Pleidelsheim „Sterbende Tenöre singen besser“

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Jürgen Deppert Foto: avanti

Pleidelsheim - Jetzt soll der Tenor sterben“, erzählt Bariton Jürgen Deppert mit getragener Stimme von einer Szene der bekannten Arie aus dem Maskenball von Giuseppe Verdi. Der Maskenball sei also voll im Gange und Graf Riccardo – der Tenor – solle nun sterben. Bildhaft vermittelt er dem Publikum das Geschehen in der Oper. Dann ruft er: „Sterbende Tenöre singen besser“ ins Publikum und hat damit die Lacher auf seiner Seite, bevor er weiter von der inhaltlich ambivalenten Handlung berichtet.

Festlich gekleidet vermittelt Jürgen Deppert ernsthaft Wissenswertes rund um die Verdi-Arien, die er am Montagabend in italienischer Originalfassung im gut besuchten Pleidelsheimer Bürgersaal vorträgt. Professionell füllt er mit seiner Stimme den ganzen Saal aus, deutlich ist zu spüren, dass er sich keinesfalls über die großen Komponisten lustig machen will.

Doch dann zieht der Backnanger Künstler flugs sein Jackett aus, wechselt in seinen wunderbaren schwäbischen Dialekt und gibt so seine selbst getextete Variante der Arie zum Besten. Zur Musik der Maskenball-Arie, die von der Konserve kommt, singt er schließlich im weißen Hemd seine Version mit dem Titel „Viecher“. Dabei geht es um ein beliebtes schwäbisches Ausflugsziel – die Wilhelma. „Des isch net nur a Gärtle“, trägt er in bester Bariton-Manier vor.

In der Pause sagt eine Besucherin beeindruckt: „So etwas habe ich noch nirgends gehört, das ist wirklich Oper auf Schwäbisch“. Und so heißt auch sein Programm, das er bei der Veranstaltung des Kulturrings Pleidelsheim darbietet.

Mittlerweile zum zwölften Mal bietet der Verein am Vorabend des Tags der deutschen Einheit ein Konzert an. Die Begrüßung übernimmt an diesem Abend die stellvertretende Bürgermeisterin Susanne Düding, die einen Bogen spannt zum Thema Kommunikation – und wie sich diese von der Zeit des Mauerbaus bis heute entwickelt hat.

Bereits vor drei Jahren hat Jürgen Deppert sein Programm im Bürgersaal präsentiert, „als sparsamer Schwabe müsste ich das ja einfach wiederholen“, überlegt er. Doch nachdem sich einige melden, die das vorige Programm schon gesehen haben, entscheidet er sich für seine sechs neuen Stücke. Und bekommt für alle begeisterten Applaus. Besonders anerkennend zeigen sich Opern-Liebhaber im Publikum, die bewundern, wie viele Arien er an diesem Abend singt, alle auch zusätzlich in seiner eigenen schwäbischen Version und zwischendurch noch so viel spricht: „Das ist wirklich sehr anstrengend.“

Vier Zugaben singt der Künstler nach langanhaltendem Applaus. Eine davon handelt vom liebsten Gebäck der Schwaben. „Des Schwaben Klugheit ist kein Rätsel, die Lösung heißt: die Laugenbrezel“, das habe schon Stuttgarts ehemaliger Oberbürgermeister Manfred Rommel gedichtet. Und auf Anfrage habe Jürgen Deppert zur Eröffnung des Brezelmuseums in Erdmannhausen diese Zeilen als Oper vertont – und noch eine zweite Strophe dazu gedichtet. Auch dieses Lied quittiert das Publikum mit viel Beifall.

Doch als absoluten Höhepunkt bejubeln die Zuhörer das Lied „Kehrwoch“ aus der Carmen von Georges Bizet, bei dem er herrlich die Schwaben mit ihrer Leidenschaft durch den Kakao zieht, für die Herzog Eberhard Ludwig im Jahr 1714 mit seiner Gassensäuberungsordnung den Grundstein gelegt hat. Zuvor hat er mit seiner warmen Baritonstimme das Original vorgetragen – im Frack, versteht sich.

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