Pleidelsheim Ein Loblied auf die Kraft der Träume

Von
Immer wieder besonders atemberaubende Höhepunkte beim „Peter Pan“-Musical sind die Einlagen der Tänzerinnen und artistischen Turnerinnen. Foto: avanti

Pleidelsheim - So fantastisch die Geschichte des Jungen Peter Pan ist, so bombastisch hat die Jugendmusikschule (JMS) Freiberg/Pleidelsheim sie in Szene gesetzt. Sogar ein Seilzug war hoch oben über der Bühne für Peter Pans Flüge installiert worden. Wieder, wie bei vielen Produktionen zuvor, ist es der Schule gelungen, all ihre Schüler und Sparten auf so intelligente Weise zu beteiligen, dass am Ende ein berauschendes Spektakel herauskommt.

Inhaltlich wird nach der Buchvorlage von Christian Berg und Melanie Herzig das Thema der kindlich-trotzigen Verweigerung des Erwachsenwerdens umgemünzt in ein Loblied über die Kraft des Träumens. Mit der Musik von Konstantin Wecker bereitet das junge Sinfonieorchester samt Lehrerband unter der mitreißenden Leitung von Uwe Kohls den märchenhaft- stimmungsvollen Teppich, auf dem alsbald erzählende Randgestalten in dunklen Roben und weißen Augenmasken erscheinen. „Mit diesem Wind kommt Schicksal auf“, raunt es dazu unablässig aus dem Off. Dann werden sentenzenreich der Wert des Träumens und die Existenz hilfreicher Feen beschworen. Das Publikum kann nicht anders, als der Aufforderung zu folgen und mit Klatschen zu bekunden, dass es selbst auch an die Fabelwesen glaubt. Die Reise in Peter Pans Fantasiewelt kann beginnen.

Etienne Bless und Jonas Lay verleihen in den fünf Vorstellungen dem kühnen Himmelsstürmer Körper und Stimme. Stark und ein bisschen wie „große Oper“ wirken die Gesangsduette mit Karla Massouh und Franziska Staudenmaier, die je die Figur der Wendy darstellen. Dieses Mädchen, das Peter Pan als Geschichtenerzählerin zu seinen „Verlorenen Jungs“ führt, wird von seiner Fee Tinkerbell (Carolin Meier/Selina Luczkowski) alsbald als Konkurrentin betrachtet: ein amüsant dargestellter menschlicher Zug im surrealistischen Geschehen. Auch bei den Piraten mit Captain Hook (Gerhard Beck) und seinem von Colin Höcht bravourös gemimten Burschen Smee menschelt es köstlich. Als Schiff dient das zweistöckige Bühnengerüst, auf dem sich die Chöre in wirkmächtigen Beleuchtungen imposant postieren. Immer wieder atemberaubende Höhepunkte sind die Einlagen der Tänzerinnen (Leitung: Janine Grellscheid) und artistischen Turnerinnen Lara Kauderer, Maren Kauderer und Joana Lamatsch.

Peter Pans letztes Lied, an einer Schiene über die Bühne schwebend, zum Fliegen und zur Freiheit ermutigend, passte zu den Begrüßungsworten am Anfang der Premiere am Samstag – gleichzeitig der Neujahrsempfang der Gemeinde. Bürgermeister Ralf Trettner bekundete seine Erschütterung über die Attentate in Frankreich. Er sei aber auch dankbar, dass Tausende sich dagegen erhöben. Unsere Gesellschaft funktioniere immer noch im Zeichen von Toleranz und Freiheit. Am Ende überreichte Trettner den Hauptakteuren Blumen, das letzte Mal an Doris Scülfort. Nach diesem Schuljahr geht die langjährige JMS-Leiterin in den Ruhestand. Die 500 Zuschauer bedankten sich bei ihr mit donnerndem Applaus und erhoben sich von den Stühlen.