S4 muss nach Schaden evakuiert werden „Es war nicht dramatisch, aber hat eben Zeit gekostet“

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Die Passagiere stehen auf dem Gleisbett und beobachten die Arbeiten. Foto: Reiner Dettling

Reiner Dettling war am Montagmorgen dabei, als die S4 kurz nach Erdmannhausen evakuiert werden musste. Ein Kirschbaum war auf die Oberleitung gestürzt.

Erdmannhausen - Fast täglich fährt Reiner Dettling mit der S4 von Erdmannhausen nach Backnang zur Arbeit. So auch am Montagmorgen. Wie immer nahm er die Bahn um 6.38 Uhr – diesmal war jedoch schon nach kurzer Zeit Endstation. Genauer gesagt rund einen halben Kilometer nach dem Erdmannhäuser Bahnhof. Der Grund: „Die Bahn ist im Bereich zwischen Erdmannhausen und Kirchberg in einen ins Gleisprofil ragenden Baum gefahren. Das Fahrzeug wurde dabei so beschädigt, dass die Fahrt nicht fortgesetzt werden konnte“, berichtet ein Sprecher der Bahn. „Man hat gehört, dass etwas am Dach streift. Andere haben gesagt, dass sie Blitze gesehen haben“, schildert Reiner Dettling das Erlebte.

Nachdem die Bahn stillstand, „gab es eine Durchsage, dass wir auf die Feuerwehr und Polizei warten müssen und es eventuell gefährlich sein könnte, da Strom mit im Spiel war.“ Zusammen mit den anderen Passagieren harrte er also auf seinem Platz aus. „Es ging alles ganz ruhig zu. Es hat keiner Panik bekommen oder war aufgeregt. Man hat sich halt unterhalten. Ich hatte auch meinen Laptop dabei und konnte etwas arbeiten“, erzählt der Murrer. Etwas mehr als eine Stunde mussten die Passagiere warten, ehe schließlich die Rettung nahte. „Das Problem war, dass wir an dieser Stelle keine Rettungs-Fahrzeuge in die unmittelbare Nähe beordern konnten. Es war demnach auch unklar, wie lange es dauern würde, um die Bahn aus diesem Abschnitt zu bekommen. Deshalb haben wir uns um 8.10 Uhr dazu entschieden, die Gäste aus den Wagen zu holen und über den Gleisweg zurück zum Bahnhof nach Erdmannhausen zu bringen“, so der Bahn-Sprecher. Der Betroffene aus Murr beschreibt die Situation so: „Irgendwann kam der Notfall-Manager. Danach wurden wir dann evakuiert. Erst der hintere Teil des doppelten Triebwagens, dann der vordere, in dem ich saß.“ Über eine Leiter, die die Feuerwehr an die Tür gelehnt hatte, ging es ins Freie. „Da ging es schon ordentlich runter“, berichtet er.

Zusammen mit den anderen 25 Passagieren wurde er dann im Pulk spazierend von den Hilfskräften zurück nach Erdmannhausen zu seinem Ausgangspunkt begleitet. „Dort standen Großraum-Taxis“, sagt Dettling. Diese brachten die Leute nach Backnang. Dettling selbst nahm nun aber lieber sein eigenes Auto. Über die Erfahrung, aus einem Zug evakuiert zu werden, sagt er schmunzelnd: „Das war ein aufregender Morgen. So etwas muss man auch mal erlebt haben.“ Alles in allem habe er die Situation gelassen gesehen. „Wir haben eben nur nicht gewusst, wie lange es dauert. Es war nicht dramatisch, aber hat eben Zeit gekostet.“

Nach und während der Evakuierung kümmerte sich die Feuerwehr um den Baum, der „vermutlich von außerhalb der Bahnanlage ins Gleis gestürzt war“, so der Bahn-Sprecher. Um 10.15 Uhr wurde der Zug schließlich abgeschleppt. Danach war der Streckenbereich frei für einen Turmtriebwagen, mit dem die Oberleitung inspiziert werden konnte. „Das Gute ist: Die Leitung ist wohl nicht gerissen“, so der Sprecher weiter. Wie groß der Reparaturbedarf ist, konnte er zur Mittagszeit jedoch noch nicht sagen. Während der Sperrung des Streckenbereichs pendelten fünf Großraumtaxis zwischen Marbach und Burgstall als Ersatzverkehr. Ab 13.25 Uhr lief der Verkehr wieder wie gewohnt.