Reportage Ferienspaß trotz Pandemie

Von
Buntpapier, Schere und Nützliches aus dem Haushalt: Auch ruhigere Tätigkeiten sind gefragt. Foto: avanti/Ralf Poller

Beim „Verrückten Sommerteam“ des Jugend-Kultur-Hauses planet-x in Marbach finden Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren ein Eldorado an Spaß und tollen Beschäftigungen.

Marbach - Coronapandemie und Sommerferienprogramm: Passt das zusammen? Das Jugend-Kultur-Haus planet-x in Marbach zeigt, wie gut das möglich ist. Die Macher des „Verrückten Sommerteams“ haben keine Mühen gescheut, damit zwei Wochen lang Dauerspaß und glückliche Gesichter das Ferienprogramm bestimmen. Und so wundert es nicht, dass an diesem sonnigen Mittwoch Kinder wie die 9-jährige Malak, mit Brotteig umwickelte Stöcke ins Feuer halten und darauf warten, dass sie Minuten später ins knusprige Gebäck beißen können.

Die insgesamt 100 teilnehmenden Kinder je Woche, im Alter von sechs bis zwölf Jahren, lassen sich gerne von Betreuer Mario Wagner hilfreiche Tipps geben. Denn genau das ist das Geheimrezept für das coronakonforme Freizeitangebot, das wöchentlich zwei Tests vorsieht: betreute Mitmachbereiche, die per Laufzettel die Kleingruppen geordnet durch das an Sport-, Spiel- und Bastelangeboten reiche Areal führen.

„Bunte Spaßvögel“ bevölkern das Jugendhaus

Für 2021 haben Jugendhausleiter Georg Stenkamp und sein Team das Motto „Bunte Spaßvögel“ ausgegeben. Jede Kleingruppe trägt deshalb den Namen eines bekannten Comic-Vogels: Rabe Socke oder Duffy Duck etwa. Der perfekt ausgetüftelte Plan gibt vor, welche Gruppe wann wo zu erscheinen hat. Kein wildes Umherwuseln kennzeichnet also das sommerliche Miteinander, sondern ein entspanntes, gruppenbezogenes Feeling.

Das begeistert die 12-jährige Jenny, die schön öfter beim planet-x-Angebot dabei war, vollauf. „Jetzt ist kein Workshop mehr überfüllt. Früher konnte ich vor lauter Kindern manchmal gar nicht durchkommen“, erklärt das Mädchen, das damit beschäftigt ist, ein ledernes Armband zu flechten und betont: „Es gibt immer die Möglichkeit etwas fertig zu kriegen. Auch wenn es erst einen Tag später ist.“

52 Helfer stehen zur Verfügung

„Die Mitmachbereiche sind – je nach Angebot – auf 30, 45 oder 60 Minuten ausgelegt und so ausgeklügelt, dass sich dabei nichts überlappt“, erklärt Andreas Ludmann. Für die Einhaltung des Zeitmanagements sind die Teamer zuständig. Ludmann ist seit Januar 2020 Teil des Jugendhaus-Teams, das ihm unter anderem die Aufgabe des Corona- und Hygieneexperten übertragen hat. Er die aktiven Kleingruppen von maximal zehn Kindern immer im Blick, die alle jeweils von mindestens einer Person betreut werden.

Vielfach sind das Praktikanten oder auch Schülerinnen des örtlichen Gymnasiums, wie etwa die 16-jährige Anaïs. Sie hat sich aus der Kleiderkiste ein paar bunte Sachen übergeworfen und sieht fast wie ein Clown aus. „Um die Kinder glücklich zu machen“, wie sie sagt. Anaïs gehört zu der Gruppe der Helfer, die sich bereit erklärt haben, gleich beide Wochen des Sommerferienprogramms mitzugestalten.

Insgesamt stehen diesmal 52 Helfer zur Verfügung. „Manche bleiben jedoch nur eine Woche“, erklärt Stenkamp, der sich in der ersten Woche von 42 Helfern und in der zweiten Woche, die anfangs noch freie Plätze hatte, von 41 Betreuern unterstützt weiß. Einige davon nutzen den Dienst als Praktikumsnachweis, den sie etwa für das Studium oder eine Ausbildung benötigen.

„Rüstzeug fürs Leben“ weitergeben

Auch Heiko, der eine Ausbildung zum Jugend- und Heimerzieher macht, ist mit von der Partie. Bei ihm spielen – vorwiegend die Jungs – Fußball in der sogenannten Solarhalle, die seitlich geöffnet ist. Nachwuchsteamerin Bea kümmert sich derweil um die weibliche Klientel, die sich meist anderen Bewegungsspielen zuwendet und Bobbycar-Rennen veranstaltet oder sich beim Sackhüpfen misst. Heiko verfolgt dabei einen pädagogischen Ansatz. Er will den Kinder auch „Rüstzeug fürs Leben mitgeben“. Denn bei einigen, so hat er festgestellt, fehle –„gerade wenn es darum geht, ausgeglichene Fußball-Teams zu bilden“ doch noch das demokratisches Verständnis sowie mangelnder Sportsgeist.

Das Lehmhaus ist äußerst beliebt

Die Teilnehmer Umberto und Damiano sind Wiederholungstäter. Und nicht nur das. Sie haben sich, nachdem Plätze frei waren, auch gleich noch für die zweite Woche des Ferienprogramms angemeldet. Zufrieden sieht man die beiden emsig an den Mitmachbereichen werkeln.

Umberto hat dabei klare Favoriten: „Mir haben das Lehmhaus, die Rätsel, das Tanzen und die Solarhalle am meisten Spaß gemacht“. Kein Wunder: Beim Bau eines Lehmhauses geht es richtig matschig zu. Karsten Thiem und Tochter Katharina sind hier die Aufsicht. „Wenn es richtig gemacht ist, hält das Haus 40 Jahre“, ist der archäologisch interessierte Betreuer überzeugt, der auf die Wünsche der Kinder einzugehen weiß: „Die haben sich nämlich Fenster und Türe gewünscht“.

„Bei Geschwister ist Streit gern mal vorprogrammiert“

Helena und Kiara sind derweil von etwas anderem angetan: Die beiden Mädchen schlüpfen in der Superdisco beim Singstar-Spiel in die Rolle der Eiskönigin Anna und ihrer Schwester Elsa. Konzentriert singen die Mädchen in die Mikrofone.

Die 17-jährige Manuella übt sich als Teamerin auch im Namen lernen: „Denn es ist schwierig, die Namen alle zu behalten.“ Da es vielfach Geschwisterkinder sind, die in einer Kleingruppe zusammengefasst werden, fordert die Betreuungsaufgabe immer wieder auch das Schlichten von ihr ein. „Bei Geschwistern ist Streit gern mal vorprogrammiert“, hat Manuella erfahren.

Besonders anziehend zeigt sich auch das Mysterium: ein Bereich, wo es um Grusel, Schwarzlicht oder auch um das Zielen geht. Denn Benjamin Köhl vom „Grusel-Gewusel“ hat zwei Schießbuden mit im Gepäck. Und Meister Tuk braut dort mit den Kindern einen Zaubertrank: „Davon gibt es blaue Ohren.“