Selbstversorgung Obst und Gemüse wird nicht mehr gekauft

Von Sabine Armbruster
Heike Schmitt erklärt, worauf sie beim Gärtnern achtet. Foto: Simon Granville

Heike Schmitt aus Benningen setzt auf gesunden Eigenanbau. Mit den Methoden der Permakultur hat sie erstaunliche Erfolge.

Heike Schmitt hat vor ein paar Jahren ein Wiesengrundstück gepachtet und gemeinsam mit ihrem Mann in einen Nutzgarten mit verschiedenen Beeten verwandelt. Und damit hat sie nicht nur einen optimalen Ausgleich zum Beruf, sondern ist in Sachen Obst und Gemüse zur Selbstversorgerin geworden. „Seit ich den Garten habe, habe ich praktisch nichts mehr an Obst und Gemüse zugekauft,“ sagt Heike Schmitt. Sie arbeitet nicht nur ökologisch, sondern auch mit den Mitteln der Permakultur. Dabei geht es, vereinfacht gesagt, darum, natürliche Ökosysteme und Kreisläufe in der Natur nachzuahmen, um so mit geringem Energieaufwand und ohne Einsatz von Chemikalien oder Kunstdünger in Landwirtschaft und Gartenbau nachhaltig zu wirtschaften.

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„Es hat ein paar Jahre gebraucht, um Humus aufzubauen“, erklärt Heike Schmitt. Vieles sei vom Wind und Sturm verweht worden. Das Mulchen mit Rasenschnitt und Stroh gebietet dem Einhalt. Und heute ist die Vielfalt dessen, was auf dem gar nicht mal so großen Grundstück alles wächst und gedeiht, schier unglaublich. Äpfel, Weintrauben, Himbeeren, Erdbeeren und Johannisbeeren, Kürbis, Mais, Paprika, Zwiebeln, Lauch, Bohnen, Erbsen, Gurken, verschiedene Salate, Mangold, Radieschen, Weißkraut, Rote Bete… die Reihe ließe sich noch weiter fortsetzen. Nicht zu vergessen allein 30 verschiedene Tomatensorten und vier verschiedene Sorten von Kartoffeln. „Ich liebe die Vielfalt“, sagt Heike Schmitt. Und die bekommt man im Supermarkt nun mal nicht und auch auf dem Wochenmarkt nur bedingt. Schon gar nicht in erstklassiger Bioqualität und voller Nährstoffe, erklärt sie. „Und es ist eine Freude zu sehen, wie die Pflanzen wachsen, und auch, das später auf dem Teller zu haben.“ Auch die meisten anderen Kleingärtner verzichten im eigenen Interesse auf Chemie zur Schädlingsbekämpfung und setzen auf Kompost als natürliches Düngemittel ebenso wie auf eine wohldurchdachte Fruchtfolge. Das macht auch Heike Schmitt. Doch sie geht noch ein Stück darüber hinaus. So stellt sie selber Terra Preta her, eine besonders fruchtbare Erde, die auf natürliche Weise im Amazonasgebiet vorkommt. Bei ihr ist es ein Mix aus Holzkohle, Urgesteinsmehl und Kompost, von dem sie beim Setzen gleich eine Schaufel voll zugibt – ein optimaler Start für die Jungpflanzen. Effektive Mikroorganismen (EM) und fermentierte Bioabfälle sorgen ebenfalls für den Bodenaufbau.

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Wie Pflanzen sich gegenseitig unterstützen können, zeigt Schmitts Milpa-Beet: Kürbis deckt den Boden ab und verringert so den Wasserverbrauch, Mais dient zugleich als Stütze für Tomaten und Stangenbohnen, die wiederum liefern den nötigen Stickstoff für Kürbis und Tomaten. Hinzu kommt noch eine geschickte Vorratshaltung in einer aus alten Waschmaschinentrommeln selbst gebauten Erdmiete, in der Kartoffeln, Weißkraut, Rote Bete oder Möhren den Winter über frisch bleiben. Es geht Heike Schmitt aber nicht nur um die Selbstversorgung, sondern auch darum, im Einklang mit der Natur zu arbeiten. „Das erdet“, betont sie. Und dann sieht man es auch nicht als lästig an, schon vor der Arbeit die Schnecken abzulesen, die sich unter den eigens ausgelegten Holzbrettern gesammelt haben.