Raumfahrt – Mission „Hera“ Europäer starten Projekt zur Abwehr von Asteroiden

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Die Computersimulation zeigt die Raumsonde Hera im Anflug auf den Asteroiden Didymoon. Foto: Mark Fittock OHB/OHB SE/dpa

Aus dem Weltall droht Gefahr: Einschläge von Gesteinsbrocken können verheerende Folgen haben. Nun plant die europäische Raumfahrtbehörde Esa ihre erste Mission zur Asteroiden-Abwehr.

Darmstadt - Was haben sich seriöse Wissenschaftler, waffenbegeisterte Militärs und fantasiebegabte Hollywood-Regisseure nicht schon alles ausgedacht, um die Erde vor einem Asteroiden-Einschlag zu schützen. Mit Wasserstoffbomben, Raketensalven und Laserkanonen wollen sie kosmische Gesteinsbrocken pulverisieren. Stark gebündeltes Licht, riesige Segeln, Nuklearantriebe und Einschlagprojektile sollen die Himmelskörper von ihrer Bahn ablenken. Leider funktionieren all diese Methoden bisher nur in der Fantsaie oder im Kino.

Auch die europäische Raumfahrtbehörde will die Menschheit vor Gefahren aus dem All schützen – allerdings mit realistischeren Methoden. In ihrem Kontrollzentrum in Darmstadt hat sie jetzt den Startschuss für ihre erste Mission zur Asteroiden-Abwehr gegeben. Das Projekt trägt den Namen der griechischen Göttin „Hera“.

„Hera“ und „Dart“ auf Abfangkurs

Die Raumsonde „Hera“ soll zusammen mit ihrem Pendant, der Nasa-Sonde „Dart“ (Abkürzung für Double Asteroid Redirection Test, Doppel-Asteroiden Umleitungs-Test), die Auswirkungen eines Aufpralls auf einen Asteroiden untersuchen, um aus diesem Experiment eine Technik zum Umlenken solcher Gesteinsbrocken im All abzuleiten. „Hera“ soll 2024 starten und vom Kontrollzentrum in Darmstadt gesteuert werden.

Zusammen mit der US-Raumfahrtbehörde Nasa arbeiten die europäischen Wissenschaftler im Rahmen des Aida-Programms (Asteroid Impact & Deflection Assessment) daran, Ablenkungsmanöver durch einen sogenannten kinetischen Impaktor zu testen.

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Bei der gemeinsamen Mission soll der Esa zufolge erst die US-Sonde „Dart“ 2022 auf den kleineren Brocken eines Doppelasteroiden in 150 Millionen Kilometern Entfernung treffen. Die Raumsonde soll dann mit der höchstmöglichen Geschwindigkeit den Asteroiden rammen und ihn so von seinem Kurs abbringen. „Durch den Zusammenstoß des Asteroiden mit einem künstlichen Projektil, eines sogenannten kinetischen Impaktor, kann die Flugbahn so weit abgelenkt werden, dass die Kollision mit der Erde verhindert wird“, heißt es bei der Esa.

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Flugbahn des Asteroiden soll verändert werden

Der Aufprall wird nach Auffassung der Experten einen Krater hinterlassen und den Orbit des Himmelskörpers verändern. Dieser Brocken ist der Raumfahrtbehörde zufolge der erste Himmelskörper, dessen orbitale und physikalische Eigenschaften von Menschenhand verändert werden.

„Hera“ soll anschließend zu dem Doppel-Asteroiden fliegen und Daten sammeln. Diese sollen dazu dienen, die Struktur und Zusammensetzung von Asteroiden besser zu verstehen. Die Raumsonde von der Größe eines Schreibtisches wird auch Minisatelliten an Bord haben. Diese zehn Zentimeter großen Würfen sollen dann die Zusammensetzung und das Innere des Asteroiden untersuchen.

Gefahren aus dem All sind real

Die Gefahren aus dem All seien real, betont Marco Fuchs, Chef des Satellitenbauers OHB System AG aus Bremen. OHB entwickelt für die „Hera“-Mission die Raumsonde. „Dort gibt es Millionen von Gesteinsbrocken, die im Falle einer Kollision das Leben auf der Erde auslöschen könnten.“ Der Satellitenbauer arbeitet bereits seit zwei Jahren an dem Projekt, an dem 17 Esa-Länder beteiligt sind.

„Wenn der Test erfolgreich ist, sollten wir uns bereit machen für wirkliche Ablenkungsmanöver“, erklärt Esa-Direktor Rolf Densing. „Wir wollen die Menschheit schützen.“ Eine akute Gefahr sei derzeit aber nicht in Sicht. Deutschland trage mit 60 Millionen Euro den Löwenanteil der „Hera“-Kosten von 130 Millionen Euro.

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Gefährlich nahe der Erde

US-Wissenschaftler haben mehr als 1100 Asteroiden mit einem Durchmesser von mehr als einem Kilometer entdeckt, die die sich auf einer Umlaufbahn befinden, die sie der Erde gefährlich nahe bringen könnten. Immer wieder verglühen solche Gesteinsbrocken in der Erdatmosphäre. Größere Objekte können immense Schäden verursachen.

Im Februar 2013 richtete die Explosion eines 20-Meter-Brockens in der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk Verwüstungen an. Die Druckwelle verletzte rund 1500 Menschen, zumeist durch zerborstene Scheiben. Bei Asteroiden einer Größe ab 50 Metern muss Experten zufolge über eine Ablenkung nachgedacht werden.