Polizei in Steinheim Erstochener Onkel frei erfunden

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Die Polizei ist mit acht Streifen zum vermeintlichen Tatort geeilt. Foto: dpa/Franziska Kraufmann

Ein 50-Jähriger hat am Telefon behauptet, jemanden ermordet zu haben – und all das nur, damit sich der Rettungswagen schneller um einen Verwandten kümmert.

Steinheim - Wegen Vortäuschens einer Straftat muss sich ein 50-Jähriger verantworten, der sich am Samstagabend gegen 21 Uhr über den Notruf bei der Polizei gemeldet und erklärte hatte, er habe seinen Onkel erstochen. Mehrere Streifenwagenbesatzungen, ein Notarzt und ein Rettungswagen machten sich daraufhin sofort auf den Weg nach Steinheim. Dort stellten die Einsatzkräfte fest, dass der 50-Jährige die von ihm geschilderte Straftat frei erfunden hatte. Der Grund: Die normale Anfahrt eines Rettungswagens für seinen an Rückenschmerzen leidenden Onkel hatte ihm schlicht zu lange gedauert. Das Polizeipräsidium Ludwigsburg prüft jetzt auch, ob man dem Anrufer die Kosten für den missbräuchlich veranlassten Einsatz in Rechnung stellen kann.

Kostenübernahme könnte teuer werden

Wie viel der Mann dann berappen müsste, konnte Peter Widenhorn, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, aus dem Stegreif nicht sagen. Es könne sich dabei aber durchaus um eine vierstellige Summe handeln. Widenhorn gibt zu bedenken, dass die Kollegen mit acht Streifenwagen ausgerückt seien. Zudem drohe dem 50-Jährigen wegen des Vortäuschens einer Straftat eine Geldstrafe oder theoretisch sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Mann wartet nach eigenen Angaben rund eine Stunde auf Hilfe

Und all das, weil der Mann aus seiner Sicht zu lange auf den Rettungswagen warten musste. Der 50-Jährige habe nach eigener Aussage zunächst den Rettungsdienst informiert, berichtet Widenhorn. Als die Sanitäter aber nach rund einer Stunde nicht eingetroffen seien, habe er dann via Notruf behauptet, seinen Onkel erstochen zu haben, um schneller Hilfe für diesen zu erhalten. „Das habe ich noch nicht erlebt, dass jemand so drastisch vorgegangen ist, um an einen Rettungswagen zu kommen“, sagt der Polizeisprecher.