Schulleiterin sagt ade Silke Benner nimmt eine neue Herausforderung an

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  Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Nach 19 Jahren verlässt die Leiterin der Tobias-Mayer-Schule Marbach und wechselt nach Schwieberdingen.

Marbach - Zwei Schulen leiten – wie geht denn das? lautete die Überschrift eines Artikels vor ein paar Monaten hier an dieser Stelle. Es war ein Porträt über die Rektorin der Tobias-Mayer-Schule (TMS), Silke Benner, die in dem bald zu Ende gehenden Schuljahr nicht nur die Geschicke der Marbacher Gemeinschaftsschule lenkte, sondern auch die der Schwieberdinger Glemstalschule. Von September an wird die 44-Jährige nicht mehr zwischen den beiden Bildungseinrichtungen pendeln. Am Mittwoch hat Benner den Kollegen in Marbach eröffnet, dass sie zum nächsten Schuljahr ganz nach Schwieberdingen wechselt und dort Rektorin wird.

Damit verabschiedet sich nach Christof Martin, der am benachbarten Friedrich-Schiller-Gymnasium vor einem Jahr seinen Hut genommen hat, wieder eine schulische Führungsperson. 19 Jahre lang wirkte Benner an der TMS. Als Junglehrerin kam sie 2001 nach dem Referendariat an das Bildungszentrum. Fünf Jahre später wurde sie Konrektorin, wiederum zwei Jahre später Schulleiterin.

An Klatsch und Tratsch fehlt es auch in der Bildungsszene nicht. Insofern gab es den ein oder anderen, für den der Weggang nicht ganz überraschend kommt. „Wenn mich jemand im vergangenen September gefragt hätte, ob ich mich auf die freie Stelle in Schwieberdingen bewerben will, hätte ich nein gesagt“, erzählt Silke Benner in ihrer offenen und direkten Art. Bis in den Herbst hinein habe sie sich die Arbeit an der Glemstalschule samt dem schulischen Umfeld dann aber angeschaut und ihre Meinung geändert. „Wenn man wie ich 19 Jahre an einer Schule ist – davon zwölf Jahre lang in einer Leitungsposition – dann überlegt man sich schon, ob man das noch bis zu seiner Pensionierung weitermachen möchte.“ Und wie bisher immer in ihrem Leben habe sie das genommen, was ihr vor die Füße gefallen ist. „Das war bei der Konrektoren- und Rektorenstelle hier an der Tobias-Mayer-Schule so, und das ist jetzt wieder so gewesen“, sagt Silke Benner und lacht.

19 tolle Jahre sind’s gewesen in der Schillerstadt, zieht die 44-Jährige Bilanz. „Es waren nur ganz wenige schlechte Tage dabei“, sagt sie. „Ich hatte immer ein top Kollegium, die immer meine manchmal verrückten Wege mitgegangen sind. Ich hatte tolle Charakterköpfe unter den Schülern, einen tollen Elternbeirat und mit Jochen Schust einen Konrektor an meiner Seite, der mir den Rücken freigehalten hat.“ Und der jetzt die Schule bis zur Neubesetzung der Stelle kommissarisch leiten wird.

19 Jahre, in denen sich viel getan hat an der Tobias-Mayer-Schule. Zum einen wurde sie Ganztagesschule, zum anderen startete die TMS zum Schuljahr 2014/15 als eine der ersten im Landkreis als Gemeinschaftsschule. „Wir waren in der zweiten Runde im Landkreis dabei. Ein Schuljahr zuvor waren fünf andere gestartet“, erinnert sich Benner.

Jetzt wechsle sie an eine deutlich größere Schule – was einen gewissen Reiz ausmache. In Marbach zählen etwas mehr als 300 Schüler zu ihren Schützlingen, in Schwieberdingen sind es rund 200 mehr. Außerdem ist künftig der Weg zur Arbeit nicht mehr ganz so weit, denn Silke Benner wohnt in der Landeshauptstadt. Es gibt aber noch einen weiteren, nicht ganz unwesentlichen Grund: Schwieberdingen ist zwar als Kommune und damit auch als Schulträger Teil eines Gemeindeverwaltungsverbandes, aber die Glemstalschule ist die einzig weiterführende Schule am Ort. In Marbach ist die Situation eine andere. „Wenn du als kleine Schule immer im Sog des großen Friedrich-Schiller-Gymnasiums schwimmst und schauen musst, dass du nicht ertrinkst, dann ist das unglaublich anstrengend“, bekennt Benner. Das gehe nicht gegen das FSG, wo tolle Arbeit geleistet werde. „Aber wenn man in der Wahrnehmung als Schule nicht präsent ist, dann kostet das auf Dauer zu viel Kraft. Das merkt man, wenn man sieht, wie es anders sein kann.“ Als Beispiel führt Benner das Thema Digitalisierung an. Vor dreieinhalb Jahren habe man dem Schulträger ein Konzept mit Finanzierungsvorschlag vorgelegt, wonach jeder Schüler einen Laptop erhalten hätte. „Mit Blick auf die aktuelle Situation durch Corona hätte uns das enorm geholfen“, so Benner. Die Verwaltung habe besagtes Konzept auch für gut befunden. Umgesetzt wurde es indes nicht. „Uns wurde gesagt: Wenn ihr das wollt, wollen es alle Schulen, und das ist nicht finanzierbar. Ich habe den Kampf für die Tobias-Mayer-Schule immer gerne geführt, aber mir wird erst jetzt bewusst, wie schwer vieles war.“ Im Grunde hätten sich viele kleine Mosaiksteine am Ende zu einem Bild zusammengefügt.