Pleidelsheim Der Duft von Zimt im weltweiten Netz

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Katharina Laurer macht auch die Fotos für ihren Blog selbst. Das Set baut sie liebe- und fantasievoll auf. Foto: Werner Kuhnle

Katharina Laurer ist Foodbloggerin. Der Pleidelsheimerin hat es vor allem eine süße Leckerei angetan.

Pleidelsheim - Katharina Laurer auf ihrer Homepage zu besuchen, ist schön. Aber sie zuhause in Pleidelsheim zu besuchen, ist vielleicht noch ein wenig schöner. Denn wenn sie die Türe öffnet, strömt ein warmer Duft von Hefeteig, Zimt und Zucker aus dem Einfamilienhaus am Ortsrand. Die 41-Jährige hat gebacken – und zwar das, was sie am besten kann und am meisten liebt: Zimtschnecken.

Etwa 15 Varianten der süßen Verführung hat Katharina Laurer auf ihrem Internetblog: Dazu gehören ein Zimtschneckenkuchen, Zimtschneckenwaffeln, Zimtschneckenmousetörtchen und vieles mehr. „Zimtschnecken sind meine Kernkompetenz“, sagt sie und lacht herzlich. Und sie ist geübt darin, Backwerke aller Art zu „zimtschneckisieren“. Wie gut, dass man die runden Verführungen in all den Ländern gerne und oft isst, für die die Pleidelsheimerin schwärmt: Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen.

Die Liebe zu den skandinavischen Ländern, allen voraus Dänemark, hatte sich bereits bei der einjährigen Katharina entwickelt – damals war sie zum ersten Mal dort im Urlaub. Seither ist ihre Begeisterung für diese Länder stetig gewachsen. Sogar ein Auslandssemester hatte die gebürtige Eppingerin (Landkreis Heilbronn) während ihres Studiums des Internationalen Vertriebs- und Einkaufsingenieurwesens in Kiel dort verbracht und selbstverständlich sind und waren die skandinavischen Länder immer wieder Reiseziel – heute auch mit ihrem Mann und den beiden kleinen Kindern. Von diesen Reisen bringt Katharina Laurer dann auch neue Ideen mit: Sie kauft sich in Bäckereien süße Teilchen, genießt und analysiert diese und macht sich Gedanken darüber, wie das Rezept dazu aussehen könnte. Zuhause wird experimentiert und probiert. „Viele Zutaten bekommt man hier allerdings gar nicht“, berichtet sie – da ist Improvisieren angesagt. Mit ein wenig Glück schafft es das Rezept dann auf ihren Blog und findet damit weltweite Verbreitung. Man mag denken, Katharina Laurer hat schon immer leidenschaftlich gerne und ständig gebacken. Doch weit gefehlt. In ihrer Studentenbude hatte sie nur einen sehr kleinen Ofen zur Verfügung, später in der ersten eigenen Wohnung einen untauglichen. Erst als sie mit ihrem Partner zusammengezogen war, begann das Experimentieren – mit Backwerk und beispielsweise auch Pralinen. Mit ihren Leckereien beglückte sie dann Arbeitskollegen und Freunde. Den Satz „Hast Du mir mal das Rezept?“ hat die junge Frau in dieser Zeit häufiger gehört. Und als sie sich schließlich in den Blog „zuckerzimtundliebe.com“ verliebte, ist die Idee zum eigenen Blog gewachsen und ihr Hobby war geboren.

Nach ersten Schritten auf ihrer Facebookseite ist die leidenschaftliche Bäckerin dann im Jahr 2013 mit ihrem ersten Blog online gegangen – „mit gruseligen Fotos“, wie sie heute urteilt. Katharina Laurer macht alles rund um ihren Blog selbst – auch die Fotos. Wenn eine Leckerei den Ofen verlassen hat, klappt sie den Laptop auf und platziert es auf dem Esstisch. Dann wird ein Set aufgebaut: Das Backwerk soll ansprechend präsentiert werden, mit schönem Geschirr, Besteck, Deckchen, Blumen, Zutaten und meist auch ein paar Krümelchen. Bis zu 50 Fotos macht die Autodidaktin pro Rezept, aus denen sie dann fünf bis sieben aussucht. Von der Idee für ein neues Backwerk bis zum Auftauchen auf der Webseite https://wienerbroed.com vergehen etwa acht Stunden, berichtet Katharina Laurer. „Wienerbroed“ ist übrigens die dänische Bezeichnung für Plunderteilchen. Das gleiche Gebäck ist in Wien als „Kopenhagener“ bekannt. In Foodbloggerkreisen jedenfalls nennt man Katharina Laurer „die mit dem unaussprechlichen Namen“.

Katharina Laurer stellt meist ein neues Rezept in der Woche auf ihre Seite. „Das ist eigentlich ein bisschen wenig“, findet sie. Künftig würde sie gerne auf zwei Rezepte in der Woche erhöhen. Immer sonntags stellt sie die Fotos und das neue Rezept online – morgens um acht Uhr. Denn sonntagvormittags haben viele ihrer Fans Zeit zum Backen. Manchmal vergehen auch nur wenige Stunden, bis die ersten Kommentare zu ihren neuen Werken eingehen.

Immer wieder mal sind es auch kleine Hilferufe, die sie erreichen. Zum Beispiel: „Hast Du mir einen Tipp, wie ich die Glasur auf den Amerikanern so schön hinbekomme wie du?“ Selbstredend macht es der Foodbloggerin große Freude, wenn ihre Werke gleich ausprobiert werden und anderswo den sonntäglichen Kaffeetisch zieren – und dass sie kleine Tricks verrät, ist Ehrensache.