Pläne in Großbottwar Weingut will in die Weinberge ziehen

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An dieser Stelle im Gewann Friedrichsberg Foto: KS-Images

Markus Bruker aus Großbottwar plant einen neuen Standort für seine Produktion und Vinothek. Die Genehmigung ist noch offen.

Großbottwar - Ein Weingut mitten in den Weinbergen: Es hat etwas von Urlaubstraum – man kennt es aus anderen deutschen Weinregionen, aber noch mehr aus der Toskana, aus Südtirol oder gar aus Neuseeland oder von sonstwo. In der Region Stuttgart sind sie eher selten, die Keltern und Vinotheken draußen zwischen den Reben. Ein paar gibt es, etwa den Amalienhof oberhalb von Beilstein, das Weingut Kusterer, das 2012 aus der engen Esslinger Innenstadt in die neu erbaute Gravitationskelter in den Weinbergen zog oder das Lauffener Weingut Hirschmüller, das derzeit einen neuen Standort baut.

Erste Pläne zu einem solchen Schritt gibt es nun auch in Großbottwar. Weinmacher Markus Bruker hat bei der Stadt eine Bauvoranfrage eingereicht, bei der es um den Neubau des Weinguts mit Kelter, Degustation und Winzerwohnung geht. Der Standort soll direkt in den Weinbergen sein, im Gewann Friedrichsberg, seitlich unterhalb des Harzberghäusles.

Das Areal liegt im Landschaftsschutzgebiet

Dort, auf seinem Gelände im Landschaftsschutzgebiet, könnte das neue Gebäude entstehen. An der Kleinaspacher Straße, mitten im Ort, „ist es sehr beengt, wir haben seit Jahren viel zu wenig Platz“, sagt Bruker. Deshalb habe er sich Gedanken gemacht, wie es weitergehen könnte. Und da er gern über den Tellerrand hinausschaue und auch vieles im weinmachenden In- und Ausland gesehen habe, kam die Idee mit dem Weingut im Weinberg. Unabhängig von Hotel und Gastronomie soll es rein um das Thema Wein gehen – inmitten der Reben.

„Anderswo ist das Gang und Gebe“, sagt Bruker. Denn so könne der Kunde alles rund um den Weinbau hautnah miterleben. „Flair und Emotionen kann man nicht an der Hauptstraße transportieren. Im Weinberg – naturnah – ist der richtige Standort.“ Dem Großbottwarer Weinmacher ist aber auch klar: „Zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen noch einige große Hürden.“

Eine kleine davon hat er am Montagabend genommen. Die Bauvoranfrage passierte den Technischen Ausschuss des Großbottwarer Gemeinderats. Knapp, aber mehrheitlich. CDU-Stadtrat Matthias Wien befand das Vorhaben „recht interessant“. Zwar sehe er ein Problem mit der Erschließung, aber „ich kann mir vorstellen, dass das gut passt.“ Ähnlich Oliver Hatstang von der SPD: „Wir nennen uns Weinort im Bottwartal. Deshalb würden wir ein solches Projekt sehr begrüßen.“ Sehr skeptisch zeigte sich Markus Brosi (FBWV). „Das ist ein immenses Gebäude nahe des Waldrands. Landschaftsmäßig passt das nicht rein.“ Zudem sei der Verkehr ein Problem, den auch Manuela Sommer (FBWV) kommen sieht. Bei Veranstaltungen werde seitlich geparkt, außerdem seien viele Mähdrescher unterwegs. Fünf Ja-Stimmen standen am Ende vier Nein-Stimmen und einer Enthaltung entgegen.

Letztlich liegt die Entscheidung aber ohnehin beim Landratsamt Ludwigsburg. Hier wird darüber befunden, ob das Vorhaben privilegiert ist oder nicht . Und auch für den Fall, dass grünes Licht gegeben wird, gibt es noch viel zu klären – etwa die Fragen der Erschließung, angefangen von Wasser- und Abwasser bis hin zum Strom.

Auch der Verband Region Stuttgart (VRS) hat ein Wörtchen mitzureden. Stichwort regionaler Grünzug, wie es Thomas Kiwitt formuliert. Der Leitende Technischer Direktor des VRS war schon häufiger mit dem Thema Weinarchitektur, wie er es nennt, konfrontiert – also mit der Frage, wie und wo Weinerzeuger ihre Produktionsanlagen neu gestalten können. Das sei in dieser Form zwar im Landkreis Ludwigsburg neu, so Kiwitt, er verweist aber beispielsweise auf Fälle aus dem Remstal.

Ambiente ist von großer Bedeutung

„Das Terroir, das Ambiente sind bei den Direktvermarktern im Weinbau von großer Bedeutung und müssen mitverkauft werden.“ Das sei nachvollziehbar, erklärt Kiwitt. Ebenso wichtig sei aber, dass die Landschaft, in die man hineinschaue, auch frei bleibe. „Der Blick von der Terrasse einer Vinothek in den Weinbergen ist auch nur dann toll, wenn nicht alles mögliche andere in der Natur herumsteht.“ Sprich, wenn nicht jeder Wengerter seinen Betrieb in die Weinberge verlegt – ein Szenario, vor dem auch in Naturschutzkreisen gewarnt wird.

Ob sein Projekt also letztlich umgesetzt werden kann, „müssen wir abwarten“, sagt Markus Bruker. Zumal ohnehin noch einiges Wasser die Bottwar hinunterfließen würde, bis es soweit ist – angefangen von der Genehmigung bis hin zum Bau. Aber: „Ich bin da entspannt.“ Dieses Projekt sei nur eine von drei Überlegungen, was die Zukunft des Großbottwarer Weinguts angehe.

Wie geht es weiter?

Landratsamt
 Die Bauvoranfrage befindet sich noch im Verfahren, da alle für die Entscheidung notwendigen Stellungnahmen noch nicht vorliegen, heißt es seitens des Landratsamtes Ludwigsburg. „Wir können also noch nicht sagen, wann wir darüber entscheiden können“, sagt Pressesprecher Andreas Fritz.

Privilegierung
 Ein landwirtschaftliches Vorhaben ist im Außenbereich privilegiert, wenn es dem Betrieb dient und hinsichtlich seiner Lage und seines Umfangs unter Berücksichtigung der Schonung des Außenbereichs angemessen ist, teilt der Sprecher des Landratsamts mit. „Dies bedeutet aber nicht, dass jedes privilegierte Vorhaben auch automatisch genehmigt wird, es ist nur erleichtert zulässig.“ In diesem Fall spiele insbesondere die geplante Lage im Landschaftsschutzgebiet eine wesentliche Rolle. Eine weiter Punkt laut Verband Region Stuttgart ist, dass es beispielsweise keine andere Möglichkeit für den Betrieb innerorts gibt.