SG Sonnenhof Großaspach Kellerduell wird zum sportlichen Offenbarungseid

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Ein Bild mit Symbolcharakter: Foto: avanti

Die erschreckend schwache SG Sonnenhof Großaspach geht gegen den TSV Schott Mainz mit 1:4 (0:1) unter.

Großaspach - Wie lange Walter Thomae nach einem Spiel braucht, um den Pressevertretern Rede und Antwort zu stehen, ist meist ein guter Gradmesser dafür, wie zufrieden er mit der Leistung seiner Mannschaft war. Je besser Fußball-Regionalligist SG Sonnenhof Großaspach spielt, desto schneller gibt es in der Regel Antworten. Gemessen an dem, was seiner Spieler am Samstagnachmittag zu Hause gegen den ebenfalls akut abstiegsbedrohten TSV Schott Mainz boten, waren die 16 Minuten, die Thomae nach dem Schlusspfiff brauchte, aber fast schon rekordverdächtig schnell. Denn die Leistung der SG glich insbesondere in der zweiten Halbzeit einem sportlichen Offenbarungseid, wie es der Coach unumwunden einräumte. „Ich verstehe es einfach nicht, wieso wir so gut angefangen haben und dann so einbrechen. Das muss mir irgendjemand erklären, ich habe keine Erklärung dafür“, zeigte sich Thomae vollkommen ratlos.

Der Dorfklub hatte tatsächlich schwungvoll und offensiv begonnen. Die Mannschaft zeigte zunächst erkennbar den Willen, die herbe Enttäuschung vom 2:2 drei Tage zuvor gegen den Tabellenvorletzten Bayern Alzenau vergessen zu machen. Doch einmal mehr haperte es bei der Chancenverwertung. Sebastian Schieks Schuss im Strafraum wurde im letzten Moment zur Ecke geblockt (3.), Andreas Ivans Versuch aus rund 18 Metern lenkte TSV-Keeper Tim Hansen zur Ecke (18.), und Jonas Brändles Kopfball eine Minute später landete knapp neben dem Mainzer Gehäuse. Und während die Aspacher also nichts aus ihrer klaren Überlegenheit machten, stellten die Mainzer mit einem Konter in der 32. Minute den Spielverlauf auf den Kopf.SG-Schlussmann Mario Schragl kam einen Tick zu spät aus dem Kasten, wurde von Raphael Assibey-Mensah umkurvt, und die Gäste gingen in Führung.

Vielleicht wäre das Spiel doch noch ganz anders verlaufen, wenn Jonas Meiser fast im Gegenzug aus acht Metern ins Tor statt an den Außenpfosten getroffen hätte. So aber ging es mit dem 0:1 in die Pause, und es folgte eine der schlechtesten Halbzeiten der vergangenen Jahre. Mit denkbar einfachen Mitteln nahmen die Gäste die SG auseinander: Defensiv standen die Mainzer tief in der eigenen Hälfte und mussten nur abwarten, bis sich die Chance zum Kontern bot. So setzte sich Janek Ripplinger in der 54. Minute erst gegen Julian Leist, dann gegen Kai Gehring durch und zielte dann auch noch besser als die gesamte Sonnenhof-Offensive. Auf das 0:2 reagierte Walter Thomae mit einem Dreifach-Wechsel – nur besser wurde es nicht. Im Gegenteil: Vor dem 0:3 monierten die Mainzer lautstark ein vermeintliches Handspiel von Ken Gipson im Mittelfeld, spielten dann aber munter weiter, während die Aspacher erst einmal stehen blieben und den Gästen beim Toreschießen zuschauten (67.). Das 0:4 in der 79. Minute war dann die Krönung, das 1:4 durch Jan Ferdinand (89.) verdiente nicht einmal die Bezeichnung Ergebniskosmetik. Denn zu beschönigen war an dieser Niederlage nichts.

„Wenn die Grundtugenden wie Laufbereitschaft nicht vorhanden sind, dann kommt so etwas raus. Ich grübele, wie man vergangenen Samstag beim VfB Stuttgart II so gut spielen kann und eine Woche später das hier abliefert“, ärgerte sich Walter Thomae und fand dann noch deutlichere Worte: „Das war ja ein Komplettversagen. Natürlich gab es ein paar Spieler, die sich den Arsch aufgerissen haben. Aber die müssen sich ja vom Rest der Mannschaft verarscht gefühlt haben.“ Das galt übrigens auch für das kleine Häufchen SG-Fans, die sich wieder einmal außerhalb des Stadionbereichs eingefunden und ihre Mannschaft zunächst angefeuert hatten. Nach dem Spiel forderten sie die Spieler aber am Eingangstor zum Gespräch. Hoch anrechnen muss man den Aspachern, dass sie geschlossen zum Tor kamen und den erbosten Fans zuhörten. Das auf die Forderung „Jetzt sagt mal was dazu – aber nicht wieder Kai Gehring oder Julian Leist, sondern einer von den anderen“ alle still blieben, sorgte allerdings nicht für eine Verbesserung der Stimmung beim Dorfklub-Anhang.