Quo vadis Oberstenfeld? Wettbewerb soll das Beste herausholen

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Mitten in Oberstenfeld liegt das ehemalige Werzalit-Gelände. Foto: Werner Kuhnle)

Die Gemeinde Oberstenfeld lässt das Areal Bottwarwiesen von vier Büros gleichzeitig überplanen. Die Mehrfachbeauftragung dient auch der Bürgerbeteiligung.

Oberstenfeld - Quo vadis – wohin gehst du, Oberstenfeld? Wenn es nach Bürgermeister Markus Kleemann geht, winkt der eher finanzschwachen 8000-Einwohner-Kommune am nördlichen Rand des Landkreises Ludwigsburg eine gute Zukunft. Denn mit dem 12,2  Hektar großen ehemaligen Industrie-Areal, auf dem der Holzverarbeiter Werzalit früher kunststoffbeschichtete Holzplatten herstellte, steht der Gemeinde ein Gebiet zur Verfügung, das laut Kleemann „in der Region seinesgleichen sucht“. Damit das Areal zum Segen wird, soll es kompetent geplant werden. Der Gemeinderat gab am Donnerstag den Weg frei, vier Büros gleichzeitig in einem Wettbewerb zu beauftragen.

Ganz billig wird die sogenannte Mehrfachbeauftragung nicht. Die Gemeinde muss pro Büro 54 000 Euro bezahlen. Hinzu kommen noch die Kosten für eine Fachjury, in der anerkannte Größen wie die Stuttgarter Stadtplanerin und Architektin Christina Simon-Philipp, ihr Fellbacher Kollege Eckart Rosenberger sowie Johann Senner, Landschaftsarchitekt aus Überlingen zählen. Diese Koryphäen werden am Ende gemeinsam mit Vertretern der Eigentümer, der Verwaltung und des Gemeinderats entscheiden, welche Vorschläge der beiden Stuttgarter Büros Wick + Partner und ARP Architekten sowie der Tübinger Hähnig Gemmeke und der Berliner Heide & von Beckerath am geeignetsten für die Entwicklung sind. „Es muss ein konkurrierendes Verfahren geben – nur so können wir aus jedem Entwurf das Beste für die Lösung finden“, erklärte die Oberstenfelder Bauamtsleiterin Melanie Zimmer in der Sitzung. Es werde einen Sieger und eine Reihenfolge der Entwürfe geben.

Gekauft hat das Gelände die Levkas GmbH, eine Tochter der Volksbank Backnang, vor etwa 14 Monaten. Mit ihr, aber auch den Bürgern, strebt die Oberstenfelder Verwaltung eine nachhaltige Entwicklung an. Wo letztlich Flächen für Wohnen und Gewerbe entstehen sollen, wie hoch die Häuser werden und welche Arten von Gewerbe überhaupt zugelassen werde, will die Gemeinde in einem Rahmenplan festlegen. „Wir wollen die Bürger mitnehmen“, betonte Markus Kleemann. In einem zweistufigen Verfahren können die Einwohner zunächst bei einem Treffen, dann bei einer Online-Befragung Anregungen geben. Erst mit diesem Feedback geht es in den Rahmenplan und in die Mehrfachbeauftragung der Architektur-Büros.

Der Oberstenfelder Gemeinderat steht fast geschlossen hinter dem Konzept. Nur der Freie-Wähler-Rat Andreas Fender stimmte gegen die Mehrfachbeauftragung. „Wir schreiben dem Eigentümer vor, was er auf seinem Grundstück zu machen hat“, kritisierte er. Er sei zwar nicht gegen eine Bürgerbeteiligung, doch den Bürgern, die Einfluss nehmen könnten, gehöre das Gelände nicht. Fender sprach sich für eine eher vom Eigentümer und dessen Ideen gelenkte Marschrichtung aus – auch um Kosten für einen Wettbewerb zu sparen.

Die anderen Räte begrüßten jedoch das Konzept, um mehrere Sichtweisen kennenzulernen. Schließlich gehe es auch um den Schutz des lebendigen Ortskerns, der direkt angrenze, argumentierte Markus Kleemann. Der SPD-Rat Rolf Lutz sprach von „nicht wenig Geld“, das man investiere und forderte eine hohe Qualität der Entwürfe. Dass kein Weg an der Mehrfachbeauftragung vorbeiführe, betonte der Freie-Wähler-Chef Michael Meder. „Es wäre fatal, bei einem solchen Projekt nicht mitzusprechen.“ Nur ein solcher Wettbewerb gewährleiste die Bürgerbeteiligung. Meder warnte vor einer Trabantensiedlung. Das Areal müsse nachhaltig in den Ort integriert werden. Meder hielt es aufgrund seiner Recherchen nicht für nötig, das Berliner Büro zu beauftragen. „Es plant zehn- bis 20-stöckige Gebäude.“ Er hielte es für besser, nur die Büros aus dem Ländle zu beauftragen, da die wüssten, wie die Menschen hier ticken. Doch letztlich setzte sich Markus Kleemann durch, der den „Blick über den Tellerrand“ postulierte und es für möglich hält, unter Umständen nur wenige Elemente aus einem einzelnen Entwurf eines Teilnehmers zu übernehmen.