Reportage am Freitag Puppen erzählen Geschichten

Von Sabine Armbruster
Vorübergehend müssen einige Puppen auf dem Fußboden warten, bis sie das richtige Plätzchen gefunden haben. Foto: KS-Images.de/Karsten Schmalz

Im Heimatmuseum Affalterbach wird derzeit eine neue Sonderschau aufgebaut. Zu sehen sein soll sie ab Dezember.

Affalterbach - Puppen über Puppen, wohin man auch schaut. Große, kleine und winzige, ganz alte und neuere, handgefertigte und Industrieware. Manche sind in Tracht gekleidet, andere tragen im Stil der Siebzigerjahre bunte, handgehäkelte, -gestrickte oder -genähte Kleidchen, Höschen, Pullis und Mützen, wieder andere sind kleine Nackedeis. Kahlköpfige Babypuppen sind ebenso vertreten wie Puppen mit Echthaar. Sie alle bevölkern, noch völlig ungeordnet, Tische und Körbe im Affalterbacher Heimatmuseum. Dazwischen stehen alte Puppenwagen, Puppensofas und anderes Zubehör, das schon in früheren Zeiten kleine Mädchen glücklich gemacht hat.

Man sieht auf den ersten Blick: Auf die Ehrenamtlichen, die in dem einstigen Bürgermeister- und Lehrerhaus immer wieder neue Sonderausstellungen gestalten, wartet eine Heidenarbeit. Es gilt nicht nur, aus der riesigen Zahl an Puppen die schönsten, ungewöhnlichsten oder seltensten auszuwählen; sie wollen auch richtig präsentiert werden, damit am ersten Sonntag im Dezember, wenn die Schau öffnen soll, Kinderaugen leuchten und bei Erwachsenen Erinnerungen wach werden.

Museumsfundus und private Leihgeber

Woher nimmt Ursula Knapp, die die Ausstellungen organisiert, nur immer wieder die Ideen? „Aus dem Kopf, nachts“, schmunzelt sie. Das sei aber natürlich auch abhängig von dem, was man zur Verfügung habe. Manches stammt aus dem erstaunlich großen Fundus auf dem Dachboden und in den Schränken, anderes steuern Bewohnerinnen und Bewohner der Apfelbachgemeinde als Leihgabe bei. Annemarie Paiani etwa hat rund 50 Puppen mitgebracht: „Ich habe mal gesammelt“, erklärt sie. Und auch Bärbel Köder kommt vorbei: In ihrem Körbchen sitzen ganz verschiedene Exemplare. Von einer ist Ursula Jahn, die zusammen mit Ursula Knapp, Karin Ollech und Sandra Obele das vierköpfige Deko-Team bildet, regelrecht begeistert: „Das ist aber eine alte, mein lieber Schieber, da langen 100 Jahre wahrscheinlich nicht!“ „Ja“, meint Bärbel Köder, „die hab‘ ich von meiner Tante geerbt, und die hat sie auch schon gekriegt.“

Wie’s später aussieht, weiß am Anfang keine der Mitarbeiterinnen

Inzwischen sind Ursula Knapp und Karin Ollech auf der Suche nach roten Tüchern. Ein schön geschnitzter Schrank enthält das Gewünschte. Der edel aussehende Samt soll Holzleisten verdecken, die Ollech auf ein niedriges Regal gelegt hat. Obenauf kommt dann ein alter Vitrinenaufsatz, der in mehreren Fächern Raum für Puppen bieten kann. Er wird vorher noch sorgfältig mit einem Holzpflegemittel aufpoliert, damit er auch was hermacht. Ein strenger Geruch erfüllt den Raum im ersten Stock. „Das mit den Vorbereitungen geht jetzt tagelang so“, sagt Karin Ollech. „Das ist ein rechtes Durcheinander, bis man klar Schiff hat“, ergänzt Ursula Knapp. Erst wenn alles vorbereitet ist, kann man darangehen, die Puppen gefällig anzuordnen. Und auch das ist nicht immer so einfach: „Manchmal sind wir uns einig, manchmal nicht“, erklärt Ursula Jahn trocken. Und am Anfang wisse man auch noch gar nicht, wie alles einmal aussehen soll. Das sei ein kreativer Prozess. „Wenn man so was machen muss, geht’s gar nicht.“

Für die Ausstellung geben die Organisatoren alles

Aber zum Glück haben die Damen ja Freude am Gestalten und Dekorieren. Wie viel Zeit sie dafür investieren, kann keine genau sagen: „Vier Wochen lang ist man Tag und Nacht mit dem Kopf beschäftigt“, nennt Ursula Knapp eine Hausnummer. Auf alle Fälle gebe man immer alles. „Auch die ganze Verwandtschaft wird gefragt, ob sie was Passendes hat.“ Denn neben dem Grundprinzip, eine Wohnung zu zeigen, wie sie früher war, gilt auch: „Wir geben für die Ausstellungen kein Geld aus.“ Der schönste Lohn ist dann, wenn sich die Besucherinnen und Besucher über die Ausstellung freuen und sie loben. „Dann sind wir schon stolz“, sagt Karin Ollech.

Eröffnung am zweiten Advent

Die Ausstellung kann vom 5. Dezember an jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr unter Beachtung der aktuellen Coronaverordnung des Landes besucht werden, in der Adventszeit zusätzlich am 19. Dezember von 14 bis 17 Uhr.