Schnelles Internet für Steinheimer Teilorte Konkurrenz für Telekom sorgt für Unruhe

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Die Bürger in den Teilorten haben offenbar schon bald die Wahl zwischen zwei Anbietern für Glasfaseranschlüsse. Foto: dpa/Florian Schuh

Nach dem Telekommunikationsriesen will nun auch Inexio in Kleinbottwar und Höpfigheim einen Glasfaseranschluss ins Haus anbieten, und zwar bis zum Ende des Jahres. Genau das wird aber angezweifelt.

Steinheim - Aus Kundensicht hätte eigentlich nichts Besseres passieren können. Nachdem zunächst die Telekom angekündigt hatte, im Steinheimer Gewerbegebiet Kreuzwegäcker sowie in Höpfigheim und Kleinbottwar einen Glasfaseranschluss bis ins Haus zu verlegen, zog vor einigen Wochen die Konkurrenz von Inexio überraschend nach. Das Unternehmen, das jetzt schon in den beiden Ortsteilen schnelle Internetverbindungen im Portfolio hat, vermeldete Ende Mai, dass man dort nun ebenfalls diese moderne Technologie an den Start bringen werde. Und zwar schon bis Ende des Jahres. Eine Nachricht, die in Höpfigheim aber keine Jubelstürme auslöste, sondern im Gegenteil sogar für Unruhe sorgte. Zum einen fragten sich viele Bürger, ob sie nun tatsächlich zur Telekom umsteigen sollten und was dann mit den Altverträgen bei Inexio geschieht. Zum anderen war man gespannt, wie der Konzern mit den Magentafarben darauf reagieren würde. Und zuletzt wurde gemunkelt, dass sich Inexio im Kampf um Kunden viel zu weit aus dem Fenster gelehnt hat und die Arbeiten niemals bis Dezember würde abschließen können – zumal die Firma, die inzwischen mit der Deutschen Glasfaser zu einer Unternehmensgruppe verschmolzen ist, noch nicht einmal eine Genehmigung für ihr Vorhaben in der Tasche hat.

Auf Letzteres wies auch der Steinheimer Bürgermeister Thomas Winterhalter am Donnerstag im Höpfigheimer Ortschaftsrat hin. „Inexio hat von uns definitiv keine Freigabe“, betonte der Rathauschef. „Wir haben von dem Unternehmen keinerlei Pläne vorliegen, und es haben keinerlei Abstimmungsgespräche mit der Stadt Steinheim stattgefunden“, erklärte er, nachdem ein Bürger gemeint hatte, Inexio selbst habe behauptet, vom Tiefbauamt das Okay eingeholt zu haben. Volker Ackermann von der Telekom äußerte zudem starke Zweifel, dass man tatsächlich bis Ende des Jahres die komplette Glasfaserinfrastruktur bis zum Haus aufbauen kann. „Ich kann mir schwer vorstellen, wenn ich mit der Planung zu spät angefangen habe und nichts bei der Kommune zur Genehmigung eingereicht habe, dass ich das dann in fünf bis sechs Monaten bauen kann“, sagte er. Inexio selbst beteuert hingegen, keine falschen Versprechungen zu machen. Richtig sei, dass man noch keine offiziellen Anträge für die erforderlichen Arbeiten eingereicht habe und folglich beispielsweise auch keine verkehrsrechtliche Genehmigung in der Tasche habe, sagt Pressesprecher Thomas Schommer. Man sei aber gerade dabei, die Pläne zu verfeinern, dann würden die Gesuche gestellt. Und geplant sei tatsächlich, dass die Bagger im August anrücken und die Bautrupps Ende 2020 ihre Siebensachen schon wieder zusammenpacken können.

Bei der Telekom soll der offizielle Spatenstich im Beisein des Landrats Dietmar Allgaier am 30. Juni über die Bühne gehen. Kurz danach würden die Arbeiten richtig beginnen, sagte Volker Ackermann. Man werde sich sukzessive vorantasten und gehe davon aus, bis Mitte April 2021 sämtliche Leitungen verlegen zu können. Ein Ausbau bis Jahresende sei nicht zu machen, es sei denn, man lege den Verkehr quasi lahm, weil an allen Ecken und Enden der Asphalt aufgerissen werde.

Dass die Telekom das Projekt nun vorantreibt, hängt auch damit zusammen, dass die Kundenakquise trotz Corona erfolgreich verlaufen ist. 750 Vorverträge hatte sich das Unternehmen zum Ziel gesetzt, mehr als 800 sind es mittlerweile schon. Volker Ackermann ist überzeugt davon, dass in den nächsten Tagen und Wochen der eine oder andere noch auf den Zug aufspringt. Die Frist für einen Vorabkontrakt wurde bis zum 31. Juli verlängert. Wer bis dahin handelseinig mit dem Unternehmen wird, bekommt den normalerweise 800 Euro teuren Anschluss frei Haus. Die Zahl der Erstregistrierungen sei auch nicht limitiert, betonte Volker Ackermann. Der Mann von der Telekom gab zudem eine Empfehlung dazu ab, welches Vorgehen bei einem Anbieter-Wechsel am besten ist. Wenn der Vertrag bei einem Wettbewerber noch laufe und man diesen verlassen wolle, könne man auf die Telekom zugehen, die dann die Kündigung anstoße und zum Stichtag auf den Glasfaseranschluss aus dem eigenen Haus umstelle.