Pflegeheim in Mundelsheim Viel Rauch, um den Ernstfall zu proben

Von Sandra Lesacher
Andreas Scholl von der Haustechnik lässt sich probehalber von Einrichtungsleiterin Samantha Sturm samt Matratze mit der Rettungsdecke aus dem Pflegebett ziehen. Foto: avanti

Was tun, wenn’s brennt? Im Pflegeheim Alexander-Stift in Mundelsheim hat eine Brandschutzübung stattgefunden.

Rauch quillt aus Zimmer Nummer zehn, als die Tür geöffnet wird. „Hier ist es“, ruft die Mitarbeiterin des Alexander-Stifts Mundelsheim, die als erste am vermeintlichen Unglücksort ist. Der Rauchmelder hatte angeschlagen. An diesem Freitagmorgen allerdings mehr oder weniger angekündigt. Mitarbeiter und Bewohner wussten von der Brandschutzübung – allerdings nicht, was genau passieren würde.

Und dann sind sie plötzlich alle mittendrin im gespielten Schreckensszenario. Das Zimmer ist voller Rauch (von einer Nebelmaschine), neben dem Bett liegt eine regungslose Person (eine Übungspuppe). Rasch wird gehandelt, die Puppe in den Flur getragen, ein Feuerlöscher geholt, überprüft, ob das Fenster im betroffenen Zimmer auch wirklich zu ist . . .

In den rund zehn Minuten bis zum Eintreffen der Feuerwehr geht es im Falle des Falles darum, Menschenleben zu retten. Deshalb die Übung, erklärt Marc Müller, der Brandschutzbeauftragte der Diakonie Stetten, die das Alexander-Stift betreibt. Die Feuerwehr kommt freilich an diesem Tag nicht. Zwar ist sie mit der Brandmeldeanlage des Hauses am Neckar verbunden, aber die Übung war im Vorfeld auch bei der örtlichen Wehr angekündigt.

Peu à peu sollen solche Übungen in allen Häusern der Diakonie Stetten stattfinden – knapp zwei Dutzend Senioren-Einrichtungen betreibt sie in insgesamt sechs Landkreisen. Wie wichtig das ist, zeigt ein Blick in die Statistik des Bundesverbands Technischer Brandschutz (bvfa): Im Jahr 2022 wurden bis Anfang September bundesweit bereits 118 Brände in sozialen Einrichtungen registriert. Darunter beispielsweise ein Brand in einem Seniorenheim in Kornwestheim im Februar, bei dem glücklicherweise niemand zu Schaden kam. Oder ein Zimmerbrand in einem Patientenzimmer in einem Pflegeheim in Großerlach im April. Dabei gab es einen Schwer- und zwei Leichtverletzte.

Erst vor wenigen Wochen starben drei Menschen durch einen Zimmerbrand in einem Seniorenheim in Wardenburg im Landkreis Oldenburg in Niedersachsen an einer Rauchgasvergiftung. Zehn weitere Senioren wurden bei dem Feuer im September teilweise schwerst- und lebensgefährlich verletzt.

Der Unterschied zwischen einem Brand in einem Seniorenwohnheim und einem in einem „normalen“ Wohnhaus liegt auf der Hand. „Zum einen betrifft es gleich eine große Menge an Menschen“, erklärt Marc Müller. Zum anderen gebe es auch viele Bewohner, die nicht mobil sind. „Letztlich brauchen hier alle Hilfe.“

Diese im Ernstfall zu leisten – dazu werden die Mitarbeiter immer wieder geschult. Nach der Übung wird besprochen, was gut lief und was besser hätte laufen können. Unter anderem soll künftig der Rauchmelder-Alarm direkt auf die Telefone der Mitarbeiter kommen samt der betroffenen Zimmernummer, sodass nicht lange gesucht werden muss.

Außerdem hat die Diakonie Stetten für ihre Seniorenheime nun 500 Rettungsdecken geordert. Mit diesen werden alle Betten ausgestattet, sodass die Mitarbeiter die Bewohner relativ einfach mitsamt der Matratze im Notfall schnell aus dem Zimmer bringen können. Genau das wurde im Zuge der Brandschutzübung am Freitag auch gleich ausprobiert.