saison ausgleicht. Nun gibt es aber eine Tabelle vom ehemaligen Bundesliga-Schiri Babak Rafati, die zeigt, dass die SG die meisten klaren und spielentscheidenden Fehler gegen sich verkraften musste – auch ein Faktor?

Wir hatten auch letztes Jahr schon viele Entscheidungen gegen uns, aber dieses Jahr war es wirklich extrem. Wir haben bestimmt zehn oder elf Szenen rausgesucht, in denen es beim Stand von 0:0 oder 0:1 ganz klare Fehlentscheidungen gegen uns gab. Die Spiele sind alle brutal eng, da geht es zum Teil nur um Nuancen. Natürlich wirkt sich das dann auch auf die Punkteausbeute aus, ganz klar.

Inwiefern haben auch die ungleichen Voraussetzungen beim Neustart nach Corona zum Abstieg beigetragen? So hatte man ja das erste Spiel nach der Pause gegen Unterhaching, die drei Wochen länger schon trainieren durften.

Ein Rolle hat es auf jeden Fall gespielt, ein fairer Wettbewerb war von Beginn an nicht gegeben. Einige Vereine waren mehrere Wochen vor uns im Training. Das ist einfach etwas anderes, als wenn man nur im Wald laufen geht. Ich verstehe heute noch nicht, warum der DFB mit aller Macht die Saison in der 3. Liga durchziehen wollte. Wir hatten fünf Englische Wochen, alle Vereine gingen zuletzt am Stock. Dann ging die Saison in den Juli, viele Verträge waren ausgelaufen, Spieler wollten die Zusatzvereinbarung nicht unterschreiben, weil sie schon woanders unterschrieben hatten und sich nicht mehr verletzen wollten. Es geht da um Existenzen. Also warum musste man unbedingt diese Liga durchspielen und warum in dieser kurzen Zeit?

Kleiner Themenwechsel: Beim Stichwort Großaspach kommt in Fußballerkreisen immer wieder mal der Vergleich zur TSG Hoffenheim. Es heißt dann: „Der Uli Ferber soll doch einfach etwas Geld nachschießen“ oder so ähnlich. Was sagen Sie zu solchen Aussagen?

Dieser Vergleich trifft nur insofern, dass Aspach ein Dorf ist und Hoffenheim ein Dorf ist. Ansonsten sind das Welten. Ich schätze Dietmar Hopp sehr, Gott sei Dank gibt es solche Persönlichkeiten, die sehr viel Geld und Leidenschaft in den Sport, aber auch in bedeutende gesellschaftliche Projekte investieren. Aber wir können uns keinesfalls mit Hoffenheim vergleichen. Liga, Infrastruktur, Trainingsplätze, Sponsorengelder – das sind wie gesagt Welten. Uli Ferber ist Gründungsmitglied der SG, engagiert sich im Aufsichtsrat und als normaler Sponsor. Mich ärgert es deshalb, wenn manche Leute den Eindruck erwecken, Uli Ferber sei der Mäzen der SG. Wir haben unseren Partnerpool auf mittlerweile über 120 Unternehmen erweitert, darauf sind wir stolz.

Trotz aller Erfolge: Die schöne Arena war bislang eigentlich nur voll, wenn der Gegner mehrere tausend Fans mitgebracht hat. Woran liegt das?

Wir sind eben noch ein junger Verein, haben 2019 erst das 25-jährige Bestehen gefeiert. Uns schlägt deutschlandweit sehr viel Sympathie entgegen, weil hier kontinuierlich gute Arbeit geleistet wurde und wir einen anderen Weg gehen. Auch hier in der Region haben wir in den letzten Jahren kontinuierlich Fans hinzugewinnen können, aber natürlich werden wir hier weiter hart arbeiten und demnach hoffen, dass sich auch in Zukunft noch weitere anschließen werden.

Jetzt gab es den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte. Welche Konsequenzen hat das für die Arbeit im Verein, insbesondere für den Etat? Der wird sicher niedriger sein, zum einen durch den Abstieg, zum anderen durch Corona.

Für das kommende Jahr werden wir sicher mit Abstrichen zwischen 35 und 40 Prozent rechnen müssen, da uns die Fernsehgelder und die Gelder aus der Zentralvermarktung der 3. Liga wegbrechen. Trotz der Corona-Problematik ist es so, dass uns nahezu alle Partner die Treue halten werden. Das ist ein tolles Zeichen und auch Stück weit Bestätigung für die Arbeit bei der SG – ein großer Teil davon im Ehrenamt. Wir wollen versuchen, eine Mannschaft zusammenzustellen, die das Zeug hat, unter den ersten Fünf mitzuspielen.

Das nimmt den nächsten Punkt vorweg: Es gibt nicht explizit das Ziel direkter Wiederaufstieg?

Das wäre vermessen. Es gibt in der Regionalliga sehr gute und ambitionierte Mannschaften. Aber wir waren jetzt beeindruckende sechs Jahre in der 3. Liga und wollen da langfristig auch wieder hin.

Es gab ja keinen Spieler, der einen Vertrag für die Regionalliga hatte, sie mussten und müssen also mit jedem einzelnen sprechen. Julian Leist hat als erstes unterschrieben, Kai Gehring und Ken Gipson folgten einen Tag später. War das ein wichtiges Signal?

Julian Leist war der Erste, für ihn war ein Wechsel nie ein Thema. Das zeigt auch seinen Charakter. Auch Kai Gehring und Ken Gipson haben sehr früh ihre Treue zur SG signalisiert. Die Tendenz ist klar: In den nächsten Tagen werden wir hoffentlich nach und nach weitere Vertragsverlängerungen bekannt geben können.

Gibt es denn auch Spieler, die den Verein sicher verlassen werden?

Ja, die gibt es. Maximilian Reule, der sich in der 2. oder 3. Liga sieht. Die Leihspieler wie Constantin Frommann, Eric Hottmann und Marin Sverko kehren zu ihren Vereinen zurück. Sebastian Bösel wechselt zum 1. FC Saarbrücken, Matthias Morys beendet seine Karriere. Und dann gibt es einige, die sagen, dass sie lieber wieder in der Nähe ihrer Heimat spielen möchten. Das sind Stand jetzt Jamil Dem, Marco Hingerl und Denis Slamar – das kann ich natürlich auch alles nachvollziehen. Dementsprechend werden wir auch schauen, dass wir wieder mehr regionale Spieler an uns binden.